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Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

12. November 2012

USA: Amerika - das Land des unbegrenzten Öls

 Von Jakob Schlandt
Fracking in North Dakota. Foto: REUTERS

Erstaunliches Comeback: Die USA, zweitgrößte Energieverbraucher der Welt, sind wohl bald unabhängig von Energie aus dem Ausland. Erfolgreiche Experimente mit neuen Fördertechniken tragen zu der künftigen Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten bei.

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Erstaunliches Comeback: Die USA, zweitgrößte Energieverbraucher der Welt, sind wohl bald unabhängig von Energie aus dem Ausland. Erfolgreiche Experimente mit neuen Fördertechniken tragen zu der künftigen Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten bei.

Vor zehn Jahren galt unter Experten als ausgemacht, dass die steigende Abhängigkeit von Energieimporten eines der größten wirtschaftlichen und politischen Probleme der USA ist. Doch statt zu steigen, schrumpft seit einigen Jahren die Abhängigkeit. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) erwartet laut ihrem am Montag veröffentlichten jährlichen Ausblick sogar, dass das Land in etwa 20 Jahren wieder zum Netto-Exporteur wird – zum ersten Mal seit 1949.

Im World Energy Outlook der IEA heißt es, ab 2020 würden die USA mehr Erdgas aus- als einführen, bei Öl reduzieren sich die Importe stark. Da die Vereinigten Staaten knapp nach China der zweitgrößte Energieverbraucher der Welt sind, ist das für die Agentur ein „Gezeitenwechsel der Energieflüsse zugunsten der USA“. China und Europa werden im gleichen Zeitraum immer abhängiger von Energieimporten.

Ölboom in North Dakota

Das Beispiel der USA ist ein Lehrstück über die Wirkmacht freier Märkte. Der Anfang des Jahrtausends einsetzende Preisanstieg für Öl und Gas bewirkte in den USA, dass kleine, risikofreudige Unternehmen begannen, mit zwei neuen Fördertechniken zu experimentieren: Beim sogenannten Fracking wird über das Bohrloch ein Gemisch aus Wasser, Sand und chemischen Zusätzen mit hohem Druck in die Lagerstätte gepumpt. Dadurch wird das im Gestein eingeschlossene Öl und Gas herausgelöst.

In Kombination mit besseren Horizontalbohrung, durch die von einem Förderturm große Gebiete erschlossen werden können, wurden die sogenannten unkonventionellen Lagerstätten immer attraktiver. Die Techniken sind inzwischen von der Ölindustrie mit Erfolg übernommen worden – und haben jüngst in den Steppen North Dakotas und Montanas zu einem kleinen Ölboom geführt.

Dass die hohen Preise in den USA so starke Auswirkungen aufs Angebot haben, liegt auch an teils niedrigen Steuern und laschen Regeln. Von Zufahrtsstraßen und Fördertürmen zerschnittene Landschaften sowie verschmutztes Wasser sind die Kehrseite der kleinen Energierevolution. In den USA reagiert aber auch die Nachfrage besonders stark auf die Preise. Der Ölverbrauch wird in den nächsten 20 Jahren laut IEA um fast ein Drittel zurückgehen. Öl bleibt teuer, und die Amerikaner werden deshalb immer effizienter im Umgang damit.
Das viele neu gewonnene Gas hingegen kann kaum exportiert werden, die Preise sind deshalb in den USA dauerhaft niedrig. Steffen Bukold, Chef des unabhängigen Informationsdienstes EnergyComment, sieht darin Vorteile für die US-Wirtschaft: „In den USA wird die Verfügbarkeit von billigem Erdgas zu einem wichtigen Standortvorteil für die Industrie. Das löst bereits heute eine Reindustrialisierung ganzer Regionen aus.“ Die amerikanische Industrie werde auch auf Kosten der Europäer Marktanteile gewinnen.

Ölversorgung bleibt riskant

Energieweltmacht USA – kann der Rest der Welt die Fördererfolge einfach nachmachen? Die IEA ist in ihrem Bericht skeptisch. Experte Bukold ebenso: „Für Europa erwarte ich nicht, dass unkonventionelle Vorkommen – sei es Gas oder Öl – in absehbarer Zukunft in großem Maßstab verfügbar sein werden“, sagte er. Die Kosten seien weitaus höher und die geologischen Voraussetzungen weniger günstig. Konsequentere Umweltauflagen und lokale Protestbewegungen würden zumindest in Westeuropa die Ausbeutung stark bremsen.
Dass in den USA die Ölförderung wieder stark ansteigt, bringt allerdings die Verfechter von „Peak Oil“ in Erklärungsnot, die ein globales Ölfördermaximum vorhergesagt haben. Natürlich sind die globalen Ölvorräte wie alle fossilen Ressourcen begrenzt. Doch wie hoch die Förderung ist, diktiert eben nicht nur die Geologie, sondern auch der Preis, Fortschritte bei der Technik und Auflagen. Bukold macht auf weitere Risiken aufmerksam: „Die Ölversorgung bleibt riskant, denn die Abhängigkeit von politisch labilen Regionen und technisch aufwendigen Fördermethoden bleibt groß. Sobald ein großer Lieferant ausfallen sollte, werden die Ölpreise steil steigen.“

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