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Film

26. Dezember 2014

„Die Entdeckung der Unendlichkeit“: Die Physik der Liebe

 Von Cornelia Geissler
Der Moment, in dem die Zeit steht: Eddie Redmayne und Felicity Jones in "Die Entdeckung der Unendlichkeit".  Foto: dpa

Das Biopic über Stephen Hawking und seine Frau Jane verzaubert: „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ von James Marsh, mit Felicity Jones und einem glänzend spielenden Eddie Redmayne.

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Was wir Liebe nennen, lässt sich heute wissenschaftlich zwar einigermaßen beschreiben. Doch der entscheidende Faktor, der auslöst, dass zwei Menschen einander verfallen, bleibt ein Geheimnis. Im Film scheint dies ganz einfach. Der erste Blick, den der Doktorand Stephen Hawking in Cambridge auf Jane Wilde richtet, löst in ihm sofort den Wunsch aus, sie kennenzulernen. Das erste Gespräch, das die Literaturstudentin Jane Wilde mit Stephen Hawking führt, verankert in ihr den Wunsch, es fortzusetzen.

Sie ist schüchtern, bildschön, klug, sittsam – dieses Bild liefert Felicity Jones ab, die Jane spielt in dem Film „Die Entdeckung der Unendlichkeit“. Er ist beliebt, neugierig, klug, ungeschickt – so spielt Eddie Redmayne Stephen Hawking in den ersten Szenen. Das Linkische seiner Bewegungen scheint aus der Schlaksigkeit des 21-Jährigen zu rühren, Jane jedenfalls stört das nicht. Denn neben ein paar Eindrücken aus dem Studien-Alltag beginnt der Film vor allem mit der schnell wachsenden Liebe zwischen den beiden. Doch der eher Dokumentarfilm-erfahrene Regisseur James Marsh baut diese Bilder schon so, dass man in Hawkings Beweglichkeit deren Vergänglichkeit ahnt.

Und als Stephen und Jane am Rande eines Tanzfestes stehen, weil er generell nicht tanzt, da lassen Tausende Lichter eher an Hawkings Weltall-Forschung denken als an Romantik. Die beiden werden heiraten, obwohl zwischen den ersten glücklichen Szenen und der Eheschließung die Diagnose ALS für Hawking liegt, obwohl die Ärzte ihm nur noch ein kurzes qualvolles Leben prognostizieren.

Eddie Redmayne als Stephen Hawking in "Die Entdeckung der Unendlichkeit".  Foto: dpa

Stephen Hawking ist der bekannteste Wissenschaftler unserer Zeit – bekannt im Sinne einer Prominenz, wie Schauspieler oder Adlige sie haben. Am Ende des Films wird man nicht sehr viel über seine Arbeiten zur Relativitätstheorie und zur Quantenphysik gelernt haben, aber über seinen Stil: immer offen für Gedankensprünge, stets beharrlich in der Forschung, niemals bereit zu verzweifeln. Das Biopic „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ erzählt nicht vom Mythos Stephen Hawking, sondern vom Leben mit seiner Frau. Während er also in der öffentlichen Wahrnehmung der geniale Wissenschaftler im vollkommen lädierten Körper ist, stellt der Film ihn als Mann dar, er lässt über die körperlichen Gebrechen hinwegsehen.

Es ist die große Verzauberung, die Marsh und seinem Schauspieler Redmayne gelingt: Dieser Stephen Hawking behält seine Jugendlichkeit, seinen Ehrgeiz, seine Selbstständigkeit den ganzen Film über, der drei Jahrzehnte umfasst. Und das, obwohl er zunehmend unbeweglicher wird, ja sogar infolge einer Notoperation an der Luftröhre seine Sprechfähigkeit verliert.

Redmayne muss im Verlauf des Films seine gestischen Möglichkeiten immer weiter begrenzen und spielt das absolut glaubwürdig: Er geht mit Krücken, er braucht einen Rollstuhl, er kann sich den Pullover nicht mehr allein ausziehen, schafft es nicht mehr, die Gabel zum Mund zu führen, ist schließlich bei der Kommunikation allein auf die Augen angewiesen.

Eddie Redmayne als Vater Stephen Hawking.  Foto: dpa

Der Film bleibt zugleich dicht bei Jane Hawking. Sie stellt ihre wissenschaftliche Karriere zurück im Interesse ihres Mannes und der drei Kinder. Mit großer Geduld und mit Hilfe ihres Glaubens, für den ihr Ehemann wenig übrig hat, kann sie Pflege und Kindererziehung lange allein bewältigen. Felicity Jones zeigt sie als in sich ruhende, starke Frau, deren Liebe zu ihrem Mann hält, obwohl er sich körperlich so dramatisch verändert. Der Film beruht zu Teilen auf ihren Erinnerungen, dennoch wird Jane Hawking weder heroisiert noch dem Bedauern preisgegeben.

„Die Liebe“, heißt es im 1. Korintherbrief in der Bibel, „erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.“ So lebten die Hawkings offenbar jahrelang, so spielen Redmayne und Jones. Der Film folgt beider Leben mit Respekt, auch dann noch, als das Paar sich trennt. Dabei spielt der Faktor Zeit in verschiedener Weise eine wichtige Rolle. Es geht es um Zeit in Hawkings Forschung. Er selbst gewinnt sehr viel mehr an Lebenszeit, als ihm die Ärzte je hätten prophezeien wollen. Der Regisseur lässt aber auch Bilder gefrieren, um Momente festzuhalten, Augenblicke der Angst, Momente der Hoffnung. Er dreht sogar die Zeit zurück. Dieser Film feiert das Leben und die Liebe.

Die Entdeckung der Unendlichkeit. GB 2014. Regie: James Marsh. 123 Min.

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