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Bad Vilbel: Ein Hase sagt Tschüss

Der Bad Vilbeler Fastnachter Horst Hilling verlässt nach 44 Jahren als Protokoller die Bütt. Ein Nachfolger ist zwar noch nicht in Sicht. Aber noch einmal elf Protokolljahre will er sich nicht mehr zumuten.

Fastnachter Horst Hilling  verlässt  nach 44 Jahren  als Protokoller  die Bütt.
Fastnachter Horst Hilling verlässt nach 44 Jahren als Protokoller die Bütt.
Foto: Renate Hoyer
Bad Vilbel –  

Über Bad Vilbels Fastnachtszunft steht in dieser Kampagne offenbar ein dunkler Stern. Der Karnevalistische Tanzverein hat sich aufgelöst. Was mit den Schoten los ist, weiß keiner so recht. Beim Fahnenhissen am Rathaus im November blieben sie unentschuldigt fern. Im Vorstand der Schoten soll es gar nicht lustig zugangen sein, geht es als Gerücht durch die Stadt. Und zu alledem sagt bei Fidelen Sandhasen in diesem Jahr ein bekanntes Gesicht Adieu. Horst Hilling steigt am Samstag zum letzen Mal in das Hasenkostüm und verliest als Protokoller in launischen Versen die Chronik 2011.

„Nach 44 Jahren ist Schluss“, sagt er. Die Zahl passt ihm – vier närrische Dekaden im Amt. Wenn er jetzt weiter mache, seien abermals elf Jahre fällig. „Dann bin ich ja 75 Jahre alt“, bemerkt Hilling und lacht. Ein, zwei oder drei Jahre dranhängen bis ein Nachfolger gefunden ist – den gibt es offenbar weit und breit bei den Sandhasen noch nicht – geht für Horst Hilling nicht. Entweder elf weitere Protokollerjahre oder aufhören.

Im Alter von 18 Jahren kam er über einen Freund zu der Gesangsgruppe der Fidelen Sandhasen. Das war 1966 und der Verein war zwölf Jahre zuvor von Bewohner der Ritterstraße und der Bergstraße aus einer Laune heraus gegründet worden. Die karnevalistische Narrenzunft war noch ein zartes Pflänzchen in der protestantischen Kernstadt.

Keine Grobheiten

In Horst Hillling fließt kein rheinisches Blut. Der gebürtige Vilbeler hat sich jedoch in der Karnevalskultur schnell zurechtgefunden. Noch nicht ganz volljährig nach damaligen Recht stand er in der Bütt’ – als Hase mit theoretisch voller Narrenfreiheit. Anzüglichkeiten und Grobheiten zur Belustigung, wie es seine Amtskollegen in den Karnevalshochburgen treiben, sind jedoch nicht Hillings Sache. „Ich gehe eher sanft mit den Leuten um“, erzählt er. „Ich kommentiere die Geschehnisse süffisant, aber nie verletzend“, sagt Hilling.

Auch bei der Vorbereitung seiner Rede achtet Hilling sehr auf Fingerspitzengefühl. Den Arabischen Frühling hat er nach reiflicher Überlegung aus dem Manuskript gestrichen. „Nee, darüber kann man nicht lachen“, beschloss er. Bei lokalen Themen ist er jedoch weniger zu chronistischen Leerstellen bereit, sei es der Wirbel um die Stadtratswahlen oder die wundersame Vergrößerung der Gronauer Erd-Deponie.

Aber auch hier verteilt Hilling keine schmerzhaften Tritte gegen Schienbeine. „Früher habe ich sogar eine Strichliste beim Schreiben geführt, damit alle Parteien gleichviel drankamen.“

Rund acht Wochen vor Beginn der karnevalistischen Hochphase beginnt für Hilling der Schreibdruck. Dabei bedient er sich der Jahresrückblicke in den Tageszeitungen als Gedächtnisstütze.

Zweimal vergeblich getextet

„Noch vor zehn Jahren habe ich mir über das Jahr Notizen gemacht.“ Das wurde Hilling aber eines Tages zu aufwendig. In seine 44 Jahren war die Arbeit zweimal vergebens. Der Protokoller musste Schweigen. Anlässe waren der Beginn des Irak-Kriegs und die Grippewelle, die damals fast alle Sandhasen erfasste.

So ganz auf den Passivposten der Sandhasen will sich Horst Hilling nicht zurückziehen: „Vielleicht werde ich in anderen Rollen auf der Bühne stehen.“

Die Prunksitzung der Fidelen Sandhasen ist am Samstag, 11. Februar, 19.11 Uhr, im Kurhaus, Niddastraße 1.

Autor:  Detlef Sundermann
Datum:  7 | 2 | 2012
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