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Eschborn: Zum Feiern in den Keller

Zum 20. Mal stürmen die Narren aus dem östlichen Main-Taunus-Kreis die Polizeistation in Eschborn. "Was soll da draußen das Gejohle?/ Bei der Polizei ist nichts zu hole", war der letzte hilflose Versuch vom Leiter der Polizeistation, Karl-Erhard Spengler.

        

Mehr als 250 Karnevalisten drängten sich in die Polizeistation.
Mehr als 250 Karnevalisten drängten sich in die Polizeistation.
Foto: Schick

Der Widerstand war kurz und zwecklos. „Was soll da draußen das Gejohle?/ Bei der Polizei ist nichts zu hole“, war der letzte hilflose Versuch von Karl-Erhard Spengler. Doch dann fügte sich der Leiter der Polizeistation Eschborn auch schon in sein Schicksal.

Angeführt von den Rathauschefs Wilhelm Speckhardt (CDU, Eschborn), Christiane Augsburger (SPD, Schwalbach) und Renate Wolf (SPD, Sulzbach) drängten mehr als 250 Karnevalisten aus dem östlichen Main-Taunus-Kreis in die Räume an der Hauptstraße und forderten ihr Gewohnheitsrecht auf eine Fastnachts-Freitag-Party ein. Die stieg dann auch wie gewohnt im aufwendig geschmückten Keller. „Aber nur mit antialkoholischen Getränken“, wie Norbert Schuh versicherte.

Umzug und Alkohol

Beim Eschborner Fastnachtsumzug wollen Stadt und Polizei heute gemeinsam Alkoholexzesse bei Kindern und Jugendlichen verhindern. So sind Beamte von Stadt und Landespolizei unterwegs, um hochprozentigen Alkohol bei Minderjährigen sicherzustellen. Der werde sichergestellt oder gleich weggeschüttet, teilt die Stadt mit.
Die Main-Taunus-Scouts, junge Leute zwischen 19 und 23 Jahren, werden Gleichaltrige ansprechen und versuchen, diese mit Quizkarten und kleinen Geschenken zu einem bewussteren
Umgang mit Alkohol zu motivieren. Schüler der Heinrich-von-Kleist-Schule bieten derweil alkoholfreie Alternativgetränke an.
An der Shell-Tankstelle in Niederhöchstadt, in den Vorjahren ein neuralgischer Punkt, wird das Angebot an alkoholischen Getränken vor, während und nach dem Umzug eingeschränkt. Darauf haben sich Stadt und Polizei mit dem Tankstellenpächter geeinigt.
Der Fastnachtsumzug beginnt heute um 13.11 Uhr in der Straße „In den Weingärten“. In der Zeit von 12 bis 17 Uhr werden die Weidfeldstraße, die Mühlstraße, die Georg-Büchner-Straße, die Hauptstraße bis zur Einmündung Oberortstraße, die Unterortstraße und die Kurt-Schumacher-Straße bis zur Einmündung der Straße „Am Stadtpfad“ voll gesperrt.

Der ehemalige Eschborner Polizeichef hilft den Kollegen immer noch in jedem Jahr, den Narrenansturm zu bewältigen. Ausgeheckt hatten ihn vor exakt 20 Jahren sein Stellvertreter Volker Simon, Vertreter des Kappen-Clubs Niederhöchstadt (KCN), und der frühere Bürgermeister Martin Herkströter. „Das war eine Schnapsidee zu später Stunde“, erinnert sich Norbert Schuh. Inzwischen hat sie sich zu so etwas wie einem gesellschaftlichen Ereignis entwickelt, zu dem gestern auch die Landtagsabgeordnete Nancy Faeser – verkleidet mit Cowgirlhut und Spielzeugpistole – angereist war.

Ein bisschen Politik gab es dann auch während der Ansprachen, als Walter Mirwald, Präsident der Karnevalisten der TSG Sulzbach, den gerade erst erfolgten Rücktritt seines „Amtskollegen“ Christian Wulff in ein paar launigen Versen verarbeitete. „Wenn ich mich am Badestrand geaalt/ hab’ ich die Reise selbst bezahlt“, rief er dem scheidenden Bundespräsidenten nach.

Doch ansonsten war verkleideten und uniformierten Narren vor allem nach Feiern zumute. Aus Anlass des Jubiläums wurden reichlich Orden verteilt. Martin Herkströter und andere Karnevalisten der ersten Stunde wurden ebenso bedacht wie Karl-Erhard Spengler, der seine letzte Erstürmung als Stationsleiter erlebte. Im Oktober geht er in Pension.

Doch den Narrensturm werde er sich auch in den kommenden Jahren nicht entgehen lassen. „Dann wechsele ich in die aktive Schmückgruppe“, kündigte Spengler an. Dafür gab’s dann außer dem obligatorischen dreifachen Helau noch einen Sonderorden am Gold-Band.

Autor:  Torsten Weigelt
Datum:  18 | 2 | 2012
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