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1. FFC Frankfurt
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01. Dezember 2015

FFC Frankfurt : Colin Bell geht nach Norwegen

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Trainer Colin Bell und der 1. FFC Frankfurt haben sich getrennt.  Foto: dpa/ Marius Becker

Der 1. FFC Frankfurt gibt die Trennung von seinem charismatischen Trainer bekannt. Der Engländer erfüllt sich den Traum vom Ausland.

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Paukenschlag beim 1.  FFC Frankfurt: Der Frauen-Bundesligist und Cheftrainer Colin Bell haben sich darauf geeinigt, künftig getrennte Wege zu gehen. Wie der Verein am Mittwochnachmittag mitteilte, habe man sich „nach vertrauensvollen und intensiven Gesprächen darauf verständigt, dass das Arbeitsverhältnis zum Jahresende aufgelöst und beendet wird“. Pikanter Hintergrund: Der gebürtige Engländer hat in der entscheidenden Unterredung mit Manager Siegfried Dietrich und Präsident Bodo Adler am Montagabend auf seinen Abgang gedrängt, nachdem ihn ein interessantes Auslandsangebot erreichte.

Parallel verständigte sich der 54-Jährige nämlich mit dem norwegischen Spitzenklub Avaldsnes IL auf eine Zusammenarbeit, die am 1. Januar 2016 beginnt. „Nach der Länderspielpause ist bei mir der Entschluss gereift, dieses Angebot anzunehmen. Ich denke, dass ist für beide Seite das Beste“, sagte Bell der FR. Er wolle etwas Neues machen und habe immer schon in seinem Karriereplan mit einem Engagement im Ausland geliebäugelt. „Und ich habe noch den Traum, ein Nationalteam bei einer WM, EM oder den Olympischen Spielen zu trainieren.“

Der ehemalige Mainzer Zweitligaprofi  hatte sich am Vormittag bei der Frankfurter Mannschaft verabschiedet, dabei seien „einige Tränen geflossen“. Nach Bells Schilderung sei trotz des Misserfolgs der vergangenen Wochen – in der Bundesliga Heimniederlagen gegen die Mitstreiter VfL Wolfsburg und FC Bayern, das Pokalaus in München und der Beinahe-K.o. in der weiblichen Königsklasse  – das Verhältnis zur Mannschaft intakt gewesen, gleichwohl räumte der im Sommer 2013 angetretene Fußballlehrer ein: „Reibungsverluste nach zweieinhalb Jahren sind normal.“ Sein Stil sei nun einmal „Vollgas“. Belohnt mit dem Gewinn des DFB-Pokals 2013 und dem Triumph der Women’s Champions League im Mai dieses Jahres gegen den Favoriten Paris St. Germain.


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Dietrich teilte zwar mit, „dass wir „nach einer erfolgreichen Ära jetzt die Gelegenheit haben, neu durchzustarten und unsere anspruchsvollen Ziele im Blick zu haben“, doch er bestätigte gleichzeitig auf FR-Anfrage, „dass wir persönlich die Zusammenarbeit zu diesem Zeitpunkt fortgesetzt hätten.“ Anders wäre es womöglich gewesen, wenn der FFC im Champions-League-Achtelfinale nicht im Elfmeterschießen gegen LSK Kvinner – zuletzt Meister vor Bells neuem Klub Avaldsnes – weitergekommen und beim USV Jena in der Bundesliga in letzter Minute gewonnen hätte. Die FFC-Verantwortlichen wurden insofern von Bells Vorstoß überrumpelt – und fühlen sich sicherlich auch ein bisschen im Stich gelassen.

"Ich hatte eine großartige Zeit"

Doch niemand will schmutzige Wäsche waschen. „Ich hatte eine großartige Zeit beim 1. FFC Frankfurt und bin sehr stolz und dankbar, mit unserer tollen Mannschaft und dem engagierten Betreuerteam zusammengearbeitet zu haben. Ich wünsche meinen bisherigen Spielerinnen das Allerbeste und werde dem Verein verbunden bleiben“, ließ Bell in der Vereinsmitteilung wissen. Adler ließ verlauten: „Wir haben Fußballlehrer Colin Bell viel zu verdanken und in den letzten zweieinhalb Jahren gut und erfolgreich zusammengearbeitet. Wir wünschen ihm als Trainer und persönlich für die Zukunft weiterhin viel Erfolg.“

Die Trainingsleitung übernehmen ab sofort die beiden Co-Trainer Matt Ross und Kai Rennich die Betreuung interimsmäßig. Der gebürtige Australier Ross soll dabei das letzte Wort haben. Am Sonntag steht für den 1. FFC Frankfurt nun das Heimspiel gegen den SC Sand (11 Uhr) an, wo sich die Interimstrainer beweisen müssen. Anschließend bleibt für das Duo noch in zwei Bundesliga-Auswärtsspielen (Bayer Leverkusen, SGS Essen)  die Chance, sich als Dauerlösung zu bewähren. Dietrich will parallel Gespräche mit anderen Kandidaten führen.

Bell ist zuletzt  beim 1. FFC Frankfurt auch am eigenen hohen Anspruch gescheitert. Denn die Messlatte in der Bankenstadt in Sachen Frauenfußball liegt hoch. Doch der Verein ist auch gut beraten, die Kaderzusammenstellung zu hinterfragen: Nach dem Rücktritt von Celia Sasic wurde versäumt, einen frühzeitig hochkarätigen Ersatz im Sturm zu beschaffen. Im Mittelfeld klaffte wegen des Abgangs von Vero Boquete und der Verletzung von Dzsenifer Marozsan ein kreatives Loch. All diese Verluste konnte der aktuelle Kader nicht auffangen.

Vermutlich ahnt Bell, dass die Möglichkeiten des Klubs eingedenk der Konkurrenz im In- und Ausland begrenzt sind. Auch deshalb suchte er vielleicht noch aus freien Stücken das Weite und zieht bald in einen norwegischen Wikingerort,  der mitsamt Fährverkehr fast zwei Autostunden von der Stadt Stavanger entfernt liegt und ein ziemliches Kontrastprogramm zur weltoffenen Metropole Frankfurt darstellt.

 

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