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Frankreich: Strahlende Zukunft − nur bei einem Atom-GAU

Frankreichs neue AKW-Generation lässt sich nach Fukushima und eigenen Rückschlägen kaum noch verkaufen. Der Bau eines Druckwasserreaktors an der Ärmelkanalküste wurde bereits gestoppt.

Der in Bau befindliche Druckwassermeiler in Flamanville wird nicht wie geplant nächstes Jahr, sondern frühestens 2014 fertiggestellt sein.
Der in Bau befindliche Druckwassermeiler in Flamanville wird nicht wie geplant nächstes Jahr, sondern frühestens 2014 fertiggestellt sein.
Foto: REUTERS
Paris –  

Anne Lauvergeon, Chefin des weltgrößten Atomkonzerns Areva, lobt den Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) gerne als Wunderwerk der französischen und zum Teil auch deutschen Nukleartechnologie: Dieser Meiler der dritten Generation − den anfangs auch Siemens mitentwickelte − produziere 30 Prozent weniger radioaktive Abfälle und sei auch viel sicherer. Langfristig soll er die aktuelle, zweite AKW-Generation ablösen. Auch nach dem Super-GAU von Fukushima sahen Börsianer rosige Aussichten für den EPR, weil die Nachfrage nach diesem Reaktortyp sicherlich steigen werde.

Ganz so strahlend präsentiert sich die Zukunft der neuen AKW-Generation aber mitnichten. Der Chef des Energiekonzerns Total, Christophe de Marguerie, erklärte dieser Tage, dass das EPR-Projekt in Penly an der Ärmelkanalküste „gestoppt“ sei. „Es gab einen Zeitplan, mögliche Daten, doch die bestehen nicht mehr“, sagte er. Die Regierung in Paris dementierte den Baustopp, doch Atomexperten stellten fest, dass eine für Juni geplante Behördenprüfung abgeblasen worden sei.

Unklar bleibt, ob dieser Aufschub etwas mit Fukushima zu tun hat. Und schon gab es Rückschläge. Der in Bau befindliche Druckwassermeiler in Flamanville (Normandie) wird nicht wie geplant nächstes Jahr, sondern frühestens 2014 fertiggestellt sein. Die Kosten kletterten von 3,3 auf derzeit 5 Milliarden Euro.

Der erste EPR auf der finnischen Insel Olkiluoto kommt auf Mehrkosten von drei Milliarden Euro; nach einer vierjährigen Verspätung soll er nun 2013 ans Stromnetz gehen, wenn nichts mehr dazwischenkommt.

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Gravierende Schwierigkeiten

Die gravierenden Startschwierigkeiten bleiben kommerziell nicht ohne Folgen. Ende 2009 verlor Areva in Abu Dhabi einen riesigen Auftrag von insgesamt 23 Milliarden. Zum Zug kam die südkoreanische Konkurrentin Kepco, die keine neue AKW-Generation, dafür 30 Prozent billiger anbot. Nach Fukushima müssen die Franzosen ihre Hoffnungen für Südafrika, Italien und möglicherweise auch Indien begraben − und das ist wohl erst der Anfang.

Greenpeace verlangt den vollständigen Verzicht auf die Technologie. „Der EPR ist wegen seiner Stärke und des verwendeten Brennstoffs der gefährlichste Reaktor der Welt. Bei einem nuklearen Unfall müsste die Normandie binnen 48 Stunden evakuiert werden; ganz Frankreich wäre unter einer giftigen Wolke“, teilte die Umweltorganisation mit

Areva bleibt dabei, dass der EPR nicht nur gegen Tsunamis und Erdbeben gewappnet sei, sondern auch gegen Sabotage- und Terrorakte oder einen Flugzeugabsturz. Die Rückschläge zwingen die Ingenieure jedoch zu einer schnelleren Gangart; beim EPR in Flamanville eilt es den Bauherren demnach so sehr, dass sie 20 Prozent der Arbeitsunfälle auf der Baustelle unterschlagen, wie Gewerkschaften behaupten.

Die Nervosität des Konzerns rührt auch daher, dass Bauanträge in England und den USA immer noch einer Bewilligung harren. Zwei EPR hatte Areva schon nach China verkauft; doch nach der Erfahrung von Fukushima wird auch Peking skeptischer. Und selbst bei den Befürwortern gilt der EPR zwar technologisch als spitze, aber schlicht als zu teuer.

Autor:  Stefan Brändle
Datum:  9 | 5 | 2011
Kommentare:  15
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