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Eurovision Song Contest
Der Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen

28. Mai 2012

ESC 2012 Gewinnerin Loreen: Die mutige Siegerin

 Von Thorsten Keller
Loreen, die mutige Siegerin des ESC 2012. Foto: dpa

In Baku hat sich kein Musiker so für die Menschenrechte eingesetzt wie 
die Schwedin Loreen. Nach ihrem Sieg hält die 28-Jährige weiter an ihrer Kritik fest und betont: Es war gut, dass der ESC politischer als üblich war.

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Das „Abenteuer Aserbaidschan“ endete für Roman Lob und die deutsche ESC-Delegation am frühen Morgen des Pfingstmontags. Kurz vor vier Uhr startete der Lufthansa-Flug 613 nach Frankfurt am Main, auf Platz 10 G in der Business Class saß der junge Sänger. Am Check-in-Schalter in Baku erkannte man Lob erst auf den zweiten Blick: Er hatte seine graue Wollmütze gegen eine orientalische, bunt bestickte Kappe eingetauscht – das beliebteste touristische Mitbringsel aus Aserbaidschan.


Außerdem bringt Roman Lob vom Eurovision Song Contest einen ordentlichen achten Platz mit nach Deutschland – damit ist er sogar besser als Lena im vergangenen Jahr, die in Düsseldorf Platz zehn erreichte. Thomas Schreiber, ARD-Unterhaltungskoordinator, freute sich über die Platzierung und erklärte, dass sich das Prinzip einer Talentsuche für den deutschen Beitrag zum ESC bewährt habe.

Loreen: Die Siegerin des Abends

Die große Siegerin des Abends kam aber aus Schweden. Loreen, die 28 Jahre alte Sängerin, die in Stockholm zur Welt kam und Kind marokkanischer Einwanderer ist, ließ der Konkurrenz nicht die Spur einer Chance. Am Ende hatte sie 372 Punkte gesammelt, die zweitbeste Punktzahl, die jemals ein Sieger erreichte, und 113 mehr als die russischen Großmütter mit ihrem Backofen. Der überschäumte Dance-Track „Euphoria“ – visuell eine durchaus gewagte, weil zum Teil sehr düstere Waldhexen-Performance mit Schleiertanz und Kunstschnee – kam überall in Europa gut an. Loreen wurde nicht nur von den Nachbarländern in Skandinavien und im Baltikum mit der Höchstwertung bedacht, sie räumte insgesamt 18-mal die zwölf Punkte ab. Um 3.20 Uhr Ortszeit stand sie im Konfettiregen und hielt die vom schwedischen Glaskünstler Kjell Engman gefertigte Trophäe – ein stilisiertes Mikrofon – in den Händen.

Loreen war auch die Teilnehmerin, die sich am offensivsten mit der Opposition in Aserbaidschan solidarisierte. Am Mittwoch hatte sie Vertreter der Organisation „Sing for democracy“ getroffen. Am Sonntag, einen Tag nach dem Wettbewerb, sagte sie: „Man muss jede Plattform nutzen, um den Wandel zu erreichen.“ Sie begrüßte, dass der ESC politischer als üblich gewesen sei und auf die Menschenrechtslage in Aserbaidschan hingewiesen wurde. Während der Proben war es zu zahlreichen Verhaftungen von Regierungskritikern gekommen, die internationalen Medien berichteten darüber.

Eine perfekte Show

Das Gastgeberland präsentierte in der Halle eine perfekte Show, sie hätte auch nach Paris, London oder Berlin gepasst. Politisch wurde es zweimal an diesem Abend. Als Emin Algalarov, der das Pausenprogramm bestritt, spektakulär von der Hallendecke abgeseilt wurde, war dies ein weiteres Beispiel für die Vetternwirtschaft des regierenden Aliyev-Clans – der Sänger ist auch Schwiegersohn des Präsidenten. Später überraschte Anke Engelke mit ihrem Hinweis auf freies Wahlrecht.


Im kommenden Jahr sind die Schweden nun als Gastgeber gefragt, das Finale ist für den 18. Mai geplant. Die Organisatoren haben Routine, für das Land im Norden war es bereits der fünfte Sieg. „Wir haben geeignete Städte und geeignete Hallen“, sagte der Chef der Delegation. Angesichts der Größe des TV-Spektakels läuft die Entscheidung wohl auf den „Globen“ in Stockholm hinaus. 16.000 Zuschauer finden Platz in dem weißen Kuppelbau. In der Halle hat Schweden im Jahr 2000 schon einmal einen ESC veranstaltet.

Die Europäische Rundfunkunion kann als Veranstalter mit dem Sieger Schweden gut leben. Weil die vorab auch als Favoriten gehandelten Buranovskiye Babushki nur Zweite wurden und der Contest so an Moskau oder Sankt Petersburg vorbeizieht, wird es wohl einen Gesangswettbewerb ohne politische Debatten geben.

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Spezial

Die Entscheidung in Kopenhagen: Wer siegt beim Eurovision Song Contest 2014? Wer für Deutschland antritt, wird beim Vorentscheid am 13. März 2014 entschieden.

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