Was sollen wir noch anfangen mit einem Film über einen amerikanischen Bankangestellten, der sein erfolgreiches, wenn auch glanzloses Leben über lange Jahre allein durch den konsequenten Gebrauch des Wortes "Nein" meistern kann? Kaum waren die Dreharbeiten zum Film "Der Ja-Sager" abgeschlossen, musste dieses Bild der Kreditwirtschaft bereits haltlos naiv erscheinen. Leichtfertige Kreditvergabe - wer konnte sich noch vor zwei Jahren ein derart unvernünftiges Verhalten als wirtschaftliche Normalität vorstellen? Erstaunlicherweise gehen die Amerikaner dennoch seit Wochen in Scharen in diese Komödie um einen Kreditmanager, der mühsam das Ja-Sagen lernen muss. Wahrscheinlich, weil sie wie eine Botin aus einer vergangene, glücklichen Zeit zu ihnen spricht.
Wir begegnen dem Bankangestellten Carl Allen (Jim Carrey) in einem Zustand der Angepasstheit an der Grenze zur Selbstauflösung. Als ihn sein einziger Freund zu seiner Verlobung einlädt, klingt das wie eine Rettung vor dem Verschwinden. Doch Carl verschusselt den Termin. Sein Leben ändert sich erst, als er in die Versammlung des Clubs der "Ja-Sager" stolpert. Terence Stamp spielt den Guru dieser Lebenshilfe-Sekte, hinter der man schnell das eingravierte Lächeln eines Tom Cruise und seiner Scientologen durchscheinen sieht. Carreys Filmfigur nimmt ihre Botschaft wörtlich: Indem er fortan jede Frage mit "Ja" beantwortet, muss er zwar einmal seine ganze Barschaft an einen Bettler verschenken. Dafür läuft in der Bank alles noch viel besser (so viel Weitsicht hat der Film immerhin), als er inflationär sämtliche Kleinkredite bewilligt. Dann aber gerät er in die Fänge der Terrorfahndung: Nicht nur, dass es in den USA offenbar bereits verdächtig ist, spontan einen Flug nach Nebraska zu buchen. Im Internet führt konsequentes Ja-Sagen zu besonders auffälligem Verhalten - im Falle Carl Allens zu einem verdächtigen Besuch auf einem iranischen Heiratsportal.
Etwas berührt an dieser einfach gestrickten Komödie: Das "positive Denken" ist die Pest im New Age der wohlfeilen Lebenshilfe. In der konsequenten Einlösung ihrer Versprechen entwickelt der von Peyton Reed inszenierte Film das perfekte Gegengift - eine poetische Anarchie.
Der Ja-Sager, Regie: Peyton Reed, USA 2008, 104 Minuten.