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Film

24. Januar 2013

„Frankenweenie“ von Tim Burton: Man lebt nur zweimal

 Von Daniel Kothenschulte
Endlich sind sie wieder zusammen: Vincent und sein geliebter Hund Sparkey.                                                       

Ein Künstlertraum wird wahr: Tim Burton durfte sein Frühwerk „Frankenweenie“ noch einmal drehen – als Meisterwerk des Puppenfilms.

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Familie Frankenstein kann nichts für diesen Nachnamen. Er ist ohnehin das Auffälligste an dem adretten Ehepaar und ihrem höflichen, introvertierten Sohn Victor. Die Frankensteins haben auch einen lustigen Hund, der Sparkey heißt und sich in früheren Zeiten bestens für eine Nebenrolle in „Die kleinen Strolche“ geeignet hätte. Aber die Ära des Slapsticks ist lange vorbei. Man genießt den gemütlichen Wohlstand der 1960er-Jahre im schönsten Vorstadt-Einerlei. Am folgenden Schlamassel ist eigentlich die Nachbarkatze schuld: Sie hinterlässt Exkremente in Buchstabenform, die auf prophetische Träume schließen lassen. Als sie ein „V“ für Victor ausgeschieden hat, nimmt das Unheil seinen Lauf. Victor schlägt den Baseball seines Lebens, doch Sparkey läuft ihm nach und kommt dabei unter die Räder.

Mit Liebe handgemacht

Der Tod ist ein alter Begleiter der Animation. Schließlich besteht die mühselige Arbeit von Trickkünstlern darin, tote Gegenstände lebendig zu machen. Wie hier bei „Frankenweenie“, dem Puppenfilm von Tim Burton, investieren sie eine Woche Arbeit in acht wunderschöne Filmsekunden. Ladislav Starevich, der russische Pionier des Puppenfilms, entdeckte diese Kunstform in der Zarenzeit, als er als Leiter eines Naturkundemuseums tote Käfer animierte. Schon er war ein kleiner Frankenstein.

„Wenn jemand stirbt, den du liebst“, will Mrs. Frankenstein den kleinen Victor trösten, „bleibt er trotzdem bei dir. Er wechselt nur den Ort und lebt dann in deinem Herzen.“ „Da will ich ihn aber gar nicht haben“, antwortet der Junge trotzig und beschließt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Mr. Rzykruski, der neue Naturkunde-Lehrer hat ja gezeigt, wie man mit ein paar Stromstößen einen toten Frosch zum Zappeln bringt. Was wird nun geschehen? Wird der Hund Sparkey zum Monster?

Horror-Fans wissen, dass dies nie passieren wird. Für sie war das Monster, das in der Mary-Shelley-Verfilmung „Frankenstein“ einst von Boris Karloff gespielt wurde, schon immer ein Opfer, einsam und ausgegrenzt. Mit welcher Figur sollte man sich denn sonst identifizieren? Vielleicht mit den Spießbürgern, die sich am Ende zum Lynch-Mob zusammenrotten?

Der Regisseur Tim Burton hat sein halbes Werk solchen Outsidern wie dem Monster gewidmet. Der schwarzhaarige Victor, erfunden für einen Kurzfilm von 1984, ist das Selbstbildnis des Künstlers im Grundschulalter. Als Burton mit bescheidenen Mitteln die erste Version von „Frankenweenie“ drehte, war er im damals führungslosen Disney-Studio angestellt. Ein Outlaw im Mäusereich. Nun hat ihn seine Alma Mater wieder. Es ist der wahrscheinlich einzige Fall in der Filmgeschichte, dass ein Regisseur nach Jahrzehnten zurückkehren kann, um den Film zu drehen, der ihm schon damals vorschwebte – als Meisterwerk der totgesagtesten und lebensvollsten aller Tricktechniken, der Puppenanimation.

Armes Monster

Welches Glück muss darin liegen, sich einen Jugendtraum doch noch erfüllen zu können? Und sich zurückzubeamen zum Urgrund der eigenen Kreativität? „Frankenweenie“ ist Tim Burtons bester Film seit fast zwei Jahrzehnten. Nichts ist zufällig an diesem hochkonzentrierten Werk, das nicht nur die Ästhetik klassischer Horrorfilme reanimiert, sondern vor allem deren heimliche Liebe zu den Freaks und Monstern aufleben lässt. Nicht nur das Schwarz-Weiß fügt sich an die Schönheit von „Ed Wood“, auch Martin Landaus Stimme ist noch einmal zu hören als unverstandener, von der Elternversammlung verjagter Lehrer Rzykruski.

Tim Burton hat nicht nur zur eigenen, sondern auch zu Walt Disneys wilder Jugend zurück gefunden: als im Disney-Studio noch Skelette tanzten und sich schon einmal, 1933, ein Hund in die Fänge Frankensteins verirrte – Mickys Hundchen Pluto in „The Mad Doctor“.

Frankenweenie USA 2012. Regie: Tim Burton, Drehbuch: Tim Burton, John August, Kamera: Peter Sorg. 84 Minuten, S/W, 3D. FSK ab 12.

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