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Europawahl 2014
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30. Mai 2014

Europawahl: Eine Feministin für Europa

 Von 
Soraya Post.  Foto: dpa

Die schwedische Romni Soraya Post setzt sich in ihrem Heimatland für Frauen- sowie Sinti- und Romarechte ein. Jetzt will sie für Frauen aus ganz Europa kämpfen.

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Ob das Pressebüro, die Parteizentrale, die Parteivorsitzende oder die Abgeordnete selbst, alle haben sie automatische E-Mail-Antworten erstellt: Es kommen mehr Mails, als wir lesen können, wir brauchen eine Pause. Keine Frage: So viel Aufmerksamkeit sind die Schwedinnen der Feministischen Initiative (FI) nicht gewohnt: Dümpelte die 2005 gegründete Partei bei nationalen Wahlen bisher bei 0,6 Prozent dahin, haben sie nun einen Erfolg geschafft, an den sie selbst kaum glaubten: 5,3 Prozent der Schweden wählten sie ins Europaparlament, den Sitz erhält Soraya Post aus Göteborg.

Die 57-Jährige ist bisher unbekannt, in Schweden setzt sie sich für Frauen- sowie Sinti- und Romarechte ein. Schweden ist in Sachen Gleichberechtigung zwar weltweit Vorbild, doch von ihrer Heimat aus will Post für die Frauen aus ganz Europa kämpfen. Die Partei, die aus einem Verein entstand, setzt sich etwa dafür ein, dass Prostituierte entkriminalisiert und Freier bestraft werden.

Zudem möchte die geborene Romni den Rassismus in Europa bekämpfen. Post ist die erste Roma-Spitzenkandidatin, die je fürs Europaparlament kandidierte. Menschenrechte, sagt Post, seien für sie keine Nebensache, sondern etwas, das die gesamte Politik der FI durchdringt. „Wir wollen, dass die Gesellschaft versteht, dass alle Menschen gleich viel wert sind“, sagt Post. Deshalb fordert die Partei auch einen EU-Kommissar für Gleichberechtigung und Anti-Diskriminierung.

Post, deren Vater ein deutscher Jude war, hat schon als Kind Ablehnung erfahren: Ihre Mutter wurde zwangssterilisiert, berichtete sie der Tageszeitung „Expressen“, „damit sie nicht mehr von mir machen konnte“. Sie selbst musste sich einer psychologischen Untersuchung unterziehen, ehe sie in die Grundschule durfte.

Deshalb engagiert sie sich so in der Politik, „ich bin überzeugt, dass ich etwas verändern und bewirken werde.“ Vor allem dem wachsenden Rechtsextremismus will sie entgegentreten – sowohl was das Frauenbild der Rechtsextremisten betrifft wie auch deren Vorurteile über fremde Kulturen.

Doch nun bedient sie selbst Vorurteile, Kritik kommt auch von ihren Wählern. Denn just nach der Wahl wurde bekannt, dass Post ihre 16-jährige Tochter nach Roma-Tradition verheiratet hat. „Glaubt Soraya Post, dass wir Kinderehen akzeptieren sollten? Glaubt sie, dass die Zugehörigkeit zu einer Gruppe die Rechte definiert, die jemand hat?“, schreibt die Journalistin Malin Lernfelt.

Damit geht Post auch nicht mit ihrer Partei konform, die sich gegen Kinder- und Zwangsehen einsetzt. Schwedische Medien fragen nun, ob Post wirklich als Feministin oder doch vielmehr als Romni kandidierte.


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