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1. FFC Frankfurt
Spielberichte und Interviews, News und Hintergründe zum 1. FFC Frankfurt

28. September 2012

1. FFC Frankfurt: Klassenkampf im Karli

 Von Frank Hellmann
Grenzgängerin: Babett Peter.  Foto: pressehaus

Beim Duell zwischen Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt geht es am Sonntag auch um Grundsätzliches.

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Für Babett Peter ist es immer das „Karli“. Niemals würde die Nationalspielerin auf die Idee kommen, das Karl-Liebknecht-Stadion, das der Frauenfußball-Bundesligist Turbine Potsdam für seine Heimspiele nutzt, mit dem vollen Namen zu nennen. Für die 24-Jährige stellt die neueste Auflage zwischen dem Meister Potsdam und dem Herausforderer 1.FFC Frankfurt (Sonntag 14 Uhr), für den die 24-Jährige seit dieser Saison am Ball ist, eine besondere Begegnung mit der Vergangenheit dar.

„Ich kann es kaum abwarten“, sagt die aus Oschatz stammende Abwehrspielerin. „Meine Freunde und Familie werden dort sein, ich werde die eine oder andere Karte hinterlegen müssen.“ Sieben Jahre hat sie für Turbine gespielt, genau wie die FFC-Torhüterinnen Nadine Angerer und Desirée Schumann, Fatmire Bajramaj, Jessica Wich und die ebenfalls erst im Sommer gewechselte Verteidigerin Bianca Schmidt hat sie in Brandenburg eine besondere Fußball-Erziehung genossen, eine autoritäre wie sie selbst sagt.

Dietrich contra Schröder

Denn hier gibt der unbeugsame Sportlehrer Bernd Schröder, 71, seit Jahrzehnten in Personalunion als Trainer und Sportlicher Leiter den Ton an. Als sein Gegenspieler gilt beim 1. FFC der gewiefte Marketingexperte Siegfried Dietrich, 55, der die unternehmerischen Strippen zieht und derzeit den Interimstrainer Philipp Dahm die sportliche Verantwortung übertragen hat. Der eine (Schröder) versteht sich eher als Talentförderer, der andere (Dietrich) wird als Chefeinkäufer im Frauenfußball bezeichnet.

Babett Peter hat diesen Unterschied ausgemacht: „Frankfurt ist eine Großstadt, Potsdam eine Kleinstadt. Hier kennt schnell jeder jeden, ich bin oft auf der Straße angesprochen worden.“ Turbine sei eine Marke mit hohem Stellenwert; Ministerpräsident Matthias Platzeck sitzt regelmäßig auf der Tribüne und bezeichnet den Verein „als Kulturgut des Landes“. Das Duell gegen den Krösus des deutschen Frauenfußballs, der einen Rekordetat von 1,8 Millionen Euro verwaltet, wird daher auch immer als „Klassenkampf“ (Babett Peter) angesehen.

Dummheit der Konkurrenz

Zuletzt blieb in Frankfurt der Erfolg aus, weshalb der jüngst entlassene Trainer Sven Kahlert unlängst bemerkte, dass es keinen Frauenfußball-Verein gebe, „wo der Manager so viel Einfluss hat“. Dietrich, derzeit wegen eine Schlaganfalles seines 87-jährigen Vaters in großer Sorge, negiert die Machtfülle gar nicht, und erträgt es auch, wenn sich Schröder über sein fehlendes sportliches Knowhow lustig macht. Nach der letzten Meisterschaft erfolgte der süffisante Hinweis, wie dumm denn die Konkurrenz sich anstellen würde. Babett Peter erklärt Potsdams Erfolgsgeheimnis pragmatisch: „Das hat sicherlich mit dem hohen Trainingspensum zu tun, aber auch mit dem Fakt, dass auch die Individualistinnen eingebunden waren.“ In Potsdam ist allein die Mannschaft der Star – in Frankfurt kann es nicht genug Stars geben.

Die Annäherung erfolgt meist in der Nationalmannschaft. Deshalb sagt Babett Peter: „Die Rivalität unter den Spielerinnen ist aber gar nicht mehr so arg.“ Und vorbei sind auch die Zeiten, dass sich Schröder und Dietrich völlig unversöhnlich gegenüberstehen. „Wir haben uns gerade seit der Frauen-WM sehr oft ausgetauscht“, betont Dietrich, „ich habe großen Respekt vor Bernd Schröder.“ Und er glaubt: „So unterschiedlich sind die Philosophien gar nicht: Potsdam hat die vergangenen Jahre genauso viele Spieler verpflichtet wie wir. Beide Vereine wollen deutscher Meister werden und in der Champions League spielen.“ Solche Sehnsüchte sind indes zuletzt nur im „Karli“ in Erfüllung gegangen.

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