Kamellenalarm, Konfettiregen und bitterböse Karikaturen: Mainzer Narren haben am Rosenmontag bei meist strahlendem Sonnenschein die Stadt in ein fröhliches Schunkelparadies verwandelt. „Ich freue mich mehr auf den Rosenmontagszug als auf Weihnachten. Das ist das Highlight des Jahres“, sagt die 25-jährige Manuela im Geisha-Kostüm. Mit knapp 150 Zugnummern rollte der Rosenmontagszug durch die Straßen, bejubelt von schätzungsweise einer halben Million Besuchern. Auch in Trier und Koblenz feierten Narren und Jecken bei Umzügen den Höhepunkt der Straßenfastnacht.
Prominente schunkelten in Mainz unter anderem auf der Tribüne vor dem Staatstheater, darunter der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Er war gemeinsam mit Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) und dem SPD-Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in Mainz, Michael Ebling, als Musketier verkleidet.
Bei den 9500 Zugteilnehmern unter dem Motto „Dem Zeitgeist närrisch auf der Spur - mit Mainzer Fassenachtskultur“ marschierte auch die CDU-Landeschefin Julia Klöckner mit. Sie konnte ihre Bundesvorsitzende im Tanga beim Kopfstand sehen: Ein Motivwagen zeigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit runtergerutschter Hose und geplatztem Blazer. Vor ihr lagen abgerissene Knöpfe mit den Aufschriften „Atomausstieg“, „Hauptschule“ und „Mindestlöhne“, oben prangte das Wort „Kehrtwende“.
Wulff als k.o.-geschlagener Boxer dargestellt
Der Wagen von Ex-Bundespräsident Christian Wulff musste noch kurz vor knapp geändert werden. Nach seinem Rücktritt wurde aus dem angeschlagenen ein k.o.-geschlagener Boxer.
FDP-Chef Philipp Rösler fuhr auch im Zug mit - als Figur. Traurig schaute er aus seiner übergroßen „toten Hose“ unter einem Pleitegeier. Auf einem anderen Motivwagen schossen Mitarbeiter von Rating-Agenturen mit Steinschleudern auf den Euro. Selbst die rechtsextremistische Mordserie und die Diskussion um ein mögliches Versagen der Sicherheitsbehörden waren Thema in der närrischen Kolonne: Drei V-Leute mit Sonnenbrillen standen neben einer Döner-Bude. Dazu hieß es: „Nichts hören, sagen, sehen? Man kann es nicht verstehen!“
Am Straßenrand feierte der 43 Jahre alte Sven als Schneewittchen mit: „Die Stimmung ist super. Der Umzug bedeutet für mich Spaß, Freude und als gebürtiger Mainzer auch Tradition.“ Im Schlepptau hatte er die böse Stiefmutter und fünf Zwerge, zwei seien wegen Krankheit ausgefallen. An der kleinen Feiertruppe zog unter anderem eine ganze Horde Wikinger mit nacktem Oberkörper vorbei. Wenige Meter weiter stand Alexandra Hartmann, 47, im Kuhkostüm: „Der Umzug ist seit der Kindheit Pflichtprogramm. Auch die Kinder haben Fastnachtsblut. Hinterher gehen wir immer zu meinen Eltern und essen Kreppel.“ (dpa)
Prunksitzungen, Umzüge, Bälle - die Narren feiern Fastnacht, Fassenacht, Fasching und Karneval.

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