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1. FFC Frankfurt
Spielberichte und Interviews, News und Hintergründe zum 1. FFC Frankfurt

14. Mai 2013

1. FFC Frankfurt: Nur noch Frust beim 1. FFC

 Von 
Nur Zuschauerin: Nadine Angerer (r.), links auf der Bank Sandra Smisek (Nummer 28).  Foto: pressehaus

Nadine Angerer und Sandra Smisek, stilprägende Fußballerinnen in Verein und Nationalmannschaft, scheiden nach einer völlig verkorksten Saison mit gewaltigen Misstönen beim 1. FFC Frankfurt aus.

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Natze“ war mal wieder mit schlabberiger Mütze und verwaschener Jeans gekommen. Warum hätte sich Nadine Angerer an solch einem trüben Tag schick anziehen sollen? Den Blumenstrauß legte die Kapitänin des 1. FFC Frankfurt am Sonntag schnell beiseite und musste wegen einer Oberschenkelverletzung tatenlos ansehen, wie sich ihr Klub gegen den FC Bayern die finale Peinlichkeit leistete. Während zeitgleich in Wolfsburg die Meisterschaft gefeiert wurde, herrschte beim 1. FFC Frankfurt Katerstimmung. National hinkt der Krösus der Liga wieder hinterher, international bleibt er das zweite Jahr in Folge außen vor.

„Dieser Verein hätte alle Möglichkeiten, den Frauenfußball in Europa zu dominieren“, stellte die Nationaltorhüterin enttäuscht fest, „leider geht es hier immer mega rauf und runter.“ Irgendwie schien die 34-Jährige richtig froh, dass sie damit nichts mehr zu tun hat. „Ich bin neugierig, ich habe Bock auf eine neue Herausforderung.“ Ihr Weg führt ins Ausland, „eine lustige Sache“ sei ihr neues Ziel, das Nadine Anger noch nicht verraten will. Nur so viel: Die unangepasste Torfrau wird eine Ein-Zimmer-Wohnung in Frankfurt als Anlaufpunkt behalten, „dazu habe ich mir ein Haus auf Fuerteventura gekauft.“

Entscheidung vor Weihnachten

Die 115-fache Nationalspielerin beharrt darauf, sie habe vor Weihnachten dem Manager Siegfried Dietrich ihren Weggang mitgeteilt. Zeitgleich habe sie Bundestrainerin Silvia Neid versichert, auch für die Zeit nach der EM in Schweden (10.- 28. Juli) noch zur Verfügung zu stehen. Dietrich erklärte hingegen, er hätte den Vertrag ohnehin nicht verlängert, weil der zwölf Jahre jüngeren Desirée Schumann die Zukunft gehöre. Diese unterschiedliche Lesart nimmt sich dagegen als Lappalie zum stillosen Abschied von Sandra Smisek aus.

„Dieser Verein war mein Leben. Ich bin fassungslos, dass es zu so einem traurigen Ende kommt“, beschied die 35-Jährige im Stadion am Brentanobad mit tränenerstickter Stimme. Und sie legte sich keinerlei Zurückhaltung mehr auf, als die zweifache Weltmeisterin die Versäumnisse in Frankfurt-Rödelheim benannte: „Das wichtigste Kriterium bei der Spielerinnensuche ist das Nationaltrikot, aber es ist nicht so, dass man zehn Nationalspielerinnen nimmt und dann alles gewinnt.“ Die Polizeikommissarin, selbst bis zu ihrem Rücktritt 133-mal für die DFB-Auswahl am Ball, versteht, dass der Verein auf jüngere Kräfte setze, das wusste sie seit April, aber sie konnte sich einfach nicht erklären, „warum nicht mitgeteilt wurde, dass ich hier mein letztes Spiel mache. Ich habe hier acht Jahre die Knochen hingehalten – und dann so ein Abschied!“ Sandra Smisek, wegen ihrer 1,63 Meter „Krümel“ gerufen, gab einst beim FSV Frankfurt die kongeniale Partnerin einer gewissen Birgit Prinz („Keks“), sie spielte seit 2005 für den FFC.

Ihr Verhältnis zum 1. FFC Frankfurt ist mit ihrem Karriereende zerrüttet. „Ich kann mir nicht vorstellen, hier noch mitzuarbeiten.“ Im Grunde ist eine der verdientesten deutschen Spielerinnen, noch in die Werbekampagne zur Frauen-WM 2011 massiv eingebunden, durch die Hintertür hinauskatapultiert worden. Immerhin hatten sich einige Mitspielerinnen ein T-Shirt „Happy Smi’s End 1992-2013“ untergezogen.

Dietrich weist Kritik zurück

Dietrich reiste nach dem Debakel am Sonntag zur Zerstreuung zur Geburtstagsfeier seiner Tochter in Berlin. Die erstmals von den Spielerinnen so massiv geäußerte Kritik traf den 55-Jährigen schwer: „Eine Sandra Smisek muss sich fragen, ob diese Aussagen fair sind.“ Im Verein hätten doch alle Bescheid gewusst. „Diese Vorwürfe muss ich ganz klar zurückweisen. Ich habe mir da gar nichts vorzuwerfen. Wir wissen genau, was wir tun“, teilte der FFC-Macher am Montag mit.

Dietrich will übrigens in den kommenden drei, vier Wochen den neuen Cheftrainer ausgesucht haben; ob es einer wird, der seine Allmacht auf allen Ebenen beschneidet? Dass der VfL Wolfsburg mit seiner Meisterschaftspremiere in die jahrelang aus Potsdam und Frankfurt geprägte Hegemonie einbrach und nun sogar das Triple mit DFB-Pokal und Champions League holen kann, hat eben auch damit zu tun, dass sich Frankfurts Strippenzieher nicht nur fatale Fehleinschätzungen bei der Kaderzusammenstellung oder Trainerauswahl, sondern auch schwere Versäumnisse in Sachen Menschenführung leistete.

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