Tschechien will sein Stromnetz nicht gegenüber Deutschland abschotten. Dies sagte Tschechiens Premierminister Petr Nečas heute Mittag im Tschechischen Fernsehen.
Er sei überzeugt, dass Deutschland die Probleme mit der Überlastung des Hochspannungsnetzes durch die stark schwankende Einspeisung von Strom aus Windkraftanlagen selbst in den Griff bekommen werde, so der bürgerlich-konservative Regierungschef.
Auch ein Ultimatum an Deutschland werde es nicht geben, Drohungen seien mit einer guten Nachbarschaftspolitik nicht vereinbar, betonte Nečas.
Netzausbau in Tschechien und Deutschland
Gleichzeitig betonte der Premier, der tschechische Netzbetreiber ČEPS werde in den kommenden Jahren umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro in die Modernisierung des tschechischen Stromnetzes investieren, damit Tschechien weiterhin Teil des gesamteuropäischen Energiemarktes sei.
Auch in den Ausbau der Gas- und Ölleitungen und deren verbesserte Anbindung an die Nachbarstaaten will Tschechien investieren.
Tschechiens Regierungschef begrüßte die Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Samstag in einem Interview mit der Prager Tageszeitung Lidové Noviny (LN) versichert hatte, Deutschland werde den Ausbau seines Stromnetzes noch schneller als geplant vorantreiben, um die Belastungen für die Nachbarländer einzuschränken.
Deutscher Öko-Strom fließt durch Tschechien
Wegen mangelnder Netzkapazitäten fließt ein großer Teil des in Norddeutschland mit Windkraft erzeugten Stroms über Tschechien zu den Abnehmern im Süden. Dies führt im tschechischen Hochspannungsnetz immer wieder zu extremen Belastungsspitzen.
Experten befürchten ein Blackout in weiten Teilen des Landes und sprachen sich deshalb für die Errichtung von Lastbegrenzern an den Grenzen aus. Auch Polen kritisiert seit längerem die durch deutschen Ökostrom verursachte Überlastung seines Stromnetzes.
Kanzlerin Merkel am Dienstag in Prag
Die Bundeskanzlerin reist am Dienstag zu einem Arbeitsbesuch nach Prag. Dabei sollen auch bilaterale und europäische Energiefragen erörtert werden, heißt es aus dem Umfeld der beiden Politiker. Außerdem wollen Merkel und Nečas über Tschechiens ablehnende Haltung gegenüber dem europäischen Fiskalpakt und weitere Fragen im Zusammenhang mit der Eurokrise sprechen.
Merkel lobte in diesem Zusammenhang gegenüber den LN die zahlreichen Reformschritte, die Tschechien zur Konsolidierung seiner öffentlichen Haushalte unternommen habe. Sie erlebe Premier Nečas in Brüssel als "konstruktiven Partner" und habe nicht den Eindruck, dass Tschechien sich durch seine Ablehnung des Fiskalpaktes von den gemeinsamen Zielen der EU abwenden wolle.
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