Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

22. Oktober 2012

Solarindustrie: Siemens gibt Solarenergie auf

 Von Thomas Magenheim
Ein Ingenieur inspiziert das Solarfeld des ersten europäischen Parabolrinnen-Kraftwerks Andasol 1 auf der Hochebene von Guadix in der spanischen Provinz Granada, an der die Siemens AG beteiligt ist. Foto: dapd

Der Münchner Technologiekonzern Siemens sucht einen Käufer für seine verlustreichen Sparten. Die Trennung vom Solargeschäft kommt nicht überraschend.

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Der Münchner Technologiekonzern Siemens sucht einen Käufer für seine verlustreichen Sparten. Die Trennung vom Solargeschäft kommt nicht überraschend.

München –  

Die schwächelnde deutsche Solarindustrie ist um eine Hiobsbotschaft reicher. Mit dem Münchner Technologieriesen Siemens steigt nun ausgerechnet der selbst ernannte grüne Infrastrukturgigant aus dieser Technologie aus, die doch eigentlich die Energiewende tragen soll.

Siemens sucht sowohl für sein kleineres Geschäft mit der Photovoltaik als auch für das größere mit Solarthermie einen Käufer und steht mit Interessenten bereits im Gespräch. Das kündigte der bei Siemens für das gesamte Energiegeschäft zuständige Vorstand Michael Süß an. Beide Bereiche zusammen haben zuletzt nur knapp 300 Millionen Euro Umsatz erreicht und sind damit weit hinter den Hoffnungen von Konzernchef Peter Löscher zurückgeblieben.

Keine Überraschung

Die Trennung vom Solargeschäft kommt nicht überraschend. Siemens-Finanzchef Joe Kaeser hatte zuletzt angedeutet, dass die Verluste in diesem Bereich die Umsätze übersteigen und es so nicht mehr lange weitergehen könne.

Siemens ist es nie gelungen, das Solargeschäft zu einer bedeutenden Größe zu entwickeln. Vor einer ungewissen Zukunft stehen nun 680 Beschäftigte. In Deutschland arbeiten 200 Menschen in den zum Verkauf bestimmten Geschäftsbereichen. Ob in der jetzigen Marktlage überhaupt ein Käufer zu finden ist und ob das ohne Arbeitsplatzverluste zu schaffen ist, dafür will bei Siemens niemand die Hand ins Feuer legen.

Im Technologiestrang Photovoltaik, der Sonnenlicht zu Strom macht, ist Siemens keiner der Modulhersteller, die derzeit unter dem rapiden Preisverfall leiden, sondern liefert seinen Kunden schlüsselfertige Sonnenkraftwerke. Auch in diesem Bereich sieht Löscher aber keine Zukunft mehr.

Noch schlimmer als bei der Photovoltaik sieht es für Siemens beim zweiten solaren Technologiestrang aus, der Solarthermie, die Sonnenwärme in Strom verwandelt. „Der globale Markt für Solarthermie ist von vier Gigawatt auf zuletzt etwas über ein Gigawatt zurückgegangen“, beschreibt Süß die Lage. Allerdings ist das die Technologie, auf die das Wüstenstromprojekt Desertec setzt, zu deren Gründungsmitgliedern Siemens zählt. Solarthermie sei zu einem Markt für Spezialanbieter verfallen, begründet Süß den jetzigen Ausstieg.

Späte Erkenntnis

Diese Erkenntnis kommt spät. Denn erst 2009 hatte Siemens das auf Solarthermie spezialisierte, israelische Unternehmen Solel für 418 Millionen Dollar zugekauft. Solel musste bereits zur Hälfte abgeschrieben werden. Schon zur Hauptversammlung im Januar hatten Großaktionäre den Zukauf als Flop gebrandmarkt.

Siemens will sich nun im Bereich erneuerbare Energien auf Wind- und Wasserkraft konzentrieren. Auch mit der Anbindung von Windparks in der Nordsee an das Stromnetz hat Siemens aber schwer zu kämpfen. Löscher hat hier hausgemachte Fehler eingeräumt. Bei Windkraft ist Siemens im Gegensatz zur Solarenergie eine Marktgröße geworden. Bei Windparks auf See sehen sich die Münchner als Weltmarktführer.

Die Geschäfte mit Wasserkraft werden aus dem vor seiner Auflösung stehenden Geschäftsbereich Solar & Hydro herausgelöst und fortgeführt. Sie umfassen das Gemeinschaftsunternehmen Voith Hydro für konventionelle Wasserkraftwerke und das jüngst zugekaufte Geschäft mit Gezeitenströmungsturbinen.

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