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Europawahl 2014
Jean-Claude Juncker oder Martin Schulz - wer wird Präsident der Europäischen Kommission?

26. Mai 2014

Europawahl : Realsatire in Brüssel

 Von 
Martin Sonneborn lässt sich feiern.  Foto: dpa

Martin Sonneborn erläutert seine Agenda. Der 49-Jährige ist jetzt Abgeordneter im Europaparlament. Er ist Mitbegründer der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (PARTEI).

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Während die PARTEI noch schlief, hat ihr GröVaZ am Montag schon ordentlich gearbeitet. Martin Sonneborn (49), eben jener Größte Vorsitzende aller Zeiten, ist jetzt nämlich Abgeordneter des Europaparlaments. Und als solcher gibt man montags nach einer Wahl Interviews. Also erläuterte Sonneborn der Deutschen Presse-Agentur seine Agenda.

„Ich werde mich vier Wochen lang intensiv auf meinen Rücktritt vorbereiten“, kündigte der einstige Chefredakteur der Satirezeitschrift Titanic an. „Wir werden versuchen, monatlich zurückzutreten, um 60 Parteimitglieder durchzuschleusen durch das EU-Parlament“, sagte der Journalist, der auch als Reporter der „heute show“ des ZDF im Einsatz ist.

Damit könne sich jedes Mitglied einmal für 33.000 Euro im Monat Brüssel anschauen, zurücktreten und noch sechs Monate lang Übergangsgeld beziehen. „Wir melken die EU wie ein kleiner südeuropäischer Staat.“

Noch keinen Tag im neuen Amt, hat der Mitbegründer der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (PARTEI) schon ein wesentliches Ziel seiner Kandidatur erreicht: die medienwirksame Persiflage der etablierten Politik mit dem Mittel der Realsatire. Dabei kommt es nicht so sehr auf die Wahrheit an, es reicht, Bestandteile derselben aufzuspießen. Also summiert er den Betrag, den Europaabgeordnete tatsächlich verdienen (ca. 13 000 Euro) mit jenem, der ihnen zur Beschäftigung von Mitarbeitern zusteht, den sie aber selber nie in die Hand bekommen (ca. 20.000 Euro), macht zusammen empörende 33.000 Euro. Übergangsgeld bekommen nur Abgeordnete, die mindestens ein Jahr im Parlament waren, und dann auch nur für einen Monat.

Ernsthafte Betrachter der Politik können sich furchtbar aufregen über solche Mätzchen, wie sie die „heute show“ mit großem Erfolg jeden Freitagabend zeigt. Mit solcher Häme werde Politikverdrossenheit produziert und nicht bekämpft, lautet ihrer Kritik.

Das Problem ist: Gute Satire trifft und ist doch als solche zu erkennen. In Zeiten zunehmenden, internetgeförderten Halb- bis Viertelwissens aber nehmen viele die Satire für bare Münze – sie glauben schlichtweg, was sie da sehen und hören. Die Kritik am politischen System durch Überzeichnung seiner Mechanismen kann so eine durchaus undemokratische Wirkung entfalten.

In einem hat Martin Sonneborn gewiss recht: „Ich glaube nicht, dass wir die Verrücktesten sind im Europaparlament.“ Aber die Witzigsten eben doch. Für die, die sie verstehen.

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