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Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

08. November 2011

Nord-Stream: Putins Pipeline geht in Betrieb

 Von Frank Herold
Ein Pipeline-Verlegeschiff bei Rügen.  Foto: dapd

Angela Merkel und Dmitri Medwedew feiern die lange umstrittene Nord-Stream-Pipeline. Nur die anderen Ostsee-Anreiner fühlen sich weiter ausgeschlossen. Mit der Fertigstellung liegt Nord-Stream weit vor dem Nabucco-Projekt.

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Angela Merkel und Dmitri Medwedew feiern die lange umstrittene Nord-Stream-Pipeline. Nur die anderen Ostsee-Anreiner fühlen sich weiter ausgeschlossen. Mit der Fertigstellung liegt Nord-Stream weit vor dem Nabucco-Projekt.

Großer Auftrieb im kleinen Lubmin an der Ostseeküste. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Dmitri Medwedew nehmen den ersten von zwei Strängen der lange umstrittenen Erdgas-Pipeline durch die Ostsee offiziell in Betrieb. Die Nordstream-Trasse transportiert den Rohstoff aus Westsibirien durch die Ostsee in eine Reihe von EU-Ländern. Es ist das bedeutendste europäische Energieprojekt der letzten Jahre.

Deutschland werde durch die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende in den kommenden Jahren verstärkt auf Erdgas als umweltfreundlichen Energieträger angewiesen sein, würdigte Eckhard Cordes, Chef des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, das Projekt. Insgesamt können mit dem Gas aus dieser Pipeline bis zu 26 Millionen Haushalte versorgt werden.

Russland kann Transitländer umgehen

Der Bau von Nordstream hatte im April 2010 in der Portowaja-Bucht bei Wyborg Nahe der russisch-finnischen Grenze begonnen. Mit dieser Trasse kann Russland erstmals unter Umgehung der Transitländern Weißrussland, Ukraine und Polen Erdgas direkt bis nach Westeuropa pumpen. Der staatliche russische Energiemonopolist Gazprom ist mit 51 Prozent Haupteigner der Pipeline-Gesellschaft. Außerdem sind die BASF-Tochter Wintershall, der Versorger Eon Ruhrgas, die niederländische Gasunie und der französische Konzern GDF Suez an dem Projekt beteiligt.

Erste Überlegungen für die Ostsee-Trasse hatte es bereits vor mehr als einem Jahrzehnt gegeben. Lange jedoch mussten die Verantwortlichen gegen ökologische Bedenken und politischen Widerstand ankämpfen. Über beides setzen sich der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder und Wladimir Putin, seinerzeit russischer Präsident, hinweg. Sie unterzeichneten 2005 in Berlin eine Absichtserklärung zum Bau der Pipeline. Auch Schröder wird am heutigen Dienstag in Lubmin dabei sein. Er war unmittelbar nach vorgezogenen Neuwahlen aus der Politik in die Führung des Nordstream-Konsortiums gewechselt.

Heftige Kritik aus baltischen Staaten

Die Prüfungen zur Umweltverträglichkeit zogen sich hin – in Schweden noch bis zum Herbst 2009. Im Finnischen Meerbusen und bei der Insel Bornholm musste die Trassenführung mehrmals umgeplant werden. Heftige Kritik kam aus den baltischen Staaten, vor allem aber aus Polen und der Ukraine. Letztere hätten eine Leitung vorgezogen, die im Transit über das Territorium ihrer Länder führt. Doch die ukrainische Regierung lieferte selbst das entscheidende Argument gegen eine solche Lösung, als sie im Winter 2009 die russischen Erdgaslieferungen nach Westeuropa über Wochen sperrte.

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Nach dieser Blockade war der politischen Widerstand gegen Nordstream im Westen zusammengebrochen. Einzig Polen führt derzeit noch ein Nachhut-Gefecht. Die Stettiner Hafengesellschaft hat im Frühjahr beim Hamburger Verwaltungsgericht Klage gegen die Trasse eingereicht. Sie liege zu flach und behindere so die Zufahrt nach Swinemünde für Schiffe mit großem Tiefgang, lautet die Begründung. Polen baut – als Antwort auf Nordstream – in Swinemünde gerade einen Terminal für Flüssiggastanker. In der ersten Instanz sind die Stettiner bereits gescheitert.

Mit der Fertigstellung des ersten Stranges liegt Nordstream weit vor dem Nabucco-Projekt, das weithin als Konkurrenz zu der Gazprom-Investition angesehen wird. Für Nabucco sind Anfang Oktober gerade einmal die Angebote an den Erdgas-Lieferanten Aserbaidshan unterbreitet worden, der bis zu zehn Milliarden Kubikmeter jährlich bereitstellen will. Derzeit sind vier weitere Projekte in der Planung. Auch hier ist Gazprom engagiert: Mit einer Trasse durch das Schwarze Meer bis zum Balkan.

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