Die Stromkonzerne setzen auf saubere Kohlekraftwerke, bei denen das Treibhausgas CO2 abgetrennt und in der Erde endgelagert wird. Auch die zukünftige Bundesregierung steht dahinter. Eine gute Alternative?
Derzeit gibt es erst Pilotanlagen. Ob die Technologie wirklich marktreif wird, zeigt sich erst nach 2020. Allerdings bleibt in jedem Fall das Problem, dass die "sauberen Kohlekraftwerke" wegen ihrer Größe und schlechten Regelbarkeit ebenso wenig in ein zukunftsfähiges Energiesystem passen wie die Atomkraft.
Klimaforscher sagen: Global muss man diese sogenannte CCS-Technik einsetzen, um den Klima-GAU zu verhindern.
In Deutschland müssen wir die knappen Lagerkapazitäten für Zukunftsverwendungen reservieren, etwa für CO2 aus industriellen Prozessen, die nicht vermeidbar sind, etwa aus der Zementherstellung, oder für die CO2-Abscheidung aus der Verfeuerung von Biomasse. Dadurch können wir das Treibhausgas aus der Atmosphäre herausziehen, was in 50 Jahren erforderlich sein könnte.
Wie werden sich die Stromkosten entwickeln, wenn der günstige Atomstrom sukzessive wegfällt und die Braunkohle als einziger wettbewerbsfähiger inländischer Energieträger auch?
Für die Stromkunden sind nicht die Stromerzeugungskosten, sondern die Strompreise wichtig - und die richten sich nicht nach den Herstellungskosten für den Atomstrom, sondern nach den Preisen an der Strombörse. Sie werden deswegen auch nichts von längeren AKW-Laufzeiten haben. Mittelfristig wird der Strom sowieso teurer werden - weil die Ära der fossilen Energien zu Ende gehen muss, um die Klimakatastrophe noch zu vermeiden. Die erneuerbaren Energien sind unwesentlich teurer als die "sauberen" Kohlekraftwerke oder die zweite oder dritte Generation von Atomkraftwerken - und sie sind nachhaltig, was auf Kohle und Atom nicht zutrifft.
Eine Frage zur Regierungsbildung. Es gibt bei Schwarz-Gelb Überlegungen, ein eigenes Energieministerium zu gründen oder die Zuständigkeit für die erneuerbaren Energien vom Umwelt- ins Wirtschaftsministerium zu holen. Befürworten Sie das?
Nein. Bisher war die Konkurrenz zwischen den Ministerien ein Innovationsmotor. Wer den zu früh abstellt, gefährdet den nötigen Umbau des Energiesystems. Ob ein Energieministerium sinnvoll ist oder nicht, hängt im Übrigen davon ab, welche Ziele damit verfolgt werden. Wenn es nur darum geht, die veralteten Strukturen unserer Stromversorgung zu konservieren, hätte das katastrophale Auswirkungen.
Interview: Joachim Wille
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