Der heimischen Solarbranche steht noch der Schweiß auf der Stirn. Denn kein Jahr in ihrer jungen Geschichte war extremer als 2009. Zu Beginn des Jahres lag der Markt für Solarstromanlagen wegen Wirtschaftskrise und klammer Banken quasi brach. Die Lager füllten sich und die Firmen mussten reihenweise rote Zahlen verkünden.
Gleichzeitig fielen die Preise nicht zuletzt wegen der erstarkten Konkurrenz aus China, die nach massivem Ausbau ihrer Kapazitäten die deutschen Wettbewerber um 20 bis 30 Prozent unterboten.
Das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) garantiert Besitzern von Anlagen, die Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen, für die Dauer von 20 Jahren eine Vergütung für die ins Netz eingespeiste Elektrizität.
Für Dachanlagen bis 30 Kilowatt Leistung gibt es 39,14 Cent je Kilowattstunde. Für große Solarkraftwerke werden 28,43 Cent bezahlt. Wer den eigenen Solarstrom selber nutzt, erhält noch eine Vergütung von 22,76 Cent. ori
Mit dem Sommer und dem vermeintlichen Ende des gesamtwirtschaftlichen Absturzes belebte sich die Nachfrage, bis sie sich schließlich im Anschluss an den Regierungswechsel im Bund und der Sorge um heftige Einschnitte bei der Förderung zu einem nie gesehenen Boom steigerte. Ein historischer Rekordabsatz von mehr als 3000 Megawatt (MW) gilt in der Branche als ausgemachte Sache - ein sattes Plus von 30 Prozent gegenüber 2008.
Zwar wurde die gesetzlich garantierte Vergütung für Strom aus neu installierten Standardsolaranlagen zum 1. Januar um neun Prozent auf 39 Cent je Kilowattstunde. Doch: "Auch wenn die Rendite kleiner wird, bleibt sie immer noch attraktiv", sagte Karl-Heinz Remmers, Vorstandschef des Beratungsunternehmens Solarpraxis der FR. Denn viele deutsche Anbieter werden die Preise ebenfalls senken müssen. "Einen Preisrutsch wie zuletzt wird es aber nicht geben", prognostiziert er. Denn zum einen dürfte die internationale Nachfrage zum Jahresbeginn kaum so stark einbrechen wie 2009. Neben Deutschland erholen sich auch die Märkte in anderen wichtigen Abnehmerländern Südwesteuropas und in den USA. China und Japan haben für 2010 ebenfalls deutlich mehr Solarinstallationen angekündigt.
Zum anderen scheinen auch die chinesischen Anbieter ein Ende ihrer Kampfpreispolitik einzuläuten. So hat Bryan Li, Finanzvorstand des zweitgrößten Solarkonzerns des Landes Yingli, "eine moderate Preiserhöhung im ersten Quartal" angekündigt. Entsprechend erwartet Remmers, dass "die Schere zwischen deutschen und chinesischen Qualitätsanbietern ein bisschen kleiner werden wird". Zwar will die schwarz-gelbe Regierung die Vergütungen für den Solarstrom erneut zu kappen. Wegen der dafür noch ausstehenden Gespräche zwischen Branche und Politik ist damit allerdings frühestens zum 1. Juli zu rechnen. Ein weiterer Abschlag um vier bis fünf Prozent ist im Gespräch.
Viele, die über eine Solaranlage nachdachten, hätten aus Angst vor künftigen Einschnitten gehandelt, sagt Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Da die politische Hängepartie anhalte, könnte sich dieser Nachfrageeffekt im ersten Halbjahr fortsetzen. Die Branche stehe vor dem vielleicht verkaufsstärksten ersten Semester ihrer Geschichte. Traditionell ist der Absatz von Januar bis Juni eher mau.
Damit würde sich auch die starke Saisonalität in der Produktion entzerren, die zu entweder halb brachliegenden oder voll ausgelasteten Kapazitäten führt. So hatten manche Unternehmen auf den beispiellosen Einbruch im ersten Halbjahr 2009 mit Kurzarbeit reagiert. In vielen Betrieben gebe es inzwischen aber "extrem flexible Arbeitszeitkonten, um diese Schwankungen auffangen zu können", sagt Remmers.
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