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Film

25. August 2010

"Das Leben ist zu lang": In der Bedeutungslosigkeit

 Von Daniel Kothenschulte

Dani Levys zahnlose Satire auf die Filmwirtschaft „Das Leben ist zu lang“ verhilft dem Nebbich nicht aus der Bedeutungslosigkeit.

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Das jiddische Wort vom Nebbich zu erklären, wie es Dani Levy gleich zu Beginn seiner Komödie versucht, wäre selbst einen abendfüllenden Film wert. Was immer so ein Nebbich anstellt, er kommt nicht heraus aus seiner Bedeutungslosigkeit. Wer kein Unmensch ist, der muss bei all dem glücklosen Mühen etwas Mitleid für ihn übrig haben.

Der vom Erfolg verlassene Filmregisseur Alfi Seliger ist dieser Nebbich. Sein Name ist in der Branche gerade noch bekannt genug, um ihn mit einem Jahrzehnte zurückliegenden Erfolg zu verbinden. Nun geht er hausieren mit einer Idee, die das Scheitern bereits in sich trägt: Eine Komödie über den Karikaturenstreit. Gerne würde man erfahren, was er sich darunter vorstellt, doch dazu kommt es nicht.

Stattdessen folgt ihm der Film auf seiner Odyssee durch eine selbstverliebte deutsche Filmszene, in der er keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt. Markus Hering spielt den Nebbich so, dass man sofort den Regisseur Dani Levy in ihm erkennen kann. Und Levy selbst hat eine Menge Sympathie für diesen Nebbich, der er selber ist.

Es gibt viele Filme über das Filmemachen und seine Krisen, viele sind nicht frei von Eitelkeit: Truffaut idealisierte sich in „Die amerikanische Nacht“, Woody Allen bekleckerte sich in „Stardust Memories“ selbst mit reichlich Sternenstaub. Dennoch war stimmig, was sie taten. Denn weit mehr als vor sich selbst verbeugten sie sich vor dem Kino. Die Larmoyanz von „Das Leben ist zu lang“ jedoch ist von einer anderen Sorte, da sie die Schuld für die Schaffenskrise bei den anderen sucht: Bei dem protzigen Produzenten wie aus den Fünfziger Jahren, komplett mit osteuropäischer Diva im Arm, gespielt von Veronika Ferres. Oder, wie originell, beim vergnügungssüchtigen Privatfernsehen. Wenn Levy wenigstens die staatliche Filmförderung attackierte und ihren wachsenden Kulturverlust. Doch die vermeintliche Satire ist ein zahnloser Tiger.

Wenn Levy schließlich auch noch persönlich auftritt, weil sich seine Filmfigur Seliger unbedingt bei ihrem Schöpfer beschweren möchte, bricht sich der Film nicht etwa nur an sich selbst. Er zerbricht vollends. Und zwar an seinem Unvermögen, bei aller Selbstbezogenheit auch persönlich zu sein. Sein Scheitern lässt uns gleichwohl nicht ungerührt. Schließlich mögen wir ja den Nebbich.

Das Leben ist zu lang, Regie: Dani Levy, Deutschland 2010, 87 Minuten.

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