Aktuell: Schicksal von Tuğçe A. | Burger King | Polizeigewalt in Ferguson | Eintracht Frankfurt | Fußball-News

Eurovision Song Contest
Der Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen

12. Mai 2013

Eurovision Song Contest ESC: Der Countdown läuft

 Von Elmar Kraushaar
Eine riesige Uhr in Malmö zeigt an, wie lange die Fans noch auf das große ESC-Finale warten müssen.  Foto: Elmar Kraushaar

Cascada hat in Malmö ihren ersten Aufritt auf der Bühne und präsentiert sich gleich als Tuntentraum. Dabei bestätigt Natalie Horler, die Cascada-Sängerin, einmal mehr, dass sie eine "Rampensau" ist. Die deutschen Fans sind begeistert.

Drucken per Mail

Der Countdown läuft, es sind - während ich dies schreibe - noch genau sechs Tage, fünf Stunden, 33 Minuten und 15 Sekunden, bis zum Beginn des großen ESC-Finale am kommenden Samstag. Eine riesige Uhr zählt die Zeit auch mit im Zentrum der Stadt, auf dem Stortorget, direkt daneben steht ein Reiterstandbild von König Karl X. Gustaf, für diese musikalischen Wochen in Malmö bunt aufgepeppt mit dem ESC-Logo, dem Schmetterling.

Auch sonst ist allerhand los, im Eurovision Village auf dem Gustaf-Adolf-Platz finden täglich Veranstaltungen statt, von zwölf Uhr mittags bis zum späten Abend. Da gibt es jeden Tag ein ESC-Quiz und “the Schlager of the day” mit Live-Auftritten aller Teilnehmer. Viele schwedische Pop- und Schlagerstars sind ebenfalls seit Tagen hier unterwegs, für Open-Air-Konzerte und Club-Auftritte.

Charlotte Pirelli ist schon da, ebenso Christer Björkmann und Lasse Holm, die Gruppe Alcazar, und natürlich Loreen, die Siegerin von 2012. Eine, die auch nicht lassen kann vom ESC, ist Carola. Als 16-Jährige war sie 1983 in München dabei, siegte dann 1991 in Rom, und wollte es noch einmal wissen 2006 in Athen. Jetzt ist sie auch hier in Malmö, für ein Konzert am 14. Mai.

Die Schweden, das muss man wissen, stehen auf der Liste der wenigen, wirklich ESC-vernarrten Nationen, ganz, ganz oben. Ihr Vorentscheid, das Melodifestivalen, läuft über Wochen und wird aus verschiedenen Städten des Landes übertragen. Da gibt es vier Halbfinalrunden und eine “Zweite Chance”, bis es dann zum Finale kommt, mit höchsten Einschaltquoten.

Allein 2012 verfolgten mehr als vier Millionen - das ist knapp die Hälfte der Einwohner Schwedens - die Finalshow. Und alle Stars, alte wie junge, reißen sich um die Teilnahme. Denn die zahlt sich aus. Fast jeder Song landet umgehend in den Charts und verkauft sich glänzend. Das war nicht immer so, das mit der ESC-Begeisterung. 1976, zwei Jahre nach dem legendären ABBA-Sieg, stieg Schweden aus dem Wettbewerb aus, Begründung: zu kommerziell und zu teuer.

Schweden wieder im Eurovisionsfieber

Die schlichten Poplieder des Grand Prix Eurovision de la Chanson, wie das Festival damals hieß, wurden als ein Angriff auf die “kulturelle Identität” des Landes gesehen. So hatte man 1975, als der Grand Prix aus Stockholm europaweit übertragen wurde, in einem Zelt in Hjorthagen, ein Stadtteil der Kapitale, ein Gegenfestival organisiert, bei dem jeder mitmachen konnte, der wollte.

Hier traten Rock- und Volksmusiker auf, es gab Chansons und Protestsongs sowie irische und chilenische Folklore. Als Dokumentation dazu erschienen ein Jahr später eine Doppel-LP und ein Film, Titel: “Wir haben unser eigenes Lied”.

Das ist Schnee von gestern, heuer ist Schweden im Eurovisionsfieber, Malmö sowieso. In der Oper der Stadt steht am Sonntagabend die offizielle Eröffnung des Festivals an, wie in den vergangenen Jahren in Oslo, Düsseldorf und Baku, wieder eine Exklusiv-Gala, ohne Fans und ohne Journaille.

Dafür sei kein Platz im Opernhaus, heißt es offiziell dazu, zum Trost werden wir an den roten Teppich geladen, um den VIPs zuzuwinken. Da werden Erinnerungen wach an Riga, Kiew oder Istanbul, wo Tausende zusammen feierten, es Häppchen gab und Getränke ohne Ende. “We are one” heißt die Losung dieses Jahr, ist aber nicht ganz so wörtlich zu nehmen.

Cascada in Strassteinen besetzten Highheels

Das gleiche gilt auch für die Proben an diesem Sonntag, die Exklusiv-Teilnehmer sind dran, die großen Fünf - Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien - die, so sagt man, potentesten Beitragszahler der EBU. Dass sie sich nicht durch ein Halbfinale kämpfen müssen, sondern direkt aufs Finale zusteuern, haben sie Deutschland zu verdanken. Denn diese Big Five-Regel wurde von der ARD durchgesetzt, nachdem 1996 der deutsche Beitrag wegen mangelnder Qualität überhaupt nicht zum Wettbewerb zugelassen wurde, und einer solchen Schmach wollte man sich nicht noch einmal aussetzen.

So muss auch Cascada zum ersten Mal auf die Bühne, in engem Glitzerfummel mit Schleppe und - ein Tuntentraum - mit bunten Strassteinen besetzten Highheels. Und die deutschen Fans wären keine richtigen Fans, wären sie nicht grenzenlos begeistert. Was für ein Auftritt! Was für eine Frau! Was für ein Song! Geradezu euphorisch sind sie. In welcher deutschen Stadt wird im kommenden Jahr der ESC stattfinden?

Da geht schnell mal jeder Realitätssinn baden, ganz flott ist man im Siegestaumel, und als Natalie Horler, die Cascada-Sängerin, anschließend im Pressezentrum zum “Meet and Greet” erscheint, bricht der Jubel los. Gelassen nimmt sie die Begeisterung hin, diesmal - ganz Girlie - gekleidet in ein rosa Sweatshirt mit silbernen Applikationen, dazu ein ausgefranster Minirock, vorne schwarzes Leder, hinten rosa Jeans.

“Sie ist eine Rampensau”, kommentiert Thomas Schreiber, der für den ESC verantwortliche ARD-Vertreter. Das ist sie, in der Tat, spaßt mit den Fans, singt ihr “Glorious” aus dem Stand zur Gitarre, und als sie noch einer fragt, ob ihr Titel nicht ein Plagiat des Vorjahressiegers sei, kann sie nur noch lächeln: “Euphoria war Tanzmusik, und wir machen seit zehn Jahren Tanzmusik.” Will sagen: Da hört sich schon mal das eine an wie das andere.

Nur einer kann den Puristen unter uns an diesem sonnigen Nachmittag wirklich gefallen, der Italiener Marco Mengoni. Der steht allein auf der Bühne und singt, basta! Ohne Firlefanz, kraftvoll, souverän, einzig auf seine Stimme vertrauend und auf ein schönes Lied: “L’essenziale”. Außerdem sieht der Mann auch noch saugut aus. Was will man mehr! Ich bedauere lediglich, dass er die anschließende “Meet and Greet”-Nummer schwänzt. Schade!

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Spezial

Die Entscheidung in Kopenhagen: Wer siegt beim Eurovision Song Contest 2014? Für Deutschland tritt am 10. Mai 2014 Elaiza an.

Social Media
Videonachrichten ESC
Videonachrichten Panorama