Nach jahrelangen Vorarbeiten hat das US-Energieversorgungsunternehmen Southern Company die Genehmigung für den Bau zweier neuer Atomkraftwerke im Bundesstaat Georgia erhalten. Damit ist 33 Jahre nach dem schweren Unfall im Atommeiler von Three Mile Island in Pennsylvania ein in den USA de facto bestehendes Moratorium aufgehoben worden. „Dies ist ein entscheidender Schritt nach vorn“, sagte Harold McFarlane, Manager des US-Nuklearforschungszentrums in Idaho.
Die von der staatlichen Regulierungskommission jetzt mit vier zu eins Stimmen gefällte Entscheidung macht deutlich, wie wenig die Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima die Debatte in den USA geprägt hat. Eine im Januar veröffentlichte, staatliche Studie, die nahelegt, dass US-Kernkraftwerke in vermeintlich sicheren Regionen stärker von Erdbeben bedroht sind als angenommen, wurde in der Öffentlichkeit wenig beachtet. Die US-Reaktoren einer neuen Generation sollen angeblich besonders sicher sein, die Notkühlungssysteme auch bei Pumpenausfall funktionieren. Ein Regulierer, der gegen die Genehmigung stimmte, bemängelte, dass die Erfahrungen aus Fukushima noch nicht genügend ausgewertet seien.
Politik ist der Treiber
Die Kernenergie gehört zu einem der wenigen Bereiche, bei dem sich die zerstrittenen Demokraten und Republikaner einig sind. Auch US-Präsident Barack Obama hat sich immer für die Atomkraft ausgesprochen. Für die neuen Kraftwerke stehen deshalb 8,3 Milliarden Dollar (rund 6,3 Milliarden Euro) an Bundesgarantien zur Verfügung. Anfangs nannte Obama das Argument, den Kohlendioxidausstoß zu vermindern. Inzwischen gilt der Ausbau der Kernenergie eher als Förderung einheimischer Energiequellen. Dank einer ökologisch umstrittenen, neuen Fördermethode, die in die Tiefe gepumptes Wasser benutzt, sind in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren erhebliche neue Uranvorkommen erschlossen worden.
Den gesetzlichen Rahmen für den Bau neuer Kernkraftwerke gibt es schon seit Jahren. Barack Obama konnte nahtlos an die Vorarbeiten der US-Nuklearbehörde anknüpfen, die unter seinem Amtsvorgänger George W. Bush vorangetrieben worden waren.
Damit sind die USA in einer völlig anderen Situation als Deutschland. Die Politik treibt die Stromerzeuger zur Nutzung der Atomkraft sogar an. Allerdings liegt die Zahl der beantragten Anlagen deutlich unter den Vorhersagen einer „nuklearen Renaissance“. Der in der Rezession gesunkene Elektrizitätsbedarf hatte die Entwicklung gebremst. Auch hatten die Kraftwerksbetreiber ursprünglich damit gerechnet, dass ein Handel mit Kohlendioxidzertifikaten nach europäischen Muster eingeführt würde. Dessen Scheitern im Kongress hat die Kernenergie weniger wirtschaftlich gemacht. Ein Überschuss an billigem amerikanischen Erdgas hat die Energieerzeuger in jüngster Zeit zudem verstärkt auf diesen Rohstoff zurückgreifen lassen.
Dass es dennoch eine Genehmigung für neue Atomanlagen gibt, ist auch ein politisches Zeichen. Seit der Wirtschaftskrise 2008 sind grüne Themen in den USA auf dem Rückzug. Widerstand gegen neue Atomkraftwerke ist wenig ausgeprägt. Diese Indifferenz gibt es aber nicht nur gegenüber den ökologischen Folgen der Atomkraft. Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist fast vergessen. Zudem drängen große Öl- und Gasfunde in den USA Öko-Energien in den Hintergrund.
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