Auf dem Römerberg herrscht am Sonntagvormittag Ausnahmezustand. Die Touristen sind ganz aus dem Häuschen, Kameras klicken, erstaunte und freudige Rufe hallen über den Platz. Mit so etwas haben sie nicht gerechnet. Rund 500 Karnevalisten drängen sich vor dem Römer, um das diesjährige Prinzenpaar zu empfangen, das an diesem Tag der Stadt seine Aufwartung macht.
Flora aus China kann ihr Glück kaum fassen, ausgerechnet an diesem Tag in Frankfurt zu sein. Die 24-Jährige ist ganz hingerissen von den Kostümen der Karnevalisten und setzt probeweise mal eine Narrenkappe auf. Danach lässt sie sich mit einem Vereinsabgeordneten fotografieren. Der sieht aus wie Santa Claus, befindet Flora. Nur mit Orden auf der Brust. Danach stellt sie sich schnell noch zwischen drei Funkemariechen. Das sei alles sehr lustig, aber doch auch ein bisschen verrückt, fragt sie unsicher. Die Antwort wartet sie nicht ab, Hufgetrappel der beiden Pferde, die die Kutsche ziehen, in der das Prinzenpaar sitzt, lenkt sie ab und versetzt sie erneut in Euphorie.
Schon die Großmutter war aktive Karnevalistin
Es ist eine alte Tradition, dass das Prinzenpaar der Stadt Neujahrsgrüße überbringt und mit einer Pferdekutsche anreist. Die fährt vom Stoltze-Brunnen zum Römer, wo sie um 11.11 Uhr empfangen werden. „Es ist ein ganz besonderer Termin und eine große Ehre für uns“, sagt Prinzessin Ingrid II. Seit 2008 frisierte sie als „Hoffriseurin“ des Großen Rates ehrenamtlich ihre Vorgängerinnen, träumte davon, selbst einmal zu den „Tollitäten“ zu zählen. Nun hat die 49-Jährige Frankfurterin mit dem Spitznamen „Flummi“ es geschafft und beehrt gemeinsam mit Prinz Marcus I. den Römer. Der 30-Jährige ist mit der fünften Jahreszeit groß geworden, schon die Großmutter war aktive Karnevalistin.
„Unterstützung trotz nicht übervoller Kassen“
„Frankfurt lacht und Frankfurt singt – Fassenacht am Main beschwingt“, das Motto gefällt dem Prinzenpaar. So bunt und fröhlich dürfte es wohl bei keinem anderen Termin im Römer zugehen, sagt seine „Tollität“ Marcus I. Dem Prinzenpaar, dem Präsidium und den Ehrensenatoren des Großen Rates folgen Hunderte Narren ins Foyer vor dem Kaisersaal. Dort empfängt Stadtrat Markus Frank, ausgestattet mit Narrenkappe und Karnevalsorden, die Karnevalisten. Er vertritt die Oberbürgermeisterin Petra Roth, die krankheitsbedingt nicht kommen kann. Damit es ihr bald wieder gut geht, schmettern die Narren ein dreifaches Genesungs-Helau in Richtung Nieder-Erlenbach. Klaus Fischer, Präsident des Großen Rates, bedankt sich bei der Stadt für ihre „Unterstützung trotz nicht übervoller Kassen“. Auch für dieses Jahr hat die Stadt den Karnevalsvereinen wieder finanzielle Unterstützung zugesichert.
60 Auszeichnungen wurden verliehen
„Unsere Fassenacht hat Zukunft“, sagt Frank, selbst Senator im Ersten Sindlinger Karnevalsverein. Das liegt vor allem an den Ehrenamtlichen der Vereine. Die stehen beim Neujahrsempfang im Mittelpunkt. Besonders engagierte Mitglieder werden ausgezeichnet.
„Es ist beeindruckend, wie viel Mühe die Leute sich geben“, sagt Frank. „Vieles von der harten Arbeit bemerken Außenstehende gar nicht.“ Für 15 Jahre aktive Vereinsarbeit gibt es den Goldenen Frankfurter Adler. Wer 25 Jahre ehrenamtlich tätig ist, bekommt das Römerschild oder das Jokus Wappenschild, beides begehrte Zusatzorden. 60 Auszeichnungen wurden am Sonntag verliehen.
Ehrenamtliche Helfer sind sehr gefragt
Einer der Geehrten ist Gerhard Karbenbach von der Frankfurter Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß. Er ist seit über 20 Jahren im Verein tätig, kümmert sich vor allem um Organisatorisches. „Die Auszeichnung ist sicher vor allem für junge Leute ein Ansporn, sich aktiv in die Vereinsarbeit einzubringen“, sagt Karbenbach. Auch Yvonne Planz vom Karnevalsverein Bergen Enkheim 1897 hat einen goldenen Adler erhalten. Sie ist in der Jugendarbeit aktiv, leitet die Mini-Garde des Vereins. „Die Auszeichnung ist mir wichtig. Die entgegengebrachte Anerkennung tut gut und motiviert.“ Planz will weiter machen. „Irgendwann habe ich dann auch noch den Jokus und das Römerschild.“
Gerade in der Jugendarbeit sind ehrenamtliche Helfer gefragt. Denn auch in Zukunft braucht es engagierte Leute in den Vereinen. „Viele Kinder und Jugendliche interessieren sich wieder für die Karnevalsvereine“, sagt Peter Ruhr, Pressesprecher des Großen Rates. Die Auszeichnungen seien da „das Mindeste was man tun kann“.
Prunksitzungen, Umzüge, Bälle - die Narren feiern Fastnacht, Fassenacht, Fasching und Karneval.

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