Die Regeln sind einfach. Der Letzte fliegt raus. Wer gewinnt, darf wieder singen. Und wer mehr Geld als Talent hat, darf immer singen! Nur deshalb ist Deutschland dabei. Von Mely Kiyak
Mely Kiyak ist freie Autorin.
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Nüsschen und Flips in Holzschalen umgeschüttet? Es ist so weit! Ein jährlich immer wieder hübsch anzusehendes Spektakel findet statt. Wo sonst kann man in so kurzer Zeit so viele Sänger so unmittelbar akustisch und ästhetisch miteinander vergleichen? Das Regelwerk klingt simpel. Ein Lied darf nicht länger als drei Minuten dauern und mit höchstens sechs Menschen aufgeführt werden. Verboten sind politische Botschaften wie auch Verhunzungen, die gezielt dem Wettbewerbsimage schaden. Ungewollte Verhunzungen durch katastrophale Auftritte hingegen sind erlaubt - der Abend lebt von solchen Momenten.
Wer den Geschmack der europäischen Nachbarn am wenigsten trifft, muss für ein Jahr aussetzen. Das wird üblicherweise dafür genutzt, den für die Blamage verantwortlich gemachten Komponisten, Interpreten und Regisseur zu zerfleischen, ein neues Starlet aufzubauen, mit ihr singen zu üben und die Schmach des Vorjahrs zu verdrängen. Welch harmonischer Dreiklang, denkt sich der Sportsfreund, didaktisch, fair und demokratisch. Doch muss korrigierend eine, ja, vielleicht die wichtigste Regel ergänzt werden: Wer gewinnt, darf wieder singen, und wer mehr Geld als Talent hat, darf immer singen!
Für Deutschland bedeutet das, niemals ausgeschlossen zu werden. Dank dieser Krücke durfte auch schon nahezu jede Sirene von der nächsten Litfaßsäule trällern. Gewonnen wurde von 55 Wettbewerben nur einer. Sechsmal gab es den allerletzten Platz. Es gab Jahre, da verlor unsere Nation mit null Punkten.
Deutschland hat zwar keinen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat, macht dies jedoch mit einem ständigen Sitz auf der großen Bühne des europäischen Liederabends wett. Gemeinsam mit Spanien, Frankreich und Großbritannien zählt es zu den großen vier Geldgebern in der Europäischen Rundfunkunion, die den Musikwettbewerb veranstaltet. Der Beschluss lautet, da diese vier Nationen am meisten einzahlen, dürfen sie die Regeln ungeniert, panisch und hemmungslos, je nach Abstimmungssituation und Talentlage ändern.
Alle Finalisten des Eurovision Song Contest
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Alle Finalisten des Eurovision Song Contest
... Eva Rivas aus Armenien ...
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... Safura aus Aserbaidschan ...
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... Chanee and N'evergreen aus Dänemark ...
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... Niamh Kavanagh aus Irland ...
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... Harel Skaat aus Israel ...
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... Paula Seling & Ovi aus Rumänien ...
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... Manga aus der Türkei ...
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... Alyosha aus der Ukraine ...
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... und Jon Lilygreen aus Zpyern.
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Bereits am Dienstagabend haben sich qualifiziert: Sunstroke Project & Olia Tira aus Moldawien...
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Ebenfalls am Samstag mit dabei sind Juliana Pasha aus Albanien...
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... Tom Dice aus Belgien ...
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... Vukasin Brajic aus Bosnien-Herzegowina ...
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... Giorgos Alkaios und seine Freunde aus Griechenland ...
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... Hera Björk aus Island ...
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... Filipa Azevedo aus Portugal ...
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... Peter Nalitsch und Freunde aus Russland ...
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... Milan Stankovic aus Serbien ...
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... und die Gruppe 3 +2 aus Weißrussland.
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Deutschlands Hoffnungsträgerin Lena musste nicht im Halbfinale antreten. Sie war genauso für das Finale gesetzt wie ...
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... der spanische Kandidat Daniel Diges ...
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... Jessy Matador aus Frankreich ...
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... Josh Dubovie aus Großbritannien ...
