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"Mainz bleibt Mainz": Schmachtbarden und Kokolores

Die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz “ bietet am Freitagabend im TV eine solide Mischung aus Politik, Musik und Tanz - ohne durchschlagende Überraschungen.

        

Hans-Peter Betz  erfreut  als „Guddi Gutenberg“  mit seinen   bissigen Betrachtungen.
Hans-Peter Betz erfreut als „Guddi Gutenberg“ mit seinen bissigen Betrachtungen.
Foto: Emily Wabitsch

Sie haben einen verdammt einsamen Job da oben, Anna und Johannes, die jeweils Ersten. In luftiger Höhe wohnt das Prinzenpaar der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht“ von ihrer eigens für sie gebauten Ehrenloge aus bei. Sie sitzen, winken und freuen sich, sehen aber auch ein bisschen aus wie bestellt und nicht abgeholt. So hoch über dem närrischen Saaltreiben im Schloss. „Das muss sich ändern“, befindet deshalb auch Ranzen-Generalfeldmarschall Johannes Gerster. Ja, heute Abend sollte man den beiden doch wenigstens zwei Adjutanten zur Seite setzen. Zu viert wird die Sitzung bestimmt dann auch da droben lustiger.

Eine runde, solide Fernsehsitzung ohne durchschlagende Überraschungen zeigten Mainzer Carneval-Verein (MCV), Karneval-Club Kastel (KCK), Mainzer Carneval-Club (MCC) und Gonsenheimer Carneval-Verein (GCV) bei ihrer traditionellen Generalprobe am Mittwochabend. In diesem Jahr fand die Veranstaltung unter der Regie des ZDF statt. Heute, 20.15 Uhr, wird's dann ernst mit dem Spaß fürs Millionenpublikum.

Herausragend: Friedrich Hofmann als „Till“, Jürgen Dietz als „Bote vom Bundestag“, aber auch Sitzungspräsident Hans-Peter Betz als „Guddi Gutenberg“ sezieren scharfzüngig die Politik und das Jahr. Wenn auch mancher Redebeitrag mit bis zu 20 Minuten etwas lang gerät. Damit ist die politisch-literarische Fassenacht aber auch schon abgedeckt. Der Rest beläuft sich auf republikweit verständlichen Kokolores. Absolut fernsehgerechter Hingucker: Die Showtanztruppe „Fantasy“ des TSV Schott sowie das Füsiliergardeballett. Nachwuchsredner Johannes Bersch hat ein bisschen Anlaufprobleme, kommt erst richtig in Fahrt, als seine „i-Bütt“ geliefert wird. Originell: Jürgen Wiesmann, der als „Familienoberhaupt“ daherkommt, und Schlussredner Hans Joachim Greb als Italienurlauber.

Ob sich allerdings dieser Norbert-Roth-Fuchtel-Stil nicht langsam überlebt hat, sei mal dahin gestellt. Wenn es öffentlich-rechtlicher Wille ist, dass zu vorgerückter Stund mehr oder weniger gut gekalauert wird, dann muss das wohl so sein. Experte Gerster: „Da hätte der Obermessdiener hingehört.“

Mit Hildegard Bachmann als alternde Dicke und Singsang-Nachtwächter Adi Guckelsberger servieren die beiden populärsten Mainzer Doppelkinne köstlichen Kokolores: So dämlich, dass er schon wieder kultig ist. Eine spritzige Show bietet die „Ehrengarde“ aus den Schnorreswacklern des GCV als bunte Persiflage auf das Gardewesen. Rockig und balladesk präsentiert sich Schmachtbarde Thomas Neger mit Julia Mathes und den Humbas, während die Spaßmacher Company eher swingend daherkommt und Stefan Persch soliden Stimmungsgesang abgibt. Akustische Schwächen gibt es bei den unverzichtbaren Hofsängern kurz vor dem Finale. Man versteht sie schlecht, schade um ihre Texte. Wucht und Kraft des Chors „killen“ immer wieder die Solistenstimmen. Ein gelungener Querschnitt durch den Mainzer Frohsinn.

Autor:  Jochen Dietz
Datum:  17 | 2 | 2012
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