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Umstrittene Büttenrede: Mit Blondinenwitzen vergleichbar?

Der Hessische Rundfunk (HR) verteidigt eine umstrittene Büttenrede über Türken. Diese war am Sonntagabend erneut ausgestrahlt worden. Migrantenverbände kritisieren offen die Personalpolitik des Senders.

Migrantenverbände kritisieren offen die Personalpolitik des Hessischen Rundfunks
Migrantenverbände kritisieren offen die Personalpolitik des Hessischen Rundfunks
Foto: Cindy Borthwick

Die vom Hessischen Rundfunk am Sonntag erneut ausgestrahlte Büttenrede von „Ayse vom Döner TV“ sorgt weiterhin für Ärger. Migrantenverbände kritisieren offen die Personalpolitik des Senders und fordern, endlich auch Führungspositionen mit Migranten zu besetzen.

Die Büttenrede der Zahnärztin Patricia Lowin, in der sie in die Rolle der türkischstämmigen „Ayse“ schlüpft, war scharfen Protesten wegen türkenfeindlicher Textpassagen ausgesetzt und wurde von rechtspopulistischen Weblogs wie „Politically Incorrect“ gelobt. Trotzdem wiederholte das HR-Fernsehen den Auftritt am Sonntagabend.

Wer sich darüber beschwerte, bekam vom HR ausführliche Antwortschreiben. Eines davon liegt der FR vor. Darin rechtfertigen die Programmmacher den „Ayse“-Auftritt, indem sie ihn unter anderem mit Karnevals-Witzen über „die Ostfriesen, die Bayern, die Offenbacher, Blondinen“ oder im letzten Jahr über „die Person von Thilo Sarrazin und die katholischen Priester“ gleichsetzen. Es sei nun mal „ureigene Aufgabe der Fastnacht, gesellschaftliche Entwicklungen auf humoristische Weise aufzugreifen“, heißt es.

Zur Verteidigung führt der Sender auch an, dass „Comedians wie Bülent Ceylan oder Kaya Yanar seit Jahren Beispiele aus dem Zusammenleben zwischen Deutschen und Türken aufspießen“. Deshalb sei es „ein Teil der Normalität, … wenn auch eine Deutsche Unterschiede zwischen den Kulturen auf humorvolle Weise thematisiert“. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass selbstironischer Witz türkischstämmiger Komiker völlig andere Signale sende als Scherze, die als fremdenfeindliches Ressentiment verstanden werden können.

Unterdessen hat sich die Türkische Gemeinde Hessen (TGH) den Protesten angeschlossen. Sie machte ein Schreiben an HR-Intendant Helmut Reitze öffentlich, in dem mehr Sensibilität im Umgang mit Migrationsthemen verlangt wird. Der Sender müsse endlich „Führungspositionen auch mit Migranten besetzen“, stellte TGH-Generalsekretär Kemal Calik fest. Der Vorsitzende des Landesausländerbeirats, Corrado di Benedetto, bekräftigte die Forderung nach einem Integrationsbeauftragten für den Sender. „Grotesk“ nennt die TGH die Aussage des türkischstämmigen CDU-Landtagsabgeordneten Ismail Tipi, „der Großteil der türkischen Gemeinde“ fühle sich nicht beleidigt. Das sei eine Erklärung „im Namen seiner Partei“, so Calik.

Der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) hält die Kritik für übertrieben: „Spaß muss sein, Satire muss sein“, sagte er am Mittwoch, „und eine Geschmackssache ist nicht bewertbar.“ Ihn habe „kein einziger Migrant darauf angesprochen“. Hahn beglückwünschte den HR, dem „Angriff auf die Pressefreiheit“ widerstanden zu haben.

Autor:  Ursula Rüssmann und Volker Schmidt
Datum:  23 | 2 | 2012
Kommentare:  8
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