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Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

06. April 2014

Photovoltaik Energiewende: Solar boomt - nur nicht in Deutschland

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Das größte solarbetriebene Boot der Welt liegt vor Cancun.  Foto: REUTERS

Jahr der Rekorde: Die Photovoltaik-Branche legt weltweit zu. Experten hoffen, dass Deutschland nachziehen kann.

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Soviel steht fest: 2014 wird ein Jahr der Rekorde für die Solarbranche. Die Photovoltaik (PV) erlebt einen neuen Boom. Nur bislang nicht in Deutschland. Allerdings hoffen Experten, dass sich das noch ändern wird und die Bundesregierung dem nicht durch neue Regeln einen Riegel vorschiebt.

Deutschland war einst der globale Pionier der Photovoltaik. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz machte es möglich. Es gab großzügige Vergütungen für das Einspeisen der Solarenergie ins Netz. Doch die Kosten für die Förderung des Ökostroms schossen in die Höhe. Die Bundesregierung kappte die Entgelte. Auch in anderen Ländern mit ähnlichen Fördersystemen wie Spanien wurde den Politikern die Subventionierung der Photovoltaik zu teuer. Die Hersteller von Sonnenstromanlagen stürzten in eine schwere Krise mit vielen Pleiten.

Doch inzwischen hat sich die Branche wieder berappelt. Die US-Marktforschungsfirma NPD Solarbuzz hat herausgefunden, dass im ersten Quartal 2014 weltweit Anlagen mit einer Leistung von rund neun Gigawatt ans Netz gingen, soviel wie noch nie in den ersten drei Monaten eines Jahres. Das entspricht einer Steigerung um knapp ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Die Experten rechnen damit, dass in diesem Jahr insgesamt erstmals etwa 50 Gigawatt hinzukommen könnten.

Etwas zurückhaltender fallen die Prognosen der Deutschen Bank aus. In einer kürzlich erschienen Studie werden 46 Gigawatt prognostiziert – das entspricht der Leistung von rund 40 Atommeilern. 2015 sollen es aber schon 56 Gigawatt werden. Der Aufschwung wird sich nach Einschätzung der Autoren 2014 vor allem in China, Japan und den Vereinigten Staaten abspielen – erneut angetrieben durch staatliche Förderprogramme.

Auch für Josef Auer von DB Research, dem Thinktank der Deutschen Bank, gibt es keinen Zweifel am neuen Boom. „Die Nachfrage nach Sonnenstromanlagen steigt weltweit“, sagt er. In der Folge würden neue Fabriken für die Produktion von Solarmodulen entstehen. In der Branche ist von „Giga-Fabs“ die Rede – Fertigungsanlagen einer neuen Größenordnung. Durch die Massenproduktion reduzierten sich die Kosten für die Solarmodule erheblich, zugleich wachse deren Leistungsfähigkeit, so Auer.

Furcht vor einer Strafsteuer

Die immer günstigeren Anlagen werden auch auf den deutschen Markt kommen. Für Holger Krawinkel, Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), besteht kein Zweifel, dass in absehbarer Zeit, „hierzulande Sonnenstrom für sechs bis neun Cent pro Kilowattstunde erzeugt werden kann“, sagte er. Er erwartet, dass dann neue Anlagen in großer Zahl entstehen können, die nicht mehr auf die immer weiter sinkenden Einspeisevergütungen angewiesen sind, da sie „vornehmlich für den Eigenverbrauch konzipiert“ seien.

Das leuchtet ein, da Privathaushalte derzeit in der Regel mehr als 25 Cent pro Kilowattstunde an ihren Versorger zahlen müssen. Auch für viele kleine und mittelgroße Betriebe und für Wohnungsbaugesellschaften wird Solarstrom immer attraktiver. Bislang spielt die Eigennutzung von PV-Energie hierzulande eine untergeordnete Rolle.

Doch Krawinkel geht davon aus, dass schon 2018 knapp zehn Prozent der erzeugten Solarenergie direkt verbraucht wird, er beruft sich dabei auf Prognosen der Netzbetreiber. Langfristig hält er es sogar für möglich, so etwa ein Drittel des gesamten bundesdeutschen Bedarfs abzudecken.

Doch es drohen neue Restriktionen durch die Politik, die den Boom aufhalten könnten. Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) hat vor, bei neuen Solaranlagen für selbst genutzten Strom die EEG-Umlage einzuführen. Diese Abgabe wird bislang von den Stromkunden bezahlt, damit werden die Einspeisevergütungen finanziert, derzeit sind es 6,24 Cent pro Kilowattstunde. Für die Nutzung selbstgemachten Sonnenstroms ist ein reduzierter Satz von 4,4 Cent im Gespräch.

Für Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, ist es „unbegreiflich und widersinnig“, dass Gabriel künftig ausgerechnet umweltfreundliche Unternehmer zur Kasse bitten will, die sich mit Sonnenstrom selbst versorgen wollen. Die Energiewende werde ausgebremst, die Zukunft einer Umweltbranche aufs Spiel gesetzt. Krawinkel befürchtet, dass die Abgabe „wie eine Strafsteuer“ wirken wird. Deutschland werde damit vom neuen Solarboom abgehängt.

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