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Film

20. Dezember 2012

„Die Abenteuer von Huck Finn“ im Kino: Hände weg vom Mississippi

 Von Katja Lüthge
Louis Hofmann (l.) als Tom Sawyer und Leon Seidel als Huck Finn in dem Abenteuerfilm "Die Abenteuer des Huck Finn" von Hermine Huntgeburth. Foto: Majestic/Tom Trambow/dapd

In "Die Abenteuer des Huck Finn" hat sich der Drehbuchautor Sascha Arango weit von Mark Twains Original entfernt. Im Film ist das Elend recht pittoresk geraten. Immerhin: Langweilig wird es nicht.

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Durchaus gruselig ging es zu in der Verfilmung des ersten Teils der Abenteuer von „Tom Sawyer“ und Huckleberry Finn durch die Regisseurin Hermine Huntgeburth. So bedrohlich war der messermordende Indiana Joe inszeniert, dass er nicht nur Tom Sawyer im Schlaf verfolgt haben dürfte, sondern auch viele seiner kleinen Zuschauer. Es gab einzelne Proteste von Eltern und durchaus allgemeine Verwunderung über die Altersfreigabe dieses Films ab sechs Jahre. Nun kann man gewiss darüber streiten, ob es der Horroreffekte bedurfte hätte in einer zur Lausbubengeschichte reduzierten Filmadaption der komplexen Romanvorlage. Dass der gesellschaftskritische Südstaaten-Roman von Mark Twain arm an Gewalt wäre, kann dagegen nicht behauptet werden.

Gerade in dem aus der Sicht von Huck Finn geschriebenen zweiten Teil geht es ruppig zu. Allgegenwärtig ist der grausame Rassismus: Es werden Menschen erschossen, erstochen oder gelyncht, geteert und gefedert. Neben der Frage, ob der Roman tatsächlich ein Buch für Kinder ist, war es also spannend zu sehen, wie der zweite Film, „Die Abenteuer von Huck Finn“, die Wirklichkeit bebildert.

Schwarze Sklaven allerorten

Erst einmal fällt die Sichtbarwerdung der schwarzen Sklaven ins Auge. Bislang schien das Heimatstädtchen von Tom und Huck eine rein weiße Bevölkerung zu beherbergen, aber nun tauchen allerorten Leibeigene auf. Allen voran Jim, Haussklave der Witwe Douglas, die den nach seinem Schatzfund vermögenden Rumtreiber Huck zivilisieren will. Doch der plötzliche Reichtum lockt Hucks versoffenen Vater an, der seinem Sohn ordentlich zusetzt.

Zeitgleich entdeckt Jim seine Ehefrau auf dem Sklavenmarkt und erfährt, dass er in eine weit entfernte Gegend verkauft werden soll. Die beiden fliehen und finden zufällig auf einem Floß zueinander. Gemeinsam lassen sie sich flussabwärts treiben, verfolgt vom ruchlosen Vater und von dankenswerterweise verblödeten Sklavenjägern.

Stark vom Original entfernt

Noch stärker als beim Vorgänger „Tom Sawyer“ hat sich der Drehbuchautor Sascha Arango dieses Mal vom Original entfernt. Figuren wie die dazuerfundenen Sklavenjäger sorgen für spannungslockernden Slapstick. Die Rolle von Hucks bedrohlichem Vaters ist erheblich ausgebaut. Vor allem aber wurde die episodische Struktur des Romans zu Gunsten einer stringenten Abenteuergeschichte gestrafft.

Dabei geht das eigentlich Interessante des Romans verloren: das sich aus vielen ungeplanten Begebenheiten zusammen setzende Sittengemälde der damaligen Gesellschaft. Wer Mark Twains Roman liest, kann den Gestank in der ärmlichen Ortschaft förmlich riechen. Im Film ist das Elend dagegen recht pittoresk geraten; Entbehrungen sind dem pausbackigen Huck nicht anzusehen.

Eher schon findet sich etwas von den moralischen Nöten des Jungen wieder, der zwischen seiner Loyalität gegenüber Jim und einer unangenehmen Selbstgerechtigkeit schwankt und Jim dadurch in größte Gefahr bringt. Das ergibt eine weitere Szene, die sensiblere Kinder wohl in die Arme ihrer Eltern treiben wird. Langweilig wird es immerhin nicht! Ob es dafür eine derart vielschichtige Vorlage braucht, bleibt indes fraglich.

Die Abenteuer des Huck Finn Dtl. 2012. 95 Minuten, Farbe. FSK ab 6. Mit August Diehl, Michael Gwisdek, Henry Hübchen, Heike Makatsch u.a.

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