Wer es gern reibungsarm und harmonisch hat, sollte nicht Filmproduzent werden. Zumal nicht in Hollywood, wo allein der kommerzielle Erfolg eines Films über die weitere Existenz entscheidet. Art Linson ist Produzent (u.a. "Car Wash", "Fight Club") in Hollywood und hat 2002 in "What Just Happened - Bitter Hollywood Tales from the Front Line" kurzweilig über seine langen Erfahrungen mit den Protagonisten und Mechanismen, den Abgründen und Absurditäten des dortigen Filmschaffens geschrieben. "Inside Hollywood" heißt nun die fiktionalisierte filmische Auswertung des Buchs (Drehbuch Art Linson), in der Robert De Niro den leidgeprüften Produzenten Ben mit erstaunlich lakonischem Gleichmut spielt.
Abgekaut und lackiert
Dabei nimmt Ben nicht einmal in nennenswertem Ausmaß Drogen, im Gegensatz zu seinem multipel vergifteten Regisseur (tätowiert, manisch und mit abgekauten lackierten Fingernägeln: Michael Wincott), dessen Film "Fiercely" beim Testscreening gerade komplett durchgefallen ist. Man mag den Kugelhagel, der auf Sean Penn (im stümperhaften Film im Film als er selbst) niedergeht, ja noch als notwendig hinnehmen, aber dass am Ende sein Hund erschossen wird, straft das Publikum empört ab.
Inside Hollywood, Trailer USA, 2008
Das anschließende Treffen mit der Studiochefin findet atmosphärisch folglich knapp unter dem Gefrierpunkt statt - und auch sonst läuft das Leben für Ben weiß Gott nicht ideal. Die Kinder aus zwei Ehen wollen finanziell und ideell versorgt sein, von seiner zukünftigen Ex-Frau (Robin Wright Penn) kann er nicht lassen und stellt ihr von Eifersucht getrieben nach.
Als echtes Problem erweist sich aber erst Bruce Willis (ebenfalls als er selbst), der am Set zu einem neuen Blockbuster-Actionfilm mit Wampe und fiesem Vollbart auftaucht, den abzurasieren er sich wütend weigert. Es ist eine Freude, Robert De Niro als Ben beim Leiden zuzuschauen, eine Satire, die außer ihm jemand weh tun würde, ist "Inside Hollywood" nicht. Art Linson und Regisseur Barry Levinson reißen keine Brücken hinter sich ein, sie bedienen vielmehr auf unterhaltsame Weise das von Hollywood selbst gern kokett gepflegte Image ruchloser Immoralität. Produziert haben "Inside Hollywood" unter anderem De Niro, Levinson und Linson.
"Inside Hollywood";
Regie Barry Levinson, USA 2008, 104 Minuten.