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Lizenzvergabe: Im Irak läuft wieder das Ölgeschäft

In einer zweitägigen Bieterrunde legen sich Ölkonzerne weltweit ins Zeug, um mit von der Partie zu sein. Um vom erwarteten Öl-Boom zu profitieren, akzeptieren sie ungewöhnliche Konditionen. Von Oliver Ristau

Wohin läuft das Geschäft mit dem Öl im Irak?
Wohin läuft das Geschäft mit dem Öl im Irak?
Foto: afp

Der Irak ist wieder wer im weltweiten Ölgeschäft. Nachdem die Ölwirtschaft des Landes als Folge von Sanktionen und anschließender US-Invasion über Jahre am Boden lag, steht der Wiederaufbau vor der Tür.

In einer zweitägigen Bieterrunde haben sich Ölkonzerne weltweit ins Zeug gelegt, um mit von der Partie zu sein. Insgesamt sieben Felder wurden vergeben.

Mega-Übernahme

Der Ölmulti Exxon übernimmt für 41 Milliarden Dollar XTO Energy. Der Kaufpreis beinhalte XTO-Schulden über zehn Milliarden Dollar, erklärte Exxon. Der Zusammenschluss solle im zweiten Quartal 2010 abgeschlossen werden. Exxon-Aktien fielen vorbörslich in New York um 0,9 Prozent, XTO-Papiere schossen 21 Prozent in die Höhe.

Neben westlichen Ölgesellschaften wie Shell waren russische Firmen wie Lukoil und Gazprom, chinesische Staatskonzerne und kleinere Gesellschaften aus Malaysia und Angola erfolgreich.

Zusammen mit den bereits im Juni vergebenen ersten Öllizenzen will der Irak die Ölproduktion bis Ende des nächsten Jahrzehnts auf mehr als sieben Millionen Barrel (Fass à 159 Liter) pro Tag verdreifachen und damit hinter Saudi-Arabien zum zweitgrößten Produzenten der Welt aufsteigen. 2008 förderte das Land nach Angaben von BP 2,4 Millionen Fass pro Tag und war damit die Nummer zwölf.

Um beim erwarteten Öl-Boom dabei zu sein, akzeptieren die Konzerne ungewöhnliche Konditionen. Sie übernehmen für den irakischen Staat als Dienstleister die Förderung des zähflüssigen Rohstoffs - und zwar zu einem Preis, der bei bei einem Bruchteil der aktuellen Notierungen an die Börsen liegt.

Im Falle der britisch-niederländischen Shell-Gruppe, die gemeinsam mit der malaysischen Petronas den Zuschlag zur Förderung des Ölfeldes Majnoon erhalten hat, sind es nur 1,39 Dollar je Barrel. Der Ölpreis liegt dagegen aktuell bei 70 Dollar. Die Differenz streicht der irakische Staat ein. Shell will die Ausbeute des Majnoon-Felds von derzeit 45.000 auf 1,8 Millionen Fass pro Tag steigern.

"Es ist eine Frage der Menge", erklärt BP-Sprecher Ulrich Winkler. Der Londoner Ölmulti hatte sich im Juni gemeinsam mit der China National Petroleum erfolgreich um die Ausbeutung des Rumaila-Felds bemüht, für das der Irak zwei Dollar je Fass bezahlt.

Die aktuelle Förderung soll bis Ende des nächsten Jahrzehnts auf 2,8 Millionen Barrel pro Tag fast verdreifacht werden. Dann würde das Feld einen Ertrag von täglich sechs Millionen Dollar oder gut zwei Milliarden Dollar pro Jahr bringen.

Die dafür vorgesehenen Investitionen von zehn bis 20 Milliarden Dollar wären so in fünf bis acht Jahren verdient. Die Vermarktung des Öls übernimmt schließlich der Staat, der damit am meisten vom hohen Ölpreis profitiert.

"Das ist nichts Ungewöhnliches", beschreibt Winkler den Mechanismus. Denn die größten und lukrativsten Ölfelder befänden sich weltweit überwiegend in staatlicher Hand.

Die Diskrepanz zwischen dem Ölpreis an der Börse und den Erschließungskosten ist insbesondere bei den großen Ölfeldern in der arabischen Welt enorm. "In Saudi-Arabien liegen die Förderkosten teilweise auch nur bei drei Dollar", sagt Winkler. Gründe sind hohe Vorkommen in günstiger geologischer Lage.

Dennoch hat sich die internationale Ölindustrie anfangs verschnupft über die Angebote des Iraks gezeigt und bei der ersten Runde kaum Gebote abgegeben. Dass sich die Lage verändert hat, dürfte daran liegen, dass der Irak das einzige Land ist, in dem die Konzerne ihre Produktion auf Jahre noch ausbauen können.

Autor:  Oliver Ristau
Datum:  14 | 12 | 2009
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