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Sonnenkraft: Den eigenen Solarstrom verbrauchen

Private Erzeuger sollen ihren Strom nicht mehr nur ins Netz einspeisen, sondern die Energie vom Hausdach zum Kochen, Spülen oder Beleuchten verwenden, sagt das Umweltministerium. Von Oliver Ristau

Wer sich für Solarstrom aus Dachanlagen entschieden hat, sollte sich beeilen. Die Bundesregierung will die Förderung senken.
Wer sich für Solarstrom aus Dachanlagen entschieden hat, sollte sich beeilen. Die Bundesregierung will die Förderung senken.
Foto: Foto: dpa

Hamburg. Die Sonne könnte künftig für viele Haushalte in Deutschland die Rolle des klassischen Energieversorgers übernehmen. Denn das Bundesumweltministerium setzt bei der Förderung des Solarstroms vor allem auf den Verbrauch vor Ort.

Die privaten Sonnenkraft-Erzeuger sollen ihren Strom nicht mehr nur in das Netz einspeisen, sondern die Energie vom Hausdach direkt zum Kochen, Spülen oder Beleuchten verwenden.

Für jede Kilowattstunde selbst genutzten Solarstroms sollen nach dem Vorschlag der Regierung in diesem Jahr unverändert 22,76 Cent gezahlt werden. Zusammen mit dem gesparten Strombezug vom klassischen Versorger - der laut Internetportal Verivox im Bundesdurchschnitt für einen Standardhaushalt derzeit bei brutto 22,5 Cent liegt - ergibt sich ein Wert für den Solarstrom von brutto etwa 45 Cent. Dagegen soll die Einspeisevergütung von April oder Mai an um 15 Prozent auf maximal 33,63 Cent sinken.

"Der Verbraucher, der seinen Solarstrom für die eigene Versorgung nutzt, wird zukünftig zu einem der zentralen Kunden der Solarindustrie werden", sagte Frank Asbeck, Vorstandschef des Bonner Konzerns Solarworld der Frankfurter Rundschau. Zusammen mit einem Speicher und einem intelligenten Netz könnte so ein Haushalt 80 bis 90 Prozent der erzeugten Solarenergie selbst nutzen.

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Der Rest würde wie bisher eingespeist und vergütet. Mit einer Standardanlage könnten Haushalte im sonnenarmen Deutschland rund 50 Prozent ihres Strombedarfs decken. Auch wenn die neue Offensive gegenüber den Eigenverbrauchern den drastischen Förderkürzungen für die anderen Vertriebswege geschuldet sein mag; dass dezentrale Versorgung, so Asbeck, ohnehin der "originäre Sinn des Solarstroms" sei, dürfte auf wenig Widerspruch stoßen.

Zumindest nicht bei Umweltminister Röttgen, dessen Haus auch bei der intelligenten Vernetzung, den so genannten "smart grids", vorankommen will. Denn damit künftig der Strom abhängig vom Zeitpunkt seiner Erzeugung optimal genutzt werden kann, müssen die Stromnetze ebenso wie etwa Spül- oder Waschmaschinen bei den Verbrauchern intelligent gesteuert werden. So könnte im Falle von Solarstromerzeugern der Waschgang genau in den Zeiten starten, wenn mittags das Energieangebot vom Dach am höchsten ist.

In sechs Modellregionen in Deutschland wird der Aufbau intelligenter Netze derzeit mit staatlicher Unterstützung erprobt. "Das bundesweite System der Netzversorgung stammt noch aus dem vorletzten Jahrhundert", sagt André Quadt, der eines dieser Vorhaben im Auftrag verschiedener Stadtwerke aus dem Raum Aachen koordiniert.

Der Weg, dass klassische Großkraftwerke Strom bis zu den Haushaltskunden einfach durchschieben, funktioniere angesichts einer steigenden Zahl von Wind- und Solarkraftwerken nicht mehr. "Wir müssen uns an dem Angebot ausrichten, dass verstärkt vom Wetter abhängt." Dafür brauche es "Köpfchen statt Kabel".

Örtliche Versorger könnten auf den Aufbau weiterer Stromnetze verzichten, wenn die bestehenden durch die Möglichkeit des Datentransfers intelligent aufgerüstet würden, so Quadt. Außerdem ließe sich der Strom - dessen Preise tageszeitlich stark schwanken - verstärkt zu den Zeiten verbrauchen, wenn er günstiger ist.

Das Umweltministerium hofft, mit den sechs Leuchtturm-Projekten, in denen auch die Einbindung von Elektroautos getestet wird, eine Art Flächenbrand für "smart grids made in Germany" auslösen zu können. So könnten mehr und mehr Menschen die Energieerzeugung in die eigenen Hände nehmen.

Autor:  Oliver Ristau
Datum:  22 | 2 | 2010
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