kalaydo.de Anzeigen

Fastnacht: Domina der Eurobondage

Die Krätscher auf der Bühne im Saalbau Ronneburg.
Die Krätscher auf der Bühne im Saalbau Ronneburg.
Foto: FR

Ob die Schnauzer, die Schnaken oder die Krätscher, Fastnacht ist in Frankfurt angekommen. Wie es war und was die Fassenachtsvereine bei ihren Prunksitzungen zu bieten haben, die Antwort hat Daria.

Der rote Faden kam in Rot-Weiß-Gold, den Wappenfarben Frankfurts. Er zog sich durch alle der rund zehn Prunksitzungen am Samstag. Für das Frankfurter Prinzenpaar Ingrid II. und Marcus I. war es wahrlich eine harte Nacht – mussten sie doch in ihren rot-weiß-goldenen Kostümen von einer Veranstaltung zur anderen tingeln, um Orden entgegenzunehmen, Hände zu schütteln, Küsschen einzuheimsen, kräftig zu grinsen und anzustoßen.

Inthronisation des Frankfurter Prinzenpaars

Bildergalerie ( 52 Bilder )

Für die Karnevalsvereine der jeweiligen Stadtteile war dies eine organisatorische Herausforderung – denn man weiß nie so genau, wann das Prinzenpaar bei welcher Sitzung eintrudelt und so musste oft das restliche Programm nach hinten geschoben werden. So auch bei der Prunksitzung des FCV Die Schnauzer in Rödelheim. „Dass sie gerade vor unserem Auftritt kommen müssen“, klagte Stefanie Himmler vom Polkaduo. So mussten die beiden Mädchen, fesch kostümiert und aufs Glanzvollste geschminkt, aufgeregt warten, bis das strahlende Prinzenpaar ihre Orden und Küsschen entgegengenommen hat. Die Bühne im Saalbau Schönhof war offenbar ein wenig zu klein für die tolle Choreographie des Polkaduos – so flog eines der Mädchen bei einem akrobatischen Tanzschritt in den Vorhang.

Wulff und Guttenberg als Themengeber

Da hatte Protokollant Ralf Sommerlad mehr Komfort, konnte er sich noch vor dem Einzug des Prinzenpaares in der Bütt redekräftig über Wulff, Guttenberg und die Finanzmärkte auslassen, für Helmut Schmidt als Kanzlerkandidaten plädieren und dem Publikum die „Domina der Eurobondage“ vorstellen. Die Organisation des Abends oblag zum ersten Mal ganz dem Präsidenten-Azubi Patrick Krösche.

        

Bei den Schnauzern auf der Bühne.
Bei den Schnauzern auf der Bühne.
Foto: Chris Hartung

Dass die Musikeinspielungen und insbesondere das finale „duff-dää“ nie kommen, wenn man sie braucht, ist beinahe schon Brauch bei Karnevalsveranstaltungen. Das brachte den Schnauzern wie den Schnaken ungewollte Redepausen ein.

„Wir bitten die Kapelle um Auszug“ hieß es beschönigend bei den Schnaken – die so genannte Kapelle war aber wie üblich ein Alleinunterhalter, der auch hier oft genug seinen Einsatz verpasste.

„Biotonne“ in Sachsenhausen

Der Sachsenhäuser Karnevalsverein 1947 machte bei seiner Prunksitzung im Südbahnhof Stimmung. Während sich vor der Saaltür kleine Tiger dehnend räkelten – die Mädchentanzgruppe der Little Tigers – wurden drinnen beim Einmarsch Blumensträuße in die Menge geworfen. Und die sogenannte „Stimmungsmusik“ sorgte tatsächlich für selbige. Vielleicht lag es auch daran, dass die Halle des Saalbau Südbahnhof laut Schriftführer Heinz Wolfgang Roser „dank der Werbetrommel noch nie so voll“ war. Überdies waren erstaunlich viele kleine und junge Mädchen auf der Bühne, die ihre Tänze vorführten. Ebenso gehören Solotänze zu jeder Prunksitzung, wie Ministerpräsident Uwe Saalbach verlautete. „Nicht schon wieder“, raunte es aus dem Publikum. Doch Solotänze wie der Musicaltanz aus „Der Glöckner von Notre-Dame“ inklusive authentischer Playback-Performance der Protagonistin, fesselten dann doch.

Fernsehreifer Auftritt von Trutsche und Schnutsche

Neben den vielen kleinen Tänzerinnen standen in Sachsenhausen Büttenreden im Vordergrund, die mitten aus dem Leben gegriffen waren. Peter Müller zum Beispiel erzählte von seiner Leidenschaft für Bohnensuppe – und die Folgen daraus, wenn er danach „in de Kesch“ geht und seine Böhnchen nicht mehr zurückhalten kann. Fernsehreif war der Auftritt von Trutsche und Schnutsche aus Mainz.

Narrenkalender für Frankfurt

Bildergalerie ( 135 Bilder )

Zwei Männer, die als ältere Frauen verkleidet daherkamen, führten ein amüsantes Zwiegespräch über Schmerz und Seelenleid der alten Damen mit üppigen Beschimpfungen, ollen Kalauern und neumodernen Witzen („Wie nennt man eine übergewichtige Vegetarierin? Eine Biotonne!“). Und das alles in bestem Dialekt – so muss Karneval sein!

„Sie ist halt schick und ich mach einen auf Macho“

Die Redner der Gala- und Kostümsitzung der Krätscher im Eckenheimer Saalbau Ronneburg waren unterdessen meist weiblich und jung, mithin sehr jung. Die Jüngsten in der Bütt“ sind hier zehn und elf Jahre alt: Melissa Bargon und Melina Lehmann besuchten die Rednerschule Karl Oertls im Nordwestzentrum – wie übrigens die meisten Redner, sogar der Vereinsvorsitzende Günter Petzschner selbst. „Sie ist halt schick und ich mach einen auf Macho“, sagte Melissa ganz cool über die Rollenverteilung der beiden. Melissa hat ja auch Erfahrung: sie stand sogar schon als Solorednerin auf der Bühne. Überhaupt durften alle Aktiven des kleinen Vereins bei der Galasitzung auf die Bühne. „Von etwa hundert Mitgliedern sind sechzig aktiv, nur 25 davon Erwachsene – da können Sie sich vorstellen, wie viel Arbeit dahinter steckt“, erklärte Harald Schick, der zweite Vorsitzende der Krätscher, mit Blick auf die opulente Luftballon-Dekoration des Saals. Achtzig Prozent des Programms wurden tatsächlich vom Verein selbst gestaltet – als einer der kleinen Vereine müssen sie sich Mühe geben .

Nur Wasser im Sektglas

Und das Prinzenpaar, das mit seinem Hofstaat im Autokonvoi von einer Sitzung zur anderen fährt? Das müsste doch inzwischen, nach all den Empfängen, angeheitert sein, oder? Mitnichten! Laut Harald Schick kamen vom Hofmarschall klare Anweisungen per Rundmail: in den Sektgläsern bitte Wasser! „Das sind Karnevalisten“, so Schick, „die nehmen ihre Sache ernst.“

Autor:  Daria Eva Stanco
Datum:  13 | 2 | 2012
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Fastnacht in Rhein-Main
Migrantenverbände kritisieren offen die Personalpolitik des Hessischen Rundfunks
Umstrittene Büttenrede 
Der Umzug ist vorbei. Doch kein Grund zu trauern. Denn nächstes Jahr heißt es wieder Klaa Paris!
Fastnachtsumzug in Heddernheim 
Die Narren sind los!
Fastnachtszug in Jügesheim 
Regionale Startseite

Anzeige


Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

Spezial
Wer zieht im März in den Römer ein?

Wer folgt Petra Roth? Mitte März wählt Frankfurt einen neuen OB. Alles über die Kandidaten im Spezial.

OB-Wahl in Frankfurt
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Machtkampf nach OB-Wahl in Frankfurt 
        

Zählt die Tage bis zum Amtsantritt: Peter Feldmann.
Neuer Oberbürgermeister Frankfurt 
Der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bringt ein neues Team mit.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Prinz Asfa-Wossen Asserate.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 

Anzeige

 
Spezial

Mit gutem Gewissen investieren und gleichzeitig Geld verdienen? Die FR schaut, wie erfolgreich Firmen und Fonds dabei sind.

Anzeige

Spezial
Frankfurter Nationalgericht: Grüne Soße mit Ei

Frankfurt - was bietet die Stadt am Main außer Apfelwein, Bankentürme und Grüne Soße eigentlich noch?

Anzeige