Auch die Mutter aller Fernsehsitzungen bewegt sich. „Eine Bühne mit Bütt und Redner drin reicht nicht mehr. Wir schaffen Szenerien“, sagt Peter Walscheid, verantwortlicher Redakteur für „Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht“ bei der Vorstellung des Programms.
Am Freitag, 17. Februar, ist die Sitzung im Zweiten Deutschen Fernsehen zu sehen. Jährlich wechseln sich Südwestrundfunk und ZDF bei der Liveübertragung der Gemeinschaftssitzung von Mainzer Carneval-Verein (MCV), Mainzer Carneval-Club (MCC), Karneval-Club Kastel (KCK) und Gonsenheimer Carneval-Verein (GCV) aus dem Kurfürstlichen Schloss ab.
Das aktuelle Programm unter Leitung von Sitzungspräsident Hans-Peter Betz (GCV) setzt auf Tradition und Moderne. Walscheid und Regisseur Pit Weyrich waren auf den Sitzungen der teilnehmenden Vereine, um Kandidaten zu „sichten“. Wie kommt Mainzer Fastnacht so rüber, dass sie auch zwischen Rostock und Berchtesgaden verstanden und für lustig befunden wird? Das sei stets die zentrale Frage für die Fernsehmacher.
„Nicht zu starken Dialekt und nicht zu viel Lokalkolorit“, so Walscheid. Die Vereine hätten es ihnen „nicht leicht gemacht“. Man habe sehr mit sich gerungen. Am schwersten sei ihm gefallen, „Obermessdiener“ Andreas Schmitt außen vor zu lassen.
Sechs Millionen Zuschauer
„Mehr als 80 Prozent der Zuschauer haben mit Karneval nichts am Hut. Sie wollen nur gut unterhalten werden“, gibt er zu bedenken. Mit sechs Millionen Zuschauern rechnet der Sender.
Wie viele davon wann wegzappen oder aufs Klo gehen, wissen die Mainzelmännchen ganz genau. So werde es bei längeren Musikdarbietungen schon schwierig, da breche die Quote weg. Deshalb seien stets „Umsteigepunkte“ dramaturgisch ausbaldowert, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Schunkeln hier, Politisch-Literarisches dort, Kokolores, Stimmungsmusik, dann wieder Frisch-Modernes. „Die Sehgewohnheiten haben sich ja auch verändert“, erklärt der Fernsehmann.
Bei Kokolores-Beiträgen habe sich dieses Jahr sehr viel getan, die Qual der Wahl groß gewesen. Als Schlussredner habe man sich gezielt Hans-Joachim Greb, alias der Hoppes, als Italienurlauber ausgeguckt. „Da stimmen die Lautstärke der Stimme und der Inhalt zu vorgerückter Stunde“, so Walscheid.
Einerseits will man mit der Zeit gehen, andererseits die Erwartungen erfüllen, die das überregionale Publikum gerade an diese Traditions-TV-Sitzung hat. Dazu gehören unverzichtbare Kultfiguren wie der Till des MCC als „Protokoller“, Friedrich Hofmann, der „Bote vom Bundestag“, Jürgen Dietz vom MCV, Sitzungspräsident „Guddi Gutenberg“ alias Hans-Peter Betz, hübsch anzuguckende Balletts und natürlich das Finale mit den Mainzer Hofsängern.
Thomas Neger und Julia Mathes sollen kurz vor Schluss noch einmal „Wunderkerzenstimmung“ mit großem Orchester in den Saal singen, die so richtig ans Herz geht, bevor „Sassa“, „So ein Taaaag....“ & Co. von dem berühmten Chor erklingen und Saal- wie Fernsehpublikum in Glückseligkeit dahinschmelzen lassen.
Das Komitee sitzt wieder in der Mitte der Bühne. So wie es sich gehört. 2011 war die Bank des Zepterschwingers und der höheren Kappenträger an seiner Seite rechts auf der Bühne platziert. Ausnahme 2012: Es gibt eine Loge fürs Prinzenpaar Anna Marie I.und Johannes I..
Walscheid kündigt einen neuen Vorspann an, der das Publikum am Freitag um 20.15 Uhr mit einer Außenansicht und einer Kamerafahrt die Treppen hoch in den Großen Saal des Schlosses in Stimmung und ins Geschehen bringen soll. „Das wird schon eine gewisse Gänsehautstimmung erzeugen“, ist er überzeugt.
Prunksitzungen, Umzüge, Bälle - die Narren feiern Fastnacht, Fassenacht, Fasching und Karneval.

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