München. Die Erlanger Hightech-Schmiede Solar Millennium will mit Sonnenkraftwerken in eine neue Dimension vorstoßen. "Sonnenenergie ist der logische Nachfolger der Kernenergie", begründete der neue, vom Energieversorger EnBW kommende Konzernchef Utz Claassen zur Bilanzvorlage in München die ehrgeizige Wachstumsstrategie.
Im laufenden Geschäftsjahr 2009/10, das Anfang Oktober endet, sollen sich die Umsätze bereinigt um Sondereffekte auf 350 Millionen Euro mehr als verdoppeln - und der operative Gewinn um die Hälfte auf 45 Millionen Euro steigen. Das Vorjahr hatte eine Versechsfachung der Erlöse und eine Vervierfachung der Profite gebracht.
Mit Solar Millennium ist der als Atommanager bekannte Claassen damit auch wirtschaftlich auf der Sonnenseite angekommen. Ein Freund von Atomenergie als Übergangstechnologie bleibe er dennoch, stellte der 46-Jährige klar. Sein neues Unternehmen baut solarthermische Kraftwerke in Spanien, Ägypten, demnächst auch in den USA und ist Gründungsmitglied des Desertec-Projekts, das einmal Sonnenstrom aus der Sahara nach Europa leiten will.
Am vorjährigen Rekordergebnis der Erlanger mitten in der Finanzkrise habe er noch keinen Anteil, meinte Claassen bescheiden. Für die Zukunft hat er aber große Pläne mit dem Mittelständler, dessen Aktien bislang im Freiverkehr gehandelt werden. Den Tec-Dax oder auch ein gehobeneres Börsensegment streben er und seine Mitmanager an. Ein separater Börsengang in den USA sei kurzfristig möglich.
Die Wachstumsraten sollen auch mittelfristig hoch bleiben. Begrenzt werden sie vor allem durch Engpässe beim Personalaufbau und die Finanzierung von Großprojekten.
Allein in den USA könnte Solar Millennium demnächst fünf Solarthermieanlagen bauen, wenn die eigenen Kapazitäten dafür ausreichen würden. Konkret für 2010 neu geplant ist je eine Anlage in Spanien und den USA, in der Summe ein Milliardeninvestment. Um das zu schaffen, werden wie im Vorjahr auch rund 100 Stellen auf dann etwa 300 Beschäftigte aufgebaut.
Das Wachstum der Erlanger, die vor vier Jahren nicht einmal 20 Millionen Euro umsetzen konnten, ist stürmisch. Aber sie müssen sich vermehrt vermeintlich übermächtigen Konkurrenten wie Siemens oder der französischen Areva stellen, die massiv in Solarenergie investieren und den Markt für Experten leerfegen. "Ich kann mir vorstellen, dass wir ein attraktiver Übernahmekandidat sind", räumte Finanzchef Thomas Mayer zudem ein.
Claassen zeigte sich kämpferisch. Er wolle dafür sorgen, dass Solar Millennium aus eigener Kraft selbst zu einem Großkonzern wird und sich nicht von einem solchen schlucken lässt. "Ich bin nicht ins Unternehmen eingetreten mit dem Ziel, mich übernehmen zu lassen", betonte der ehrgeizige Manager.
Mitte April will der seit Anfang des Jahres an der Spitze des Mittelständlers stehende Firmenchef Details zu seinen Plänen für Solar Millennium verkünden. "Wir entwickeln die Zukunft", stellte er schon einmal klar. Derzeit versorgen von Solar Millennium gebaute Kraftwerke eine halbe Million Menschen mit Solarstrom.