Post vor Weihnachten ist schön. Diese ist es nicht. Deutschland erlebt eine Strompreiswelle bisher ungekannten Ausmaßes. Nicht weniger als 614 Energieversorger haben in Briefen an ihre Kunden zum 1. Januar Preiserhöhungen von durchschnittlich zwölf Prozent angekündigt. Das berichtet das Vergleichsportal Verivox. Ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4 000 Kilowattstunden muss künftig rund 120 Euro im Jahr mehr zahlen.
Verivox wurde 1998 gegründet und hat nach eigenen Angaben mehr als 2,8 Millionen Stromverträge vermittelt.
Foto: Screenshot: FRDer Bund der Energieverbraucher aus Unkel bei Bonn allerdings hält diesen Schluck aus der Pulle für viel zu groß. Er rechnet vor, dass die Energiekonzerne ihren Kunden durch diese Erhöhung rund 2,1 Milliarden Euro zu viel abkassieren. Der Chef des Verbandes, Aribert Peters, attackiert die Unternehmen heftig. Sie begründeten die Aufschläge mit den Kosten der Energiewende. Gerechtfertigt sei dadurch aber nur ein Plus „von sechs statt der unverschämten zwölf Prozent“. Die Kunden würden abgezockt.
Laut Angaben der Verbraucherschützer betragen die staatlich verordnete Mehrbelastungen der Strompreise 3,3 Cent pro Kilowattstunde. Es summieren sich EEG-Umlage (plus 1,7 Cent), Netzentgelte und Industriebefreiung davon (0,7), Kraft-Wärme-Kopplungsumlage (0,17), Haftungsregelung für Off-Shore-Windkraft (0,25) auf 2,82 Cent. Das Ganze plus Mehrwertsteuer.
Allerdings kaufen die Versorger ihre Strom auch günstiger ein, was sie gegen die höhere Belastung rechnen müssten. Der Preis an der Leipziger EEX-Börse ist durch die in den vergangenen fünf Jahren boomende Einspeisung von Ökostrom tatsächlich spürbar gesunken. Der Energie-Experte Gunnar Harms kommt in einem von den Grünen in Auftrag gegebenen Gutachten zum Schluss, dass der Strompreis heute um mindestens zwei Cent niedriger liegen müsste. Verbraucherschützer Peters folgert: „Eine Strompreiserhöhung von 1,8 Cent pro Kilowattstunde oder von sechs bis acht Prozent wäre angemessen.“ Das wäre nur gut die Hälfte des jetzt von den Versorgern angekündigten Aufschlags.
Funktion: Die EEG-Umlage wird erhoben, um damit die bereits errichteten Ökostrom-Anlagen zu bezahlen – in der Regel erhalten die Betreiber für 20 Jahre einen staatlich festgelegten Strompreis, der deutlich über dem liegt, was an der Strombörse zu erlösen wäre. Würde heute der Ausbau der erneuerbaren Energien abrupt gestoppt, würde die EEG-Umlage also nicht sinken. Derzeit liegt ihr Anteil am deutschen Strommix bei etwa 25 Prozent. Die EEG-Umlage verschafft Investoren eine verlässliche Rendite. Die Netzbetreiber sind verpflichtet, die Ökokraftwerksbetreiber zu bezahlen und den Strom – zu viel niedrigeren Preisen – an der Strombörse zu verkaufen. Die Differenz, die Richtung 20 Milliarden Euro pro Jahr geht, dürfen sie sich bei den Kunden holen.
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