kalaydo.de Anzeigen

Solaranlagen: Pleite-Angst der Solarbranche

Vom beispielhaften Jobmotor zum ängstlichen Geschäftszweig: Die Solarbranche hat in ihrer kurzen Geschichte schon einige Berg- und Talfahrten hinter sich. Ist die Angst vor dem jähen Ende jetzt gerechtfertigt?

Der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Solarkonzerns Solarworld, Frank Asbeck, befürchtet nach den angekündigten Subventionskürzungen bei Solarstrom das Aus für viele Unternehmen.
Der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Solarkonzerns Solarworld, Frank Asbeck, befürchtet nach den angekündigten Subventionskürzungen bei Solarstrom das Aus für viele Unternehmen.
Foto: dapd

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) fürchtet: „Nun soll dem Solarstrom der Stecker gezogen werden.“ Und die IG Metall warnt: „Quasi über Nacht wird der deutsche Markt zusammenbrechen und Unternehmen und Arbeitsplätze massiv gefährden.“ Mehrere tausend Mitarbeiter protestierten bundesweit, nachdem die Bundesregierung am Donnerstag ihre Kürzungspläne für die Förderung der Photovoltaik (PV) vorgestellt hatte. Droht der Exitus einer Boom-Branche?

Die erneuerbaren Energien waren im vergangenen Jahrzehnt ein hervorragend laufender Jobmotor. In der Branche entstanden rund 340.000 Jobs, davon rund 130.000 im Solarstrom-Sektor. Besonders groß war der Zuwachs 2010 und 2011 – da erreichte die Installation von neuen PV-Anlagen mit jeweils rund 7500 Megawatt ein neues Rekordniveau.

Davon profitierten hauptsächlich die Solar-Installateure, die alle Hände voll zu tun hatten. Die deutschen PV-Hersteller hingegen, obwohl weltweiter Technologie-Führer, gerieten in die Krise. Billig-Solarmodule aus China ließen ihren Marktanteil in den letzten Jahren auf nur noch rund 20 Prozent einbrechen. Der Berliner Börsenpionier Solon ging pleite, First Solar in Frankfurt/Oder schickt im März 1200 Mitarbeiter in Kurzarbeit, Schott Solar im unterfränkischen Alzenau und Jena fährt die Produktion herunter.

Die Stimmung kippt

Trotz der sich abzeichnenden Krise hatte der Branchenverband BSW 2010 noch halbwegs optimistisch in die Zukunft geblickt. In seiner „PV-Roadmap 2020“, erstellt von den Instituten Prognos und Roland Berger, prognostizierte er: Bis Ende dieses Jahrzehnts könnten die gut 130.000 Jobs gehalten oder sogar noch etwas gesteigert werden.

Inzwischen, und besonders nach der jüngsten Kappung, ist die Stimmung gekippt. „Es könnten Zehntausende Arbeitsplätze wegfallen“, sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig der FR. Derzeit gibt es bei den Installationsfirmen rund 36.000 Arbeitsplätze; diese Zahl würde mehr als halbiert, wenn der Anlagen-Zubau, wie von der Regierung geplant, von 7500 auf rund 3000 Megawatt fällt. In der Industrie drohen Stellenstreichungen wegen der chinesischen Billig-Konkurrenz, die auf den deutschen und europäischen Markt drängt.

Die Chancen für die hiesigen Solarhersteller auf den sich abzeichnenden Zukunftsmärkten in Asien und USA sieht Körnig als wenig rosig an. Von Europa komme man „da schlecht hinein.“

Unkonventionelle Energiegewinnung

Bildergalerie ( 9 Bilder )

Einen etwas anderen Blick auf die Lage wirft der Energieexperte der Verbraucherschutzverbände, Holger Krawinkel. Er erwartet keinen dramatischen Einbruch beim PV-Zubau. Die Solaranlagen böten in dem meisten Fällen trotz gekappter Vergütung immer noch eine gute Rendite, sagte er der FR. Krawinkel erwartet, dass der Zubau „sogar wieder den Rekordwert von 2011 erreichen könnte“. Die Solar-Handwerker, die rund ein Drittel der Stellen in der Branche stellen, würden in diesem Fall keinen Einbruch verzeichnen.

Anders sieht der Experte die Situation der Hersteller: „Die ist durchaus schwierig“. Hier drohe ein deutlicher Stellenabbau. Dem sei aber nicht beizukommen, indem die Solarvergütung nicht gekappt wird – die meisten Käufer wählten dann immer noch die billigen China-Modulen. Krawinkel schlägt vor, einen „Solar-Wirtschaftsgipfel“ einzuberufen – um auszuloten, wie die Politik jene Solarfirmen sinnvoll unterstützen kann, die in Deutschland ein Zukunft haben. „Da können wir viel von den Chinesen lernen“, sagt er.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  24 | 2 | 2012
Kommentare:  11
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Spezial

Atomkraft, nein danke. Aber was dann? Die FR liefert Infos und Tipps, wie die private Energiewende gelingt.

Der Atomausstieg
Das Kernkraftwerk Brokdorf (Archivbild).
Beschädigte Teile 
Kommentar zur Solarförderung 
Nicht immer geht der Wechsel des Stromanbieters glatt.
Wechsel des Anbieters 
Spezial

Nachrichten zu Strom, Wind-, Wasser- und Solarenergie sowie alternativer Energie-Gewinnung.


Nachgefragt

Schon 1946 wurde das erste Mal darüber nachgedacht, welches Symbol für die neue Energieform steht. Wir haben nachgefragt.

Atommüll-Endlager
Schacht Konrad - Das ehemalige Erzlager soll 2019 den Betrieb als Endlager für Atommüll aufnehmen. Geplant ist, 90 Prozent des gesamten Volumens der radioaktiven Abfälle in Deutschland zu lagern.

Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...

 Mehr...