1. FFC Frankfurt
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01. Oktober 2012

1. FFC Frankfurt - Turbine Potsdam: Bajramaj fällt sechs Monate aus

 Von Johannes Kopp
Wenige Augenblicke nach ihrem Siegtreffer krümmt sich Fatmire Bajramaj auf dem Boden. Foto: Huebner/Scheuring

Drei schwere Verletzungen überschatten das Spitzenspiel der Frauen-Bundesliga - und vergiften das Klima zwischen Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt. Am Montag Nachmittag wird klar: Der FFC muss lange auf Fatmire Bajramaj verzichten.

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Drei schwere Verletzungen überschatten das Spitzenspiel der Frauen-Bundesliga - und vergiften das Klima zwischen Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt. Am Montag Nachmittag wird klar: Der FFC muss lange auf Fatmire Bajramaj verzichten.

Nach dem Spiel standen sich die ewigen Rivalen auf dem Rasen gegenüber. Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder fuchtelte wild mit den Armen um sich. Der 70-Jährige bebte vor Zorn. Der untersetzte Siegfried Dietrich wiederum gestikulierte fast ebenso wild. Er hatte einen Trommelschlägel in der Hand, den einer der erbosten Potsdamer Zuschauer nach ihm geworfen hatte. Grund der allgemeinen Erregung war das Zustandekommen des entscheidenden Treffers von Fatmire Bajramaj in der Nachspielzeit zum 2:1 (0:0)-Auswärtssieg der Frankfurterinnen.

Eigentlich hatte sich in den letzten Jahren das angespannte Verhältnis zwischen den beiden erfolgreichsten Klubs im deutschen Frauenfußball und ihren großen Machern etwas normalisiert. Schröder, der das Einkaufsgebaren der Frankfurter stets moralisch gegeißelt hatte, schien sich mit dem steten Abgang seiner Spielerinnen in Richtung Mainmetropole abgefunden zu haben.

Potsdam geriert sich als Ankläger

Am Sonntag wurde jedoch mit großer Vehemenz eine Moraldebatte ausgefochten, die nachhaltige Spuren hinterlassen dürfte. Schröder sagte: „Ich befürchte, dass jetzt eine überdimensionale Feindschaft zwischen den beiden Vereinen entsteht.“ Turbine Potsdam gerierte sich als Ankläger, der 1. FFC Frankfurt war in die Verteidigungsrolle gedrängt. Doch ganz so einfach war die Sache nicht.

Nach Toren von Kerstin Garefrekes (59.) und Yuki Ogimi (71.) stand es 1:1, als die Potsdamerinnen Alexandra Singer und Stefanie Mirlach in der 89. Minute mit ihren Köpfen so heftig zusammenprallten, dass beide regungslos am Boden liegen blieben. Singer erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und Mirlach eine schwere Gehirnerschütterung. Beide konnten erst nach mehreren Behandlungsminuten vom Feld getragen werden. Im mit 4120 Zuschauern sehr gut besuchten Karl-Liebknecht-Stadion herrschte Friedhofsstille.

Als Schiedsrichterin Riem Hussein die Partie wieder anpfiff und fünf Minuten Nachspielzeit anzeigte, mussten die Potsdamerinnen zu neunt verteidigen, weil sie ihr Auswechselkontingent ausgeschöpft hatten. Fatmire Bajramaj indes nutzte die erste Gelegenheit zum entscheidenden Tor.

Vergiftete Atmosphäre

Bajramaj fällt sechs Monate aus

Am Montag Nachmittag bestätigten sich die schlimmsten Befürchtungen: Lira Bajramaj erlitt einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie.

Die Offensivspielerin wird dem FFC Frankfurt voraussichtlich sechs Monate fehlen.

Positive Nachricht gibt es aus Potsdam: Stefanie Mirlach und Alex Singer sind auf dem Weg der Besserung. Mirlach konnte das Krankenhaus am Montag mit der Diagnose einer schweren Gehirnerschütterung sowie einer genähten Platzwunde am Kopf bereits wieder verlassen.

Die US-Amerikanerin Alex Singer bleibt zunächst zur Beobachtung im Potsdamer Klinikum. „Der Verlauf der nächsten Tage soll abgewartet werden“, sagte Turbine-Sprecherin Nadine Bieneck. Die durchgeführte Computertomographie habe nicht die befürchteten Halswirbelsäulenverletzungen ergeben.

In der Erregung der Potsdamer Anhängerschaft ging jedoch unter, dass sich auch die Gastgeber kurz darauf unrühmlich verhielten. Spielführerin Tabea Kemme senste nämlich nach dem 2:1 die Torschützin Bajramaj im Mittelfeld vorsätzlich um, so dass auch diese verletzt vom Platz getragen wurde. Es besteht der Verdacht auf einen Kreuzbandriss. Die Potsdamer Zuschauer begleiteten ihre einstige Lieblingsspielerin beim Abtransport vom Rasen mit viel Häme – die Atmosphäre war vergiftet. Und Kemme sah für ihr Foul nicht mal die Gelbe Karte.

Die Pressekonferenz glich für Trainer Philipp Dahm, der erst zum zweiten Mal die Verantwortung beim 1. FFC Frankfurt trug, einem Spießrutenlaufen. In mehreren Variationen wurde an ihn die Frage gerichtet, warum er seinen Spielerinnen nicht ein Angriffsverbot erteilt hätte. Der 33-Jährige fühlte sich sichtlich unwohl: „Ich lasse mir daraus keinen Vorwurf machen und keinen Strick drehen, dass wir weitergespielt haben.“ Auch Manager Dietrich wich einer moralischen Bewertung des Frankfurter Verhaltens aus. Er hielt fest: „Es ist alles regelkonform gelaufen.“

Großer Imageschaden

Letztlich war der Imageschaden auf beiden Seiten groß. Möglicherweise war das kompromisslose Gewinnstreben der Frankfurterinnen auch ein Beweis dafür, unter welch immensen Druck das Team derzeit steht. Gerade Fatmire Bajramaj, die wieder einmal erst zur zweiten Hälfte eingewechselt wurde, nutzte am zielstrebigsten die Chance zum Erfolg. Und für Bundesliganeuling Dahm steht seine Weiterbeschäftigung auf dem Spiel.

Nach einer eher mäßigen ersten Halbzeit, in der der Frankfurter Abwehr einige Stellungsfehler unterliefen, steigerten sich die Gäste in der zweiten Hälfte deutlich. „Sportlich gesehen war das Werbung für den Frauenfußball“, sagte Dahm, als am Ende doch noch Fragen zum Spielgeschehen gestellt wurden.

Auch Manager Dietrich war äußerst zufrieden mit der Partie. Er sprach von einem „sehr guten Niveau“ und sendete positive Signale in Richtung Dahm, der ja noch auf Bewährung trainiert: „Ich kann mir vorstellen, dass aus dem kurzfristigen Engagement ein längerfristiges wird.“

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