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Frankfurter Fastnacht: Da fängt der Spaß an

Ein-Mann-Kapellen, derbe Witze und das lange Warten auf das Prinzenpaar: Unsere Mitarbeiterin sammelt Eindrücke beim Frankfurter Karneval.

Das Frankfurter Prinzenpaar Marcus I. und Ingrid II.
Das Frankfurter Prinzenpaar Marcus I. und Ingrid II.
Foto: Boeckheler

Für das Frankfurter Prinzenpaar war es wahrlich eine harte Nacht – mussten sie doch in ihren rot-weiß-goldenen Kostümen von einer Veranstaltung zur anderen tingeln, um Orden entgegenzunehmen, Hände zu schütteln, Küsschen einzuheimsen, kräftig zu grinsen und anzustoßen.

Für die Karnevalsvereine der jeweiligen Stadtvereine war dies eine organisatorische Herausforderung – denn man weiß nie so genau, wann das Prinzenpaar bei welcher Sitzung eintrudelt und so musste oft das restliche Programm nach hinten geschoben werden.

So auch bei der Prunksitzung des FCV Die Schnauzer in Rödelheim. „Dass sie gerade vor unserem Auftritt kommen müssen“, klagte Stefanie Himmler vom Polkaduo. So mussten die beiden Mädchen, fesch kostümiert und geschminkt, aufgeregt warten, bis das strahlende Prinzenpaar ihre Orden und Küsschen entgegengenommen hat.

Die Bühne im Saalbau Schönhof war offenbar ein wenig zu klein für die tolle Choreographie des Polkaduos – so flog eines der Mädchen bei einem akrobatischen Tanzschritt in den Vorhang.

Inthronisation des Frankfurter Prinzenpaars

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Ein-Mann-Kapelle

Da hatte Protokollant Ralf Sommerlad mehr Komfort, konnte er sich noch vor dem Einzug des Prinzenpaares in der Bütt’ redekräftig über Wulff, Guttenberg und die Finanzmärkte auslassen, für Helmut Schmidt als Kanzlerkandidaten plädieren und dem Publikum die „Domina der Eurobondage“ vorstellen. Die Organisation des Abends oblag zum ersten Mal ganz dem Präsidenten-Azubi Patrick Krösche.

Dass die Musikeinspielungen und insbesondere das finale „duff-dää“ nie kommen, wenn man sie braucht, ist beinahe schon Brauch bei Karnevalsveranstaltungen. Das brachte den Schnauzern wie den Schnaken ungewollte Redepausen ein.

„Wir bitten die Kapelle um Auszug“ hieß es beschönigend bei den Schnaken – die so genannte Kapelle war wie üblich ein Alleinunterhalter, der auch hier oft genug seinen Einsatz verpasste. Der Sachsenhausener Karnevalsverein machte bei seiner Prunksitzung im Südbahnhof Stimmung.

Während sich vor der Saaltür kleine Tiger dehnend räkelten – die Mädchentanzgruppe der Little Tigers – wurden drinnen beim Einmarsch Blumensträuße in die Menge geworfen. Und die sogenannte „Stimmungsmusik“ sorgte tatsächlich für selbige.

Vielleicht lag es auch daran, dass die Halle des Saalbau Südbahnhof laut Schriftführer Heinz Wolfgang Roser „dank der Werbetrommel noch nie so voll“ war. Überdies waren erstaunlich viele kleine und junge Mädchen auf der Bühne, die ihre Tänze vorführten.
Neben den vielen kleinen Tänzerinnen standen hier Büttenreden im Vordergrund, die aus dem Leben gegriffen waren. Peter Müller zum Beispiel erzählte von seiner Leidenschaft für Bohnensuppe – und die Folgen daraus, wenn er danach „in de Kesch“ geht und seine Böhnchen nicht mehr zurückhalten kann.

Das Prinzenpaar muss Wasser trinken

Fernsehreif war der Auftritt von Trutsche und Schnutsche aus Mainz. Zwei Männer, die als ältere Frauen verkleidet daherkamen, führten ein amüsantes Zwiegespräch über Schmerz und Seelenleid der alten Damen mit üppigen Beschimpfungen, ollen Kalauern und neumodernen Witzen („Wie nennt man eine übergewichtige Vegetarierin? Eine Biotonne!“). Und das alles in bestem Dialek. So muss Karneval sein!

Die Redner der Gala- und Kostümsitzung der Krätscher im Eckenheimer Saalbau Ronneburg waren unterdessen meist weiblich und jung, mithin sehr jung. Die Jüngsten in der Bütt’ sind hier zehn und elf Jahre alt: Melissa Bargon und Melina Lehmann besuchten die Rednerschule Karl Oertls im Nordwestzentrum – wie übrigens die meisten Redner, sogar der Vereinsvorsitzende Günter Petzschner selbst.

"Sie ist halt schick und ich mach einen auf Macho“, sagte Melissa ganz cool über die Rollenverteilung der beiden. Melissa hat ja auch schon etwas Erfahrung: sie stand sogar schon als Solorednerin auf der Bühne.

Überhaupt durften alle Aktiven des kleinen Vereins bei der Galasitzung auf die Bühne. Achtzig Prozent des Programms wurden vom Verein selbst gestaltet – als einer der kleinen Vereine müssen sie sich Mühe geben und das merkt man. Nicht ohne Grund füllten sie eine recht große Halle mit Menschen und mit Stimmung. Die Schlagersängerin Silvia Martens sorgte mit den typischen Partyschlagern für letzteres.

Und das Prinzenpaar, das mit seinem Hofstaat im Auto-Convoy von einer Sitzung zur anderen fährt? Das müsste doch inzwischen, nach all den Prunk-Empfängen, gehörig angeheitert sein, oder? Mitnichten! Laut Harald Schick kamen vom Hofmarschall klare Anweisungen per Rundmail: in den Sektgläsern bitte nur Wasser! „Das sind Karnevalisten“, betont Schick, „die nehmen ihre Sache ernst.“

Autor:  Daria Eva Stanco
Datum:  12 | 2 | 2012
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