Es ist noch gar nicht lange her, da überzog eine gewaltige Marketingkampagne das Land mit schönen Parolen. Es galt, eine Frauen-WM im eigenen Land populär zu machen. Also wurde eifrig hervorgehoben, wie fröhlich und fair es bei den Fußballerinnen zugehe. In der Tat ist so, dass es bei Länder- und Bundesligaspielen der Frauen in aller Regel keinerlei Sicherheitskräfte bräuchte, so angenehm entspannt ist die Atmosphäre. Und auch die Gangart, die im Spiel angeschlagen wird, wirkt meist wie ein wohltuender Gegenentwurf zum Imponiergehabe männlicher Profis. Showeinlagen und Schauspielerei sind da selten anzutreffen.
Umso mehr ist es ein Ärgernis, dass die Verantwortlichen von Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt, zwei Branchenführern der Frauen-Bundesliga, die Chance verpasst haben, ein überfälliges Zeichen zu setzen. Schlimm genug, dass sich zwei Turbine-Spielerinnen schwer am Kopf verletzten und ausschieden; schlimmer noch, dass die doch sonst so wortgewaltigen Klub-Ikonen Bernd Schröder und Siegfried Dietrich sich daraufhin nicht auf einen Nichtangriffspakt bis zum Abpfiff zu einigen vermochten.
Eine von drei verletzten Spielerinnen während des Spitzenspiels Turbine Potsdam - 1.FFC Frankfurt: Stefanie Mirlach (Potsdam) wird auf eine Bahre vom Platz getragen.
Foto: Huebner/ScheuringDas größte Armutszeugnis aber ist, dass nun jeder der beiden dem anderen die Schuld für das unrühmliche Ende des Spitzenspiels von Potsdam in die Schuhe schieben will. Das zeigt, wie tief die gegenseitige Abneigung der beiden Macher wurzelt.
Auch die Spielführerinnen haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Frankfurts Torhüterin Nadine Angerer nahm das Siegstreben der Vorderleute gegen neun geschockte Potsdamerinnen hin. Für eine, die als Nonkonformistin gilt, ist das schwach. Dass Turbine-Anführerin Tabea Kemme als Rächerin Fatmire Bajramaj ins Krankenhaus trat, war schäbig.
Heike Ullrich, stellvertretende DFB-Direktorin Frauenfußball, fordert beide Seiten auf, künftig verantwortungsvoll zu handeln. Doch bloße Appelle scheinen bei den zur Selbstgerechtigkeit neigenden Dickköpfen Schröder und Dietrich nicht zu fruchten. Sie sind in erster Linie dafür verantwortlich, dass das Rückspiel am 17. März im Stadion am Brentanobad unter besonderer Beobachtung stehen wird. Auch der von Polizei und Sicherheitskräften.
|
|
Verfolgen Sie unsere Nachrichten in Ihrer Lieblingsdarstellung - via RSS-Feed. Für Ihren Windows-PC bieten wir sogar einen kostenlosen Newsreader an. Informationen im Digital-Bereich.