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Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

27. November 2012

Zu wenige Stromnetze: Stromnetze stoßen an ihre Grenzen

 Von Jakob Schlandt
Die deutschen Stromnetze sind belastet.Foto: dapd

Bundesnetzagentur warnt: Die Energiewende bringt das Stromnetz an seine Grenzen. Nur noch Notmaßnahmen halten die Lage stabil. Es müssen dringend neue Leitungen her.

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Die deutschen Stromnetze kommen durch die Energiewende an ihre Belastungsgrenze. Die Betreiber können die Lage immer häufiger nur noch mit Notmaßnahmen stabil halten. Dies geht aus dem am Dienstag veröffentlichten jährlichen Monitoringbericht der Bundesnetzagentur hervor, die im Auftrag der Bundesregierung die Energieversorgung überwacht.

Wechselwillig

Laut dem Monitoringbericht der Bundesnetzagentur steigt die Zahl der privaten Stromkunden, die den Anbieter wechseln, steil an. Voriges Jahr waren es knapp 3,6 Millionen.

Insgesamt sind jetzt knapp 17 Prozent der Verbraucher bei einem neuen Stromanbieter und nicht mehr beim regionalen Hauptversorger. Weitere 43,4 Prozent sind dort geblieben, aber zumindest in einen günstigeren Tarif gewechselt.

Knapp 40 Prozent der Kunden zahlen auf jeden Fall zu viel: Sie sind weiterhin im sogenannten Grundversorgungstarif, der besonders teuer ist.

Hauptproblem ist laut dem Bericht, dass es häufig nicht mehr gelingt, den in Ost- und Norddeutschland erzeugten Strom nach Westen und Süden zu transportieren, wo die großen Verbrauchszentren liegen. Um den sicheren Betrieb zu gewährleisten, müssen die Netzbetreiber deshalb verfügen, dass Kraftwerke in den Regionen, die temporär zu viel Strom liefern, heruntergedrosselt werden und gleichzeitig im Süden teure Anlagen hochfahren. Das passierte 2011 etwa vier Mal so häufig wie im Jahr zuvor.

Am schwersten betroffen ist die Verbindung von Thüringen nach Bayern. In jeder fünften Stunde mussten die Netzbetreiber im Vorjahr mit Notmaßnahmen eingreifen, weil die Ungleichgewichte ein gefährliches Ausmaß annahmen. Auch innerhalb Bayerns sind die Stromleitungen auf Nord-Süd-Strecken teils chronisch überlastet. Ein weiterer Engpass: Die Verbindungen von Niedersachsen nach Hessen.

Auch die Abriegelung von Ökostromkraftwerken, die im Fall einer Ausnahmesituation im Stromnetz erlaubt ist, nahm sehr stark zu. Die Stromnetzbetreiber sperrten Anlagen drei Mal so häufig wie im Jahr zuvor und legten dabei vor allem Windräder still.
Für die Netzüberlastung zahlen letztlich die Stromkunden, weil die Kosten großenteils auf sie umgelegt wurden. Die Verschiebung von Kraftwerksleistung in den Süden wurde nicht näher beziffert, für die Ausfallzahlungen an die Betreiber von Ökostromkraftwerken veranschlagte die Bundesnetzagentur im Vorjahr 33,5 Millionen Euro.

Von Nord nach Süd

Ausbaubedarf: Da vor allem Süddeutschland verstärkt auf Atomkraft gesetzt hatte, muss nach der Abschaltung der ältesten Reaktoren vor allem der Strom aus den Windparks in Nord- und Ostsee in den Süden gebracht werden. Für vordringlich hält die zuständige Aufsichtsbehörde nun offiziell drei Nord-Süd-Trassen mit insgesamt 2800 km neuen Leitungen.

Bürgerbeteiligung: Schon bei der Planung konnten Bürger mitreden – im Internet und in Regionalkonferenzen. Künftig ist der Stand der Planungen einsehbar unter www.netzausbau.de.

Eine beruhigende Nachricht hatte die Bundesnetzagentur auch parat: Die Stromausfälle haben in Deutschland bislang nicht nennenswert zugenommen. Sie legten von 2010 auf 2011 etwas zu, liegen aber immer noch unter dem Durchschnitt der Vorjahre.
Allerdings ist absehbar, dass die Netzprobleme durch den fortschreitenden Ausbau der erneuerbaren Energien weiter anwachsen und in den kommenden Jahren dramatisch werden könnten. Zwar betont die Ökostrombranche, dass auch die mangelnde Flexibilität alter fossiler Kraftwerke dafür verantwortlich sei. Einig sind sich jedoch fast alle Wirtschaftsvertreter und auch die Politik darin, dass der Netzausbau schneller vorangehen muss, weil die Probleme sonst unbeherrschbar werden könnten.

Laut dem Bericht der Bundesnetzagentur sind die Verzögerungen beim Bau der 2009 beschlossenen neuen Leitungen eklatant. Von 1834 geplanten Kilometern seien erst 214 gebaut. „Im Jahr 2012 werden voraussichtlich nur 35 Kilometer hinzukommen“, heißt es in dem Dokument. Grund für die Verzögerungen sind Einsprüche und Klagen von Anwohnern, aber auch Planungsfehler, Umweltschutzvorschriften und bürokratische Hürden.

Am Montag hatte die Bundesnetzagentur bereits bekanntgegeben, dass in einer weiteren Ausbaustufe 2800 Kilometer neue Höchstspannungsleitungen folgen sollen, die unter anderem den von Windkraftwerken auf hoher See erzeugten Strom in den Süden bringen. Projekte mit 1000 Kilometern Länge wurden allerdings gegenüber den ursprünglichen Plänen gestrichen.

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