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Kommentar zur IG Metall: Experiment

Die Umbaumaßnahmen Deutschlands größter Gewerkschaft sind vernünftig: Eine breitere Basis, die notfalls mit Streiks viel Druck aufbauen kann, eine breite Aufstellung, die für ein gutes Image sorgen kann. Doch ob die IG Metall dadurch auch politisch schlagkräftiger wird, muss sie erst noch beweisen.

Es ist durchaus vernünftig, wenn die IG Metall ihre Basis stärken und mehr tun will, um neue Anhänger zu gewinnen und Mitglieder zu halten. Eine Gewerkschaft ist mächtiger, wenn sie viele Mitglieder hat, die hinter ihren Forderungen stehen und notfalls dafür streiken. Und: Wenn die IG Metall nicht nur unter Facharbeitern beliebt ist, sondern auch viele Ingenieure, Bürokräfte und Leiharbeiter gewinnen kann, dann verändert sich ihre Politik. Dann kann sie sich nicht auf ihre klassische Klientel konzentrieren, sondern muss sich breiter aufstellen. Sie muss sich auch um verträgliche Arbeitszeiten für Forscher kümmern oder um anständige Löhne für prekär Beschäftigte. Das ist gut fürs Image, denn die Gewerkschaft wird dann als Organisation wahrgenommen, die gute Lösungen für ganz unterschiedliche Gruppen von Beschäftigten sucht. Und ein gutes Image ist wichtig: Wer ist schon gern Mitglied in einer Organisation, die einen schlechten Ruf hat?

Allerdings wird die IG Metall nicht allein für gute Arbeitsbedingungen sorgen können. Die hängen auch davon ab, was die Politik tut. Die Hartz-Reformen haben den Druck auf die Menschen erhöht, jede Arbeit anzunehmen. Und die Liberalisierung der Leiharbeit hat zu einem Boom von schlecht bezahlten und unsicheren Zeitarbeitsjobs geführt. Aufgabe der größten deutschen Gewerkschaft ist es auch, auf der politischen Ebene für vernünftige Regeln auf dem Arbeitsmarkt zu kämpfen. Das ist vor allem der Job des Vorstands. Ob die IG Metall mit ihrer verkleinerten und umgebauten Zentrale politisch schlagkräftiger sein kann, muss sie erst noch beweisen.

Autor:  Eva Roth
Datum:  19 | 11 | 2010
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