Die deutschen Strom- und Gaskunden müssen zum Jahreswechsel mit deutlichen Preissteigerungen rechnen. Schuld daran ist die Bundesregierung, die bei der Aufsicht der Energienetze kläglich versagt hat.
Trafohäuschen: Auch wenn’s schöner aussieht, bleibt das Problem. Stromnetze treiben die Energiekosten.
Foto: Uwe Meinhold
Trafohäuschen: Auch wenn’s schöner aussieht, bleibt das Problem. Stromnetze treiben die Energiekosten.
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Ein derart umfängliches Versagen der Aufsicht durch die Regierung hat es wohl noch nie gegeben, seit die Energiemärkte 1998 liberalisiert wurden: Bis zu zwei Milliarden Euro kassieren die Betreiber der Strom- und Gasnetze kommendes Jahr zusätzlich von ihren Kunden, weil ein Urteil des Bundesgerichtshofs nicht ernst genommen wurde.
Was genau ist passiert? Die Energienetze sind Monopole und stehen deshalb unter der Aufsicht des Staates. Die Betreiber müssen ihre Preise bei der Bundesnetzagentur genehmigen lassen, die wiederum vom Bundeswirtschaftsministerium beaufsichtigt wird. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom Juni dieses Jahres, hatte nun einen entscheidenden Passus der Regulierung für ungültig erklärt: Die pauschale Senkung der Netzentgelte um 1,25 Prozent pro Jahr ist rechtswidrig.
Mehrere Eingeweihte berichteten der Berliner Zeitung, das Wirtschaftsministerium sei rechtzeitig von der Bonner Netzagentur auf die Brisanz des BGH-Urteils aufmerksam gemacht worden, wenn auch das Ausmaß noch unklar war. Da aufgrund des Atomausstiegs und der Energiewende ohnehin ein Gesetzespaket verabschiedet wurde, wäre es ein leichtes gewesen, eine neue Regelung zu beschließen. Doch im Ministerium wurden die Warnungen offenbar leichtfertig in den Wind geschlagen. Man verließ sich darauf, dass der BGH anders entscheiden würde – oder nahm das Geschenk für die Netzbetreiber sogar billigend in Kauf. Vor einigen Wochen wurde dann der Aufsichtsbehörde das Ausmaß des Schadens bewusst und sie bezifferte ihn intern mit bis zu zwei Milliarden Euro.
Am vergangenen Samstag wurde die Preiswelle öffentlich, weil die Netzbetreiber ihre Entgelte für 2012 veröffentlichten. Der größte deutsche Energiekonzern Eon zum Beispiel am erhöht seine Stromnetzentgelte für Kleinverbraucher zum 1. Januar 2012 drastisch. So steigt zum Beispiel im Gebiet Eon Edis in Brandenburg das Netzentgelt einschließlich Mehrwertsteuer von 7,51 auf 8,52 Cent pro Kilowattstunde.
Ausweichen können die Verbraucher nicht: Alle Energieanbieter müssen die Netzkosten bezahlen und reichen sie in der Regel an die Kunden weiter. Umgerechnet auf den Strompreis für Haushalte ist das eine Steigerung um knapp fünf Prozent. In der Jahresrechnung würde ein Drei-Personen-Haushalt (3 500 Kilowattstunden Verbrauch) mit 35 Euro zusätzlich belastet. In anderen Eon-Netzen sind ebenfalls Preissprünge geplant. In Berlin erhöht Vattenfall die Netzpreise um rund 0,5 Cent pro Kilowattstunde. Auch bei anderen Versorgern und in Gasnetzen sind zum Teil deutliche Preiserhöhungen zu beobachten. Beim Unternehmen Netzdienste Rhein-Main, das in Frankfurt und Teilen der Umgebung die Stromnetze betreibt, waren die Netzgebühren gestern noch nicht einsehbar.
Unkonventionelle Energiegewinnung
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Unkonventionelle Energiegewinnung
Erdwärme-Kraftwerke, wie dieses im mecklenburgischen Neustadt-Glewe im Kreis Ludwigslust, das 2003 offiziell ans Netz ging, arbeiten mit unterschiedlichen Methoden. Das Geothermie-Kraftwerk nutzt 97 Grad heißes Tiefenwasser aus der Erdkruste und erzeugt jährlich 1.400 Megawattstunden Strom für bis zu 500 Haushalte.
Foto: dpa/dpaweb
Auch sogenannte Biogasanlagen ermöglichen es, alternative Energien zu gewinnen. Eines steht in Schwedt in der neuen Anlage des Betreibers Verbio. Die Biogasanlage nahm im März offiziell ihren Betrieb auf. Die Technik wird schon an vielen Stellen genutzt.
Foto: dpa
Hier werden nur Reststoffe verwertet. Die Produktionsstätte ist mit einer bestehenden Anlage des Unternehmens zur Bioethanol-Herstellung gekoppelt. Die Biogasanlage kostete nach Unternehmensangaben rund 40 Millionen Euro. und erzeugt rund 30 Megawatt Strom.
Foto: dapd
Zu den unkonventionellen Methoden der Energiegewinnung zählen Aufwindkraftwerke. Ihre gigantischen Ausmaße machen sie für Europa wenig geeignet: Bis zu 1000 Meter hoch und 100 Meter breit müssen sie sein. An ihrem Fuß soll ein fast fünf Kilometer großes Glasfeld die von der Sonne im Boden erzeugte Hitze zum Turm in der Mitte leiten und die dort integrierten Turbinen antreiben.
Foto: Schlaich Bergermann Solar GmbH
Mit dieser Technik können 200 Megawatt Strom pro Turm erzeugt werden. Allerdings wohl eher in unbewohnten Wüstenregionen. Eine Anlage kostet bis zu 800 Millionen Euro.
Foto: Schlaich Bergermann Solar GmbH
Eine der ältesten Formen der Energiegewinnung ist Wasserkraft. Das geht jedoch nicht nur durch Staustufen sondern auch mit Gezeitenkraftwerken wie hier in St. Malo (Archivbild). Ebbe und Flut lassen den Wasserstand um bis zu zehn Meter schwanken. Spitzenleistung liegt bei 240 Megawatt.
Foto: dpa
Einen ganz anderen Weg beschreiten Druckluftkraftwerke. Weltweit gibt es erst zwei, eins davon in Huntdorf bei Bremen. Es verfügt über eine Leistung von 321 Megawatt.
Foto: eon
Bei Solnova 1 bündeln Spiegel in Form von Parabolrinnen das Sonnenlicht in einem Rohr und heizen das darin zirkulierende Spezialöl, das sogenannte Wärmeträgermedium, auf. Ein anderer Weg besteht darin, das Sonnenlicht von zahlreichen flachen Spiegeln auf einer kleinen Fläche an der Spitze eines oft mehr als 100 Meter hohen Turmes zu bündeln. Vermutlich werden unterschiedliche Technologien im Rahmen des visionären Projekts Desertec zum Einsatz kommen: Das Projekt sieht vor, Strom solarthermischer Kraftwerke aus Nordafrika nach Europa zu übertragen.
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Alternative Energien sind auf dem Vormarsch. Manche sind gerade erst in der Entwicklung, andere längst eingeführt. FR-online.de zeigt die Möglichkeiten der Technik und die Perspektiven auf. Pumpspeicher-Kraftwerke, wie das Hohenwarte II-Kraftwerk in Thüringen, arbeiten mit Wasser. Das seit 1966 laufende Spitzenlastkraftwerk hat eine Leistung von 320 Megawatt Elektroenergie. Zu Zeiten von geringem Elektroenergieverbrauch wird Wasser von einem Unterbecken in das Oberbecken gepumpt, zu Zeiten mit hohem Energiebedarf strömt das Wasser aus dem Oberbecken wieder in das Unterbecken und treibt dabei Turbinen zur Stromerzeugung an.
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dpa/dpaweb
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Stromerzeugung in Deutschland
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Stromerzeugung in Deutschland
Der Ausstieg aus dem Atomstrom könnte schneller erfolgen als geplant. Die Grafik zeigt die Anteile des Atomstroms bis 2019 - die Folgegrafik geht weiter....
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Bis 2030 könnte aller Strom aus erneuerbaren Energieformen stammen.
Foto: FR/Galanty/Kühl
Das Atommoratorium und Wartungsarbeiten führten im Mai 2011 zu der kuriosen Situation, dass nur sechs Atomkraftwerke am Netz waren. Dennoch brach nirgends die Stromversorgung zusammen. Die Fakten im Einzelnen....
Noch am 12. März 2011 halten sich Atomkraftwerke und Braunkohle die Waage...
Am 2. Mai sank die Stromerzeugung insgesamt und der Anteil der AKW erheblich.
Gehandelt wird der Strom an der Leipziger Börse EEX zum stündlichen Kauf. Die Grafik zeigt die Preisentwicklung.
Dabei ist die Herstellung unterschiedlich teuer - am günstigsten ist Braunkohle.
Windkraft zählt zu den teureren Energiegewinnungsformen ist aber viel umweltverträglicher. Geeignete Standorte dafür gibt es vor allem in Norddeutschland.
Der Strom für deutsche Steckdosen kommt aus verschiedenen Quellen: Braunkohle, Gas, Steinkohle und Uran (AKW). Damit der Strom alle Haushalte erreicht gibt es Stromtrassen - doch deren Kapazität reicht laut Experten nicht aus. Daher sind neue Stromtrassen vor allem für erneuerbare Energien geplant.
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FR/Galanty
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Im Solarflugzeug um die Welt
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Im Solarflugzeug um die Welt
Das Solarflugzeug "Solar Impulse" vor seinem großen Test.
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Bertrand Piccard (rechts) will beweisen, dass man einmal um die Welt fliegen kann, ohne Treibstoff zu benötigen. Links: Testpilot Markus Scherdel.
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Der Arzt und Abenteurer Piccard probt damit für die Zeit ohne Erdöl.
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Einen ersten Testflug absolvierte der deutsche Pilot Schwerdel bereits im Dezember.
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Solarflugzeuge gibt es schon. Das besonders an der Konstruktion ist, dass sie auch nachts fliegen soll.
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Diesmal sollte es höher hinauf gehen als beim ersten Test.
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1200 Meter habe der Sonnenflieger geschafft.
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Das Flugzeug umrundete den Airport Payerne im schweizerischen Kanton Waadt und war 87 Minuten in der Luft.
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Das Flugzeug, auf dessen Tragflächen rund 12.000 Solar- Zellen eingebaut sind, hat mit knapp 64 Metern die Spannweite eines Airbus, wiegt mit 1600 Kilogramm aber nur etwas mehr als ein mittelgroßes Auto.
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Im Dezember war das Gerät nur 350 Meter weit und einen Meter hoch über dem Erdboden geflogen.
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Mehr als 60 Spezialisten unterstützen Piccard bei der Entwicklung.
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70 Millionen Euro wird es kosten, den Traum vom Solarfliegen Wirklichkeit werden zu lassen
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"Ich bin Pionier, möchte suchen und forschen, dann bin ich glücklich", sagt Piccard, hier im Simulator.
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In Kiel entsteht derzeit ein Solarschiff, das von der Sonne getrieben um die Welt fahren soll. Nun schafft ein Solarflugzeug den ersten großen Testflug in der Schweiz. Es soll auch nachts unterwegs sein.
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dpa
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Offenbar können aber nur Netzbetreiber die Preiserhöhung geltend machen, die sich dagegen gewehrt haben. Und: Zum Teil fordern sie das Geld umgelegt auf ein Jahr bei den Kunden ein, zum Teil auch über längere Zeiträume. Genau beziffern lässt sich der Schaden derzeit ohnehin noch nicht, die Bundesnetzagentur veröffentlicht erst später eine detaillierte Zusammenfassung der Kosten für die Energienetze.
Nur ein Eilgesetz mit rechtlich fragwürdigen Erfolgsaussichten könnte nun wohl noch etwas am Netzkosten-Desaster ändern. Doch das ist unwahrscheinlich, denn für ein Gesetzgebungsverfahren reicht die Zeit bis Ende des Jahres nicht mehr aus. Dennoch muss die Regierung handeln: Mit bis zu zwei Milliarden Euro ist nämlich nur der bisher entstandene Schaden beziffert. Bleibt es bei der jetzigen Rechtslage, entstehen Jahr für Jahr neue Kosten.
Nicht nur durch ein Aufsichtsversagen, sondern ganz gewollt werden die Netzkosten kommendes Jahr sogar noch weiter steigen: Mit einer bislang kaum beachteten Vorschriftsänderung hat die Regierung industrielle Großverbraucher von den Netzentgelten komplett befreit. Die Kosten dafür werden auf die restlichen Stromkunden umgelegt. Die am Wochenende veröffentlichten Preissteigerungen sind deshalb nur vorläufig und könnten womöglich sogar noch höher ausfallen.