Die Grünstromer können zufrieden sein. Der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland liegt über Plan. Es geht so schnell voran mit Wind und Sonne, dass die Bundesregierung ihre Zielmarke erhöht hat: Statt 35 Prozent bis 2020 soll der Anteil am Stromverbrauch auf 40 Prozent steigen. Doch durch den hurtigen Ausbau ergeben sich Probleme, die bislang ungelöst sind.
Ein Beispiel: Wenn nur wenig Öko-Strom im Netz ist, dann braucht das System Gas- und Kohlekraftwerke, um den Bedarf zu decken. Doch diese Kraftwerke sind immer weniger profitabel, weil sie schließlich seltener laufen. Neue Anlagen werden deshalb so gut wie gar nicht mehr in Auftrag gegeben, alten droht die Schließung.
Die Bundesregierung kennt die Lage und hat gehandelt: Sie verbietet per Gesetz einfach, dass Kraftwerke von einem Tag auf den anderen abgeschaltet werden dürfen. Systemrelevante Anlagen müssen sogar auf Befehl weiter betrieben werden. Doch das ist nur eine Notlösung. Ein halbes Dutzend Studien liegt nun vor, die sich mit der Frage beschäftigen, wie der fossile Kraftwerkspark langfristig stabilisiert werden kann.
Vergangene Woche haben endlich der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) und Greenpeace Energy eine eigene Studie zum neuen Marktdesign vorgelegt. Doch die Studie bleibt auf halber Strecke stehen. Leitlinien werden definiert, Fragen aufgeworfen – aber ein konkretes Modell fehlt.
Stattdessen findet sich in der Studie das Plädoyer, die direkte Förderung der erneuerbaren Energien müsse aufrechterhalten werden. Prinzipiell hat der BEE Recht: Die Vorstellung, dass sich die Erneuerbaren über einen freien Markt weiter ausbauen lassen, ist irrig. Dafür sind sie noch zu teuer. Und immerhin erkennt der BEE an, dass auch bei der Grünstromförderung Reformbedarf besteht.
Was schmerzlich fehlt, sind detaillierte Vorschläge, wie die grüne Subventionsmaschine so verändert werden könnte, dass sich die Probleme der Vergangenheit nicht wiederholen. Die von der Politik festgelegten Fördersätze haben schließlich einen unsinnig rapiden Ausbau der Photovoltaik verursacht, der die Stromverbraucher nun teuer zu stehen kommt.
Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...