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Fasching in Mainz: Humba Täterä nur in Maßen

Die Mainzer Clubszene hält sich beim Fasching größtenteils zurück – bis auf die eine oder andere Ausnahme.

        

In den Clubs könnte die Schwester  auffallen.
In den Clubs könnte die Schwester auffallen.
Foto: imago

In Mainz kommt zwischen Altweiberdonnerstag und Fastnachtdienstag niemand am närrischen Treiben vorbei. Auch das Partyvolk der Mainzer Clubszene nicht, in der das ganze Jahr ohnehin schon kräftig gefeiert wird. An Fastnacht jedoch erreicht die Stimmung auch auf den Dancefloors der Stadt einen ausgelassenen Höhepunkt, dem sich keiner der Club-Betreiber ganz verschließen kann und will.

Trotzdem beugen sich die DJs und Macher größtenteils nicht dem musikalischen Diktat von „Humba Täterä“ und Konsorten. Ob R'n'B oder House, ob Techno oder Minimal, ob Charts oder Black Music: Auch für die gute Stimmung an den tollen Tagen geben die Clubs ihr musikalisches Konzept nicht auf. Fastnacht ja, aber bitte nur in Maßen.

Das 50 Grad in der Mittleren Bleiche ist eine Institution für progressive elektronische Musik, europaweit bekannte DJs legen bei ihren Gastspielen im Kellerclub von House über Hip-Hop und von Minimal bis Elektro das Neuste auf, was die Labels auf Vinyl pressen lassen. Auch an Rosenmontag wird mit „Das Bo“ (bekannt durch seinen Top 5 Hit „'türlich 'türlich“) ein echter Star an den Plattentellern stehen. „Wir haben Bo entsprechend vorgewarnt, was bei seinem Auftritt an Rosenmontag auf ihn zurollen könnte“, sagt Thomas Grümmer vom 50 Grad.

Die für die Fastnachtstage gebuchten DJs haben prinzipiell alle Lust, mit den Clubgängern zumindest „närrisch angehaucht“ zu feiern. Ab Altweiberdonnerstag hat das 50 Grad für Verkleidete und Nichtverkleidete seine Pforten geöffnet, an fünf Tagen wird ein bunter Mix aus „Partymusik mit Anspruch“ laufen, die DJs, die aus Mainz kommen, werden verkleidet sein – und ab und an ertönt dann eben doch auch der ein oder andere Fastnachtshit.

Das hingegen möchte Simone Schwab in ihrem Club Red Cat in der Emmerich-Josef-Straße nicht erleben. „Wir sind halt in Mainz und können an Fastnacht nicht umziehen“, sagt Schwab. Und trotzdem wird in der „Katze“ an den tollen Tagen weder „Am Rosenmontag“ noch „Komm hol das Lasso raus“ aus den Boxen dröhnen. Keine Fastnachts-Deko, normal gekleidetes Personal: Schwab zieht ihr Club-Konzept auch an Fastnacht konsequent durch. Der einzige „Fastnachtsverrückte“ könnte DJ Psycho Jones sein, der bei seinem alljährlichen „Psycho-Marathons“ von Samstag bis Montag auflegt. Verkleidet.

Es wird gefeiert wie immer

Für Norbert Schön vom Kulturclub schonschön an der Großen Bleiche hat Fastnacht eine ganz besondere Bedeutung. „An Rosenmontag habe ich in der Altstadt im Quartier Mayence meine Lebensgefährtin Maribel das erste Mal geküsste“, schwärmt er. Aus diesem Kuss wurde große Liebe, Nachwuchs inklusive. Die große Liebe zur Mainzer Fastnacht ist dem Kuss im Quartier dann trotzdem nicht entsprungen. „Unser Club liegt ja direkt an der Strecke des Rosenmontagszugs“, erklärt Schön, „trotzdem machen wir auch dann kein Fastnachtsprogramm im traditionellen Sinn.“ Soll heißen: Auch im schonschön wird gefeiert wie immer.

Eindeutig närrischer geht es am Südbahnhof zu. Das Roxy und der Starclub liegen mitten im karnevalistischen Epizentrum der Mainzer Altstadt. Keine 50 Meter trennen die Clubs in der Holzhofstraße, und keine 5 Meter liegen zwischen ihren Türen und der Strecke des Rosenmontagszugs. „Wir sind Fastnachter und fahren sogar an Rosenmontag auf einem Wagen mit“, sagt Bülent Yilmaz vom Starclub. Die Affinität zur Narretei schlägt sich auch in der Deko wieder, beide werden karnevalistisch aufgehübscht, das Personal ist komplett verkleidet.

Also doch Clubbing im Zeichen der Fastnacht. Wie war das mit dem eingangs erwähnten Widerstand? Na ja, ist auch egal. Helau!

Autor:  Dominic Schreiner
Datum:  10 | 2 | 2012
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