Seit Montagabend, 19.50 Uhr, wird Mainz wieder von einem Prinzenpaar regiert. Nach Fanfaren, Pauken und Trompeten und ein bisschen Gezoppel an Kapp und Zepter, die nicht so recht wollten, sind Prinz Carneval Johannes I. und Prinzessin Moguntia Anna Marie I. in Amt und Würden gehievt.
Die älteste Mainzer Fastnachtsgarde, die Ranzengarde, feiert jetzt ihr 175-jähriges Bestehen. Mit ihrer Gründung im Jahre 1837 sei die bis dahin unorganisierte Fastnacht in „geordnete Bahnen“ gelenkt worden, teilte die Stadtverwaltung Mainz mit. Zu Ehren des Jubiläums stellt die Ranzengarde in dieser Fastnachtskampagne das Prinzenpaar.
Ein „Ranzenträger“ muss zwei Zentner wiegen und einen Leibesumfang von sechs Fuß mitbringen - mit diesen närrischen Vorgaben wollte die Garde das preußische Militär persiflieren, dessen Soldaten mehr als sechs Fuß groß sein mussten. 15 Ranzengardisten waren dann 1838 Mitgründer des Mainzer Carneval-Vereins (MCV). In der „Mutter aller Garden“ dienen Männer und Frauen; sie zählt mehr als 600 Mitstreiter.
Es ist ein Riesenaufgebot aus Garden, Fahnen, närrischen und profanen Würdenträgern, das da mit viel Tschingderassabumm, Narrhallamarsch und Helau im Rahmen eines „Großen musikalischen Generalappells und närrischen Staatsakts mit Kür des Prinzenpaares 2012“ im voll besetzten Großen Saal des Kurfürstlichen Schlosses den neuen Majestäten huldigt. Es ist das elfte Prinzenpaar in 100 Jahren und das erste seit dem Gutenbergjahr 2000, das da mit so viel vierfarbbuntem Brimborium, Gefolge aus Uff-stumber und Hofdamen inthronisiert wird.
Anlass ist das 175-jährige Bestehen der ältesten Mainzer Korporation, der im Jahre 1837 gegründeten Ranzengarde. „Die Ranzengarde schenkt Mainz wieder ein Prinzenpaar“, krächzt Generalfeldmarschall Johannes Gerster, dessen Stimme wohl am Neujahrtag etwas gelitten hat. Zuvor reimt Peter Krawietz, Ex-Kulturdezernent und Vizepräsident des Bundes Deutscher Karneval, launig über die Herkunft der Garde und ihres eigentümlichen „Gardemaßes“, dem der Generalfeldmarschall Gerster mit am ehesten gerecht wird.
Prinz Carneval heißt im wirklichen Leben Johannes Both, ist 23 Jahre alt, schlank und Neffe des amtierenden Ranzen-Präsidenten Lothar Both. Der Maschinenbaustudent und Domchor-Sänger wird der erste Prinz sein, der singt und sich selbst am Klavier begleitet. Und davon gibt er im Duett mit seiner Moguntia auch gleich eine Kostprobe.
Moguntia ist die 18-jährige Maria-Ward-Schülerin Anna Marie Kusche. Beides Eigengewächse der Garde. Anna Marie hielt 2006 als Kadettin ihren ersten Vortrag, war dann jahrelang Kadetten-Sitzungspräsidentin.
Doch es ist nicht die einzige Ehrung im Rahmen des Staatsakts im Zeichen der Ranzen an diesem Montagabend: Domkapellmeister Matthias Breitschaft ist 2012 Empfänger des Mainzer Ranzengardisten, eines Originalmodells des Ranzengardebrunnens von Liesel Metten. Breitschaft wird damit für seine Förderung der gesungenen Mainzer Fassenacht geehrt. Viele von ihm ausgebildete Sänger bilden heute die Basis namhafter närrischer Gesangsgruppen.
Er ist der fünfte Preisträger nach ZDF-Intendant Markus Schächter, Kardinal Karl Lehmann, Thilo Sarrazin und dem Kabarettisten Lars Reichow.
Prunksitzungen, Umzüge, Bälle - die Narren feiern Fastnacht, Fassenacht, Fasching und Karneval.

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