Aktuell: Fußball-EM 2016 | Brexit | HIV und Aids | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

11. August 2014

Netzausbau: Streit bremst Energiewende

 Von 
Zwischen den Bürgerinitiativen entlang der geplanten Trasse und dem Ministerium herrscht dicke Luft.  Foto: dpa

Die Politik verzögert ein Schlüsselprojekt der Energiewende: Die Stromtrasse, die elektrische Energie von Ostdeutschland in den Süden bringen soll.

Drucken per Mail

Das Hickhack will kein Ende nehmen. Beinahe täglich gibt es neue Wortmeldungen zum Thema Gleichstromtrasse Süd-Ost. Es handelt sich um den Bau einer 450 Kilometer langen Stromautobahn zwischen Bad Lauchstädt bei Halle und Meitingen nördlich von Augsburg. Das Vorhaben gilt als Schlüsselprojekt der Energiewende. Doch seit Monaten wächst der Protest entlang der geplanten Trasse. Dutzende Bürgerinitiativen machen mobil. Ein Schwerpunkt des Widerstandes ist Ost-Thüringen. Dort sollte die Stromtrasse entlang der Autobahn A9 führen.

Ende Juli schaltete sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ein: „Natürlich wird der jetzige Korridor nicht kommen“, so damals seine Ansage. Zugleich machte er sich dafür stark, die Trasse gen Norden zu verlängern. Das war wohl der Versuch, die Aufregung über das Projekt zu dämpfen. Doch das gelang nicht. Die Grünen attackierten. Hintergrund: Eigentlich darf bei der Planung von großen Stromtrassen politisches Kalkül keine Rolle spielen. Die Netzbetreiber sind zuständig. Sie erarbeiten aufgrund des prognostizierten Bedarfs einen Netzentwicklungsplan (NEP), der von der Bundesnetzagentur als zuständiger Behörde geprüft und dann per Gesetz festgeschrieben wird.

Taktischer Schachzug

Just darauf verweist auch das Wirtschaftsministerium in der Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer – das Papier liegt dieser Zeitung vor. Die Bundesregierung begleite die Erstellung des NEP durch die Netzbetreiber „und greift deren Ergebnis durch eigene Überlegungen nicht vor“, schreibt Staatssekretär Rainer Baake. Für Krischer macht die Antwort vor allem eins klar: „Im Hause Gabriel geht es offensichtlich drunter und drüber“. Der SPD-Politiker setze sich über die „gesetzlichen Grundlagen“ zum Netzausbau hinweg, die sein Ministerium hoch halte.

Im aktuellen Entwurf zur Fortschreibung des NEP jedenfalls ist Bad Lauchstädt nach wie vor einer der Endpunkte. Doch hinter den Kulissen wird zwischen Politik und Netzbetreibern auf informeller Ebene heftig über das Ummodeln des Projekts diskutiert – die Firmen 50Hertz und Amprion wollen die Kabel verlegen. Die Verlängerung ist ein taktischer Schachzug. Damit besteht die Chance, den Verlauf nun so zu justieren, dass Widerstandsnester nicht mehr tangiert werden.

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) geht schon mal aufs Ganze und versucht durchzusetzen, dass die Leitung nun gar nicht mehr durch ihr Bundesland verläuft. Doch Gabriel hält dagegen: Er könne sich nur schwer vorstellen, dass die Trasse an Thüringen vorbeiführen wird. Das sei eine Frage der Wirtschaftlichkeit, sagte er am Wochenende.

Sicher ist derzeit nur eins: Mit dem geplanten Beginn des konkreten Genehmigungsverfahrens noch 2014 wird es nichts mehr. Es dauert mindestens ein Jahr, bis neue rechtliche Voraussetzungen für die verlängerte Süd-Ost-Passage geschaffen sind. Aus der anvisierten Fertigstellung im Jahr 2022 wird es mit großer Wahrscheinlichkeit auch nichts mehr. Dabei wurde die Leitung bislang im NEP als extrem wichtig kategorisiert.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Spezial

Schafft Deutschland die Energiewende - und die Atomkraft ab? Bringen die alternativen Quellen genug Leistung? Und schaffen die Netze die Verteilung? Das Spezial.

Beziehen Sie schon Ökostrom?

Der Atomausstieg soll 2022 Realität werden. Aber schon heute gibt es die Möglichkeit, Ökostrom zu beziehen? Sind Sie schon umgestiegen?

Ja, ich beziehe Ökostrom.
Weiß nicht, ich beziehe grundsätzlich den günstigsten Strom.
Weiß nicht, ist mir auch egal.
Nein, ich halte Ökostrom für den falschen Weg.
Der Atomausstieg
Nachgefragt

Schon 1946 wurde das erste Mal darüber nachgedacht, welches Symbol für die neue Energieform steht. Wir haben nachgefragt.

Anzeige

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Atommüll-Endlager
Schacht Konrad - Das ehemalige Erzlager soll 2019 den Betrieb als Endlager für Atommüll aufnehmen. Geplant ist, 90 Prozent des gesamten Volumens der radioaktiven Abfälle in Deutschland zu lagern.

Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...