Weltmarktführer, Börsenwunder, Jobmaschine: Das war einmal. Die deutsche Solarindustrie ist auf dem besten Weg, sich in einen Trümmerhaufen zu verwandeln. Am späten Dienstag meldete die Berliner Solon Insolvenz an. Damit ist der erste große deutsche Solarkonzern pleite.
Solon ging es schon länger äußerst schlecht, nur ein Notkredit des Staats hielt den Modulhersteller noch am Leben. Mit der Insolvenz endet auch ein Stück deutsche Industriegeschichte. Aus einer kleinen Gruppe querdenkender Solarpioniere mit dem passenden Namen Wuseltronik ging 1996 Solon hervor. Anfang des Jahrtausends stand das Unternehmen fast vor dem Aus. Doch die massive Förderung von Solarstromanlagen in Deutschland durch Rot-Grün machte Solon bald zum Star.
Im Jahr 2007 erreichte der deutsche Solarboom seinen Höhepunkt. Die deutschen Hersteller glaubten, fest im Sattel zu sitzen, hatten die hiesigen Firmen doch viele Jahre Erfahrungsvorsprung vor dem Rest der Welt.
Doch Solarmodule sind – verglichen zum Beispiel mit Windmühlen – recht simple Produkte. Innerhalb kürzester Zeit und mit Hilfe deutscher Maschinenbauer entstand in Asien, vor allem in China, eine gigantische Solarindustrie. Gepäppelt durch billige Staatskredite und niedrigere Energiepreise, aber auch mit Qualitätsprodukten und Investitionen in die Forschung überschwemmten die Chinesen den hochsubventionierten deutschen Markt.
Solon ist nun der erste große deutsche Hersteller, der angesichts der scharfen Konkurrenz in die Knie geht. Derzeit gibt es auf der Welt Produktionskapazitäten für etwa 50 Gigawatt Solarmodule pro Jahr. Abgesetzt werden vermutlich aber 2011 nur etwa 20 Gigawatt, davon etwa sechs in Deutschland. Auch kommendes Jahr soll es nicht wesentlich mehr werden. Die Folge: Dramatisch fallende Preise. Module sind seit Januar um mehr als ein Drittel billiger geworden, nachdem es schon in den Vorjahren steil bergab ging.
Solons gesamte Kostenstruktur – von der teuren Fertigung über den hohen Verwaltungsaufwand und kostspielige Kredite – kann da nicht mehr mithalten. Schon in der Krise hielt nur eine Bürgschaft von Bund und Ländern Solon am Leben. Die Zahlen blieben trotz eines Chefwechsels Anfang 2010 katastrophal. In den ersten neun Monaten des Jahres musste ein Verlust von 208 Millionen Euro verbucht werden bei einem Umsatz von 358 Millionen Euro. Selbst operativ gab es ein deutliches Minus.
Am Dienstagabend schließlich kam das endgültige Aus. „Kurz zuvor waren die monatelangen Verhandlungen mit Investoren, Banken und den Bürgen gescheitert“, sagte eine Solon-Sprecherin. Das Unternehmen wolle nun „die Möglichkeiten zur Restrukturierung im Rahmen des Insolvenzverfahrens nutzen“. Der Kurs der Solonaktie brach am Mittwoch zeitweise um 60 Prozent auf knapp über 30 Cent ein. 2007 hatte der Kurs bei fast 87 Euro gelegen. Betroffen von der Insolvenz sind 800 Mitarbeiter, davon 530 in Deutschland und 510 in Berlin. Wie viele von ihnen einen Chance haben, in einer aus der Insolvenz heraus neu gegründeten, gesunden Firma zu überleben, ist völlig offen. Solon ist mit 400 Millionen Euro überschuldet, braucht dringend einen neuen Eigner und ein neues Geschäftsfeld. Das Unternehmen bietet seit kurzem ein Batteriesystem an, mit dem Solarstrom für den Eigenverbrauch gespeichert werden kann. Für die Bürgen – Bundesregierung, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern – wird die Pleite vermutlich teuer. Anfang 2010 hatten sie eine Ausfallbürgschaft von 146 Millionen Euro gewährt.
Den anderen großen deutschen Solarkonzernen droht indes ein ähnliches Schicksal wie Solon. Q-Cells, Schott Solar und Conergy etwa sind in erheblichen Schwierigkeiten, der hiesige Branchenprimus Solarworld hält sich noch besser. Der Analyst einer Großbank, der Insolvenzfälle nicht offiziell kommentieren darf, sagte, Solon werde nicht die letzte große Pleite sein.
Obwohl die Gründe dafür vielschichtig sind, nutzte die Opposition gestern die Solon-Pleite zur Stimmungsmache gegen die Bundesregierung. Der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell macht Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und seine Forderung nach einer Kürzung der Solarförderung verantwortlich für die Solon-Pleite. Die SPD dagegen verlangt von der Regierung, dass sie endlich prüft, ob Dumping chinesischer Firmen für den Niedergang der deutschen Solarindustrie verantwortlich ist.
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