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Windkraftbranche: Sorge vor der Flaute

Das Energiekonzept der Bundesregierung hat für Unmut in großen Teilen der Bevölkerung gesorgt. Die Windkraftbranche fürchtet nun: Wird das Konzept so umgesetzt, bedeutet das ihr Ende.

Auf der Ostsee vor der Halbinsel Darß steht ein Windrad des Offshore-Windparks EnBW Baltic 1.
Auf der Ostsee vor der Halbinsel Darß steht ein Windrad des Offshore-Windparks "EnBW Baltic 1".
Foto: dpa

Das Energiekonzept der Bundesregierung sorgt in der deutschen Windbranche für Turbulenzen. Das liegt an der geplanten Verlängerung der Laufzeiten für Atommeiler, aber auch an den Plänen für die Windstromerzeugung an Land. „Wenn das Konzept so umgesetzt wird, wäre der Ausbau der Windkraft in Deutschland bald zu Ende“, warnte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes der Windenergie am Rande des weltgrößten Branchentreffs, der Husum Wind.

Das Regierungspapier sieht bis 2020 ein Plus der Windkraftleistung an Land von derzeit 25,7 auf 33,3 Gigawatt (GW) vor. Sie würde damit rund zwölf Prozent des heimischen Stromverbrauchs decken können. Bis 2050 sollen die Kapazitäten nur wenig auf 36,4 GW wachsen. Nach einer Studie der HSH Nordbank wird diese Zahl aber bereits 2015 erreicht sein, da jährlich knapp 2000 MW an neuen Anlagen hinzukommen.

Die Branche fürchtet insbesondere um den Vorrang des Windstroms im Netz. Damit werden die Netzbetreiber verpflichtet, regenerativen Strom immer abzunehmen und bei einem Strom-Überangebot Atom- und Kohlekraftwerke herunterzufahren. „Eine Kappung des Vorrangs wäre Selbstmord für den Klimaschutz“, sagt Albers. Denn dann könnte regenerative Energie nach Belieben aus den Netzen gehalten werden.

Die Bundesregierung ist sich indes über die Pläne keinesfalls einig. Denn der vom Umweltministerium Ende August nach Brüssel gemeldete Nationale Aktionsplan für den Ausbau erneuerbarer Energien in der EU unterstellt bis Ende 2020 mit 45,7 GW 25 Prozent mehr Windkraftkapazitäten an Land als das wenige Woche später präsentierte Energiekonzept. Wesentlich für die Umsetzung der Pläne wird sein, wie Berlin bei der anstehenden Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetz 2012 die Vergütung für die Einspeisung des Stroms neuer Windkraftanlagen anpasst.

Banken halten sich zurück

Neben politischen Unsicherheiten dämpft die Finanzierung die Stimmung in der Branche. „Der Bankenmarkt ist in der Windkraft immer noch restriktiv“, berichtet Oliver Moß von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers. Mit Ausbruch der Finanzkrise stutzten viele Banken ihr Wind-Engagement stark. Projektfinanzierungen, bei denen mehrere Banken gemeinsam einen Fremdkapitalanteil bis zu 90 Prozent bereitstellten, gibt es nicht mehr. „Jetzt müssen Entwickler 30 Prozent eigenes Kapital beisteuern“, sagt Ralf Peters vom Windkraftkonzern Nordex.

Das hemmt vor allem den Windkraft-Ausbau auf See, der Milliardeninvestitionen erfordert. Nicht nur, dass die Zahl Eigenkapital starker Energieerzeuger begrenzt ist. „Es gibt weltweit auch nur 15 bis 20 Banken, die solche Projekte finanzieren“, sagt Moß. Wegen des hohen Risikos beim Bau von Parks auf See winkten trotz einer Rendite von zehn Prozent auch Finanzinvestoren ab. Bewegung kommt nur aus Asien. So finanziert eine südkoreanische Firmengruppe das Nordseeprojekt Sandbank 24. Die Bank of China gilt als interessiert an Offshore-Finanzierungen in Europa.

Autor:  Oliver Ristau
Datum:  23 | 9 | 2010
Kommentare:  7
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