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... und Didrik Solli-Tangen aus dem Gastgeberland Norwegen.
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Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Vorjahressieger Norwegen sind gesetzt. Zwanzig weitere ESC-Finalisten haben sich qualifiziert. Am Donnerstag schafften das Sofia Nizharadze aus Georgien ...
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Gewinner in der Grand-Prix-Geschichte
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Gewinner in der Grand-Prix-Geschichte
1965: France Gall siegt für Luxemburg mit "Poupee De Cire, Poupee De Son"
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1966: Udo Jürgens für Österreich mit "Merci Cherie".
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Vicky Leandros versucht ihr Grand-Prix-Glück mehrmals: 1972 gewinnt sie für Luxemburg mit dem Lied "Apres Toi".
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1974: Abba für Schweden mit "Waterloo".
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1982: Die bislang einzige Gewinnerin aus Deutschland: Nicole mit "Ein bisschen Frieden".
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1998: Israel wird vertreten von Dana International, die den Sieg mit "Diva" davonträgt.
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2000: Olsen Brothers für Dänemark mit "Fly On The Wings Of Love".
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2003: Sertab Erener für die Türkei mit "Everyway That I Can".
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2004: Ruslana für die Ukraine mit "Wild Dances".
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2006: Finnland lässt sich von Lordi vertreten, die mit "Hard Rock Hallelujah" gewinnen.
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2007: Marija Serifovic holt den Sieg mit "Molitva" nach Serbien.
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2009 : Alexander Rybak für Norwegen mit "Fairytale".
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Lena Meyer-Landrut kann's nicht fassen: Erster Platz in Oslo beim Grand Prix 2010.
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Die erste Gewinnerin der Grand-Prix-Geschichte: Lys Assia holte 1956 für die Schweiz den ersten Platz mit dem Titel "Refrain".
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Schwul-lesbischer Grand Prix
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Schwul-lesbischer Grand Prix
Peter Andersen alias "D.Q": Eine Drag Queen sang 2007 für Dänemark.
Show für lesbische Fans: die Serbin Marija Serifovic siegte 2007.
Greller Schick: Verka Serduchka glänzte 2007 für die Ukraine.
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2010: Der Schweizer Michael von der Heide probt in Oslo fürs Finale.
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Ikone der schwulen Fans: Dana International siegte 1998 für Israel. Wenn Schlagerstars aus ganz Europa um die Wette singen, jubeln ihnen viele schwule und lesbische Fans aus dem Publikum zu. Warum gerade sie das Spektakel so lieben, ist auch den angebeteten Gesangsstars kaum erklärlich.
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Es ist kein vernünftiges Argument, sondern nur eine peinliche Erklärung. Nach diesem Prinzip könnte man auch festlegen, dass diejenigen Fußballmannschaften, aus deren Ländern die am höchsten dotierten Werbeverträge stammen und die also dem Weltfußballverband Fifa seine finanziellen Mittel sichern, a priori für das WM-Finale qualifiziert sind.
Die auf Finanzkraft beruhende Wettbewerbsmentalität ist ähnlich schräg gedacht, wie mit Roger Cicero, Grazia oder den No Angels auch nur eine Banane gewinnen zu wollen. Diese Barden haben uns in den vergangenen Jahren auf die letzten Plätze gesungen. Würden für Deutschland die gleichen Regeln gelten wie für normalsterbliche Staaten, dürfte nicht fünf Jahre am Stück eine Goldkehle tirilieren. So steht Lena Meyer-Landruts Auftritt unter dem gnädigen Schirm des Pinkepinke-statt-douze-points-Prinzips.
Und dennoch, als Schlussakkord soll eine andere große deutsche Hoffnung zitiert werden, die uns 2004 in den wohligen Mantel der mittleren Platzierung hüllte, indem sie Töne aus jeder verfügbaren Pore herausquetschte. Max Mutzke fleischwolfte Silbe für Silbe aus sich heraus, was wieder gelten soll, "Can´t wait until tonight, Baby".
Am Mikrofon heute kommentierte für Sie, Ihre Mely Kiyak.
Mely Kiyak ist freie Autorin.