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"Ashes of Time: Redux": Wie Phönix aus der Asche

Wer das Werk des Filmpoeten Wong Kar-wai aus Hongkong liebt, stößt irgendwann auf "Ashes of Time". Nun hat er seinen verkannten Klassiker von 1994 revidiert. Von Daniel Kothenschulte

Wong Kar-wais ernster Schwertkämpfer.
Wong Kar-wais ernster Schwertkämpfer.
Foto: 20th century fox

Wer das Werk des Filmpoeten Wong Kar-wai aus Hongkong liebt, stößt irgendwann auf "Ashes of Time". Entstanden 1994 zwischen den beiden Meisterwerken "Chungking Express" und "Fallen Angels", kleinen Filmen von ungeheurer Freiheit, ist es eine jener historischen Großproduktionen, wie sie schon damals selten waren. Doch wer in Wongs aufwändigstem Film auch das vergessene Hauptwerk vermutete, sah sich bald ernüchtert. Im Kino war "Ashes of Time" aus rechtlichen Gründen kaum zu sehen, auf Video ließen sich die ausladenden Tableaus kaum erkennen. Die Farben waren verwaschen, und niemand wusste, ob das so gemeint war. Und die verworrene Geschichte vom einsamen Schwertkämpfer in einer Wüstenlandschaft erleichterte den Zugang auch nicht gerade.

Nicht von ungefähr spielt ein verzauberter Wein darin eine zentrale Rolle, der jede Erinnerung an die Vergangenheit auslöscht. Unter dessen Einfluss heiratet ein Schwertkämpfer eine geheimnisvolle Schönheit. Dass sich diese in zwei Zwillingsfiguren aufspalten kann, macht seine Ehe nicht einfacher. Doch der Held hat andere Sorgen: Er ist die Zielscheibe verschiedenster Mordkomplotte rivalisierender Schwertkämpfer.

Selbst das an verwegene Handlungen gewöhnte Hongkonger Martial-Arts-Publikum muss Schwierigkeiten gehabt haben, "Ashes of Time" zu folgen. Nun ist dieser rätselhafte Phönix einer längst untergegangenen Filmkultur wieder auferstanden aus der Asche seiner Zeit. Wong Kar-wai hat ihn allerdings vor allem am Anfang und Ende umgeschnitten, um das Verständnis zu erleichtern. Dabei leuchten die Farben durch Nachkolorierung irrealer und vielleicht auch schöner als zuvor, aber gemeinsam mit der neuen Filmmusik wirkt er aus seiner Entstehungszeit entrückt. Statt des unbefangenen, elektronischen Pop-Soundtracks, der so typisch ist für die Blütezeit des Hongkong-Kinos, spielt nun Yo-Yo Ma ein gediegenes Cello.

Wong selbst hält die Eingriffe allerdings für gering: "Will man einen alten Film wieder anfassen und ihn zehn Jahre jünger aussehen lassen? Oder will man ihn so erhalten, weil man damals selbst ein anderer war? Ich bin immer noch stolz auf mein Werk. Sollte ich es ändern?"

Ashes of Time: Redux, Regie: Wong Kar-wai, Hongkong 1994/2008, 93 Minuten.

Autor:  Daniel Kothenschulte
Datum:  17 | 9 | 2009
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