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Konflikt in Korea: USA wollen Südkorea verteidigen

Nach den Granaten auf Südkorea hagelt es Warnungen an Nordkorea: Vor allem die USA zeigten sich am Dienstag entrüstet über den Artillerieüberfall Nordkoreas auf die südkoreanische Insel Yonpyong vor der Westküste der Halbinsel.

Dicke Rauchschwaden überziehen die südkoreanische Insel Yeonpyeong. Foto: REUTERS

US-Präsident Barack Obama hat Südkorea den vollen Rückhalt der USA im Konflikt mit Nordkorea versprochen. Nordkora sei eine anhaltende Bedrohung, mit der man fertig werden müsse, sagte er am Dienstag in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC. Die USA wollten in Reaktion auf die Eskalation weitere gemeinsame militärische Übungen mit Südkorea abhalten. Die USA stünden zu ihrer Verpflichtung, Südkorea zu verteidigen, teilte das Präsidialamt später mit.

Nordkorea hatte am Dienstag eine südkoreanische Insel mit Dutzenden Artilleriegeschossen bombardiert. Die Führung in Pjöngjang betonte, sie habe damit auf südkoreanischen Beschuss reagiert. Südkorea hielt in der Nähe der Insel ein Militär-Manöver ab, erklärte aber, dass dabei nicht in Richtung Norden geschossen worden sei. Japan bekräftige einem Medienbericht zufolge ebenfalls seine Kooperation mit Südkorea.

KVA
Atombombe
Kim Jong Il
Militärmacht
Geheimdienste

Rund 1,2 Millionen Soldaten zählt die Koreanische Volksarmee (KVA). Das ist weltweit Rang vier und gemessen an der Bevölkerungszahl der mit Abstand höchste Militarisierungsgrad. Die Ausstattung der KVA ist aber größtenteils veraltet. Den modernen Armeen der USA und Südkoreas, denen die Nordkoreaner an der innerkoreanischen Grenze gegenüberstehen, wären sie im Fall eines Krieges nicht gewachsen. Trotzdem kann die KVA große Zerstörung anrichten, wie sie zuletzt am 23.11.2010 gezeigt hat.

Mit der Atombombe verfügt die KVA außerdem seit 2006 über einen Trumpf, der sie vor Militärschlägen schützt. Zwar gehen westliche Experten davon aus, dass Nordkoreas Plutoniumvorräte nur für fünf bis zehn Sprengköpfe reichen und das Land nicht über eine geeignete Trägerrakete verfügt. Doch auch die Gefahr einer sogenannten „schmutzigen Bombe“, bei der herkömmliches Sprengpulver mit radioaktivem Material vermischt wird, um ein Gebiet zu verstrahlen, ist groß genug, um Nordkorea zu einer ernstzunehmenden militärischen Bedrohung zu machen.

Für Diktator Kim Jong Il ist die Bombe das wichtigste Drohmittel, um sich gegen ausländische Destabilisierungsversuche zu wehren. Schon unter seinem Vater, Staatsgründer Kim Il Sung, war die Armee die wichtigste Machtstütze des Systems, schließlich baute der Revolutionär seine Herrschaft auf den Guerillatruppen auf, mit denen er einst gegen die japanische Besatzung gekämpft hatte. Doch die vollständige Militarisierung der nordkoreanischen Gesellschaft vollzog erst Kim Jong Il, der Mitte der Neunziger die Devise „Militär zuerst“ ausgab und den ganzen Staatsapparat entlang der Armeestrukturen organisierte. Militär, Regierung und Partei sind in Nordkorea untrennbar verbunden.

Eine Schlüsselrolle spielt das Militär auch für den Fortbestand des Systems. Als Kim im September seinen Sohn Kim Jong Un als Wunschnachfolger installierte, ernannte er ihn zunächst zum General und dann zu seinem Stellvertreter in der Militärkommission. Doch die Autorität des jungen Kim ist beschränkt. Nordkoreanische Überläufer berichten, der designierte Führer werde in Militärkreisen nicht akzeptiert. Denkbar ist deshalb, dass nach dem Tode Kim Jong Ils eine Gruppe mächtiger Militärs die Macht übernehmen würde – eine Option, die angeblich auch die heimliche Unterstützung Chinas hat, wo man hofft, dass Generäle leichter zu beeinflussen sind als die eigenwilligen Kims.

Westliche Geheimdienste spekulieren gleichzeitig darüber, dass die jüngsten Provokationen des Militärs ein Versuch des jungen Kim Jong Un seien, sich im System Respekt zu verschaffen. Er soll den Angriff auf das südkoreanische Kriegsschiff Cheonan im März befohlen haben, bei dem 46 Matrosen starben. Womöglich geht auch der Beschuss der Insel Yeonpyeong auf sein Konto. (bba)

Nordkorea warnte nach dem Beschuss der südkoreanischen Insel Yonpyong durch seine Streitkräfte vor weiteren Militärschlägen gegen das Nachbarland. „Sollte die südkoreanische Marionettengruppe es wagen, auch nur 0,0001 Millimeter in Nordkoreas Hoheitsgewässer vorzudringen, wird die revolutionäre Streitmacht nicht zögern, weiter gnadenlose militärische Gegenmaßnahmen zu ergreifen“, erklärte Nordkoreas Truppenkommando.

Nordkorea droht erneut mit Militärschlägen

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Nach südkoreanischen Angaben feuerte die Armee des kommunistischen Nordkorea mehr als 100 Granaten über dem Gelben Meer in Richtung Südkorea ab. Rund 50 davon seien auf der Insel Yonpyong vor der Westküste eingeschlagen. Zwei Marinesoldaten seien getötet worden. Auch wurden zwei tote Zivilisten im Alter zwischen 60 und 70 Jahren gefunden, teilte die südkoreanische Polizei am Mittwoch mit. Sie seien vermutlich bei dem Artilleriebeschuss durch Nordkorea ums Leben gekommen. Zudem seien zahlreiche Menschen verletzt worden. Hunderte Menschen flüchteten auf das Festland. Seoul versetzte seine Armee in höchste Alarmbereitschaft. Yonpyong liegt unweit der Seegrenze die von den UN nach dem Korea-Krieg (1950–53) festgelegt worden war. Nordkorea erkennt die Grenze nicht an.

Nordkorea beschießt südkoreanische Insel
Landkarte von StepMap
StepMapNordkorea beschießt südkoreanische Insel


Nato und EU verurteilten Nordkoreas Angriff. Der UN-Sicherheitsrat plante nach französischen Angaben eine Dringlichkeitssitzung. Die USA, Russland, China und Deutschland riefen zur Mäßigung auf. Die Beziehungen zwischen Seoul und Pjöngjang sind auch wegen des nordkoreanischen Atomprogramms gespannt. Das Verhältnis wurde durch den Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffs weiter belastet, das einer internationalen Untersuchung zufolge im März durch einen nordkoreanischen Torpedo versenkt wurde. (rtr/afp/dpa)

Datum:  23 | 11 | 2010
